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Stadt Hannover Schnapsidee
Aus der Region Stadt Hannover Schnapsidee
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00:15 06.01.2014
Von Susanna Bauch
Foto: Obstbrenner aus Leidenschaft: Roland Schulze.
Obstbrenner aus Leidenschaft: Roland Schulze. Quelle: Wolfgang Hofer
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Hannover

Es herrscht Hochsaison für Hochprozentiges. Jetzt im Winter sind die Äpfel und Birnen verarbeitet, die Brände werden abgefüllt und an die Kunden verkauft. Die „Obstverschlussbrennerei Lister Destille“ ist die einzige Brennerei in der Region Hannover, die Obstbrände herstellt. Der Wortteil „Verschluss“ im Namen ist für die Betreiber Roland Schulze und Wolfgang Hofer enorm wichtig – macht er doch klar, dass hier jede Flasche ordentlich verplombt und vom Zoll abgenommen ist. Gut
13 Euro Steuern pro Liter reinen Alkohols kassiert der Staat. Die Geschäftsräume am Mengendamm bestehen aus der Brennerei, Seminar- und Verkaufsraum sowie den benötigten Flächen für die Obstbearbeitung und die Lagerung von fertigen Bränden.

Seit 2006 kommt hier manch Geist in die Flasche. Was zunächst ein Hobby der Betreiber war – Schulze und Hofer waren jahrzehntelang in Sachen Ton- und Lichttechnik für Bands und Veranstaltungen unterwegs – ist mittlerweile ein Vollzeitjob. Autodidakten sind beide, an diversen Fachlehrgängen führte dennoch kein Weg vorbei. „Wir mögen unser Produkt natürlich auch selber gerne“, betont Schulze, und Hofer erzählt, dass er „mehr als 50 Flaschen im Schrank“ hat.
Doch bis dahin ist es ein langer Weg. Am Anfang steht natürlich das Obst. Auch wenn Schulze meint, dass man so ziemlich alles verarbeiten kann, hält man sich in der List an klassische Früchte wie Apfel, Birne, Zwetschge, Mirabelle oder Kirsche.

Von der Birne zum Brand

Die „Lister Destille“ am Mengendamm 6 hat ihre Pforten 2006 im Gewerbegebiet in der List geöffnet. Neben dem Brennen von Obstbränden und Obstgeist widmen sich die Betreiber Roland Schulze und Wolfgang Hofer auch Seminaren, in denen Laien an die Kunst der Brenntechnik herangeführt werden. Die Teilnehmer lernen dabei unterschiedliche Brennverfahren und Brennereiklassen kennen, erfahren Interessantes zum Thema Branntweinmonopol und Geschichte des Alkohols sowie zur Spirituosen- und Verpackungs-
verordnung. Außerdem wird ein Obstbrand erstellt – und natürlich sollte möglichst keine Frage unbeantwortet bleiben. Die „Destille“ ist dienstags und freitags von 14 bis 17.30 Uhr geöffnet. Kontakt über Telefon (05 11) 89  86 95 54 oder info@listerdestille.de sowie www.listerdestille.de. sub

Diese heißt es zunächst zu Maische zu verarbeiten – also waschen, zerkleinern, entkernen und zu Mus zerstampfen. Das wird dann mit (Brenn-)Hefe angesetzt und gärt vier bis sechs Wochen unter Luftausschluss und bei Zimmertemperatur vor sich hin. Dann wird das Mus im Brennkessel erhitzt und destilliert. Weil sich Alkohol eher verflüchtigt als Wasser, erhebt er sich in den Wasserdampf, wird abgekühlt und gesammelt. Da so eine Fruchtmaische im besten Fall 5,5 Prozent Alkohol enthält, ergibt das beim Brennen von 100 Kilo Maische auch nur 5,5 Liter, von denen sogar nur drei bis dreieinhalb Liter wirklich genießbar sind.

Zunächst gibt es nämlich den „Vorlauf“ und hinterher noch den „Nachlauf“ – diese werden nicht genutzt. Aber auch jetzt ist der Schnaps noch lange nicht fertig. Der hochprozentige Brand (meist etwas mehr als 80 Prozent) reift noch einmal ein halbes Jahr, dann wird er mit entkalktem Wasser auf Trinkstärke verdünnt. Nun kann abgefüllt, allerdings immer noch nicht ausgeschenkt werden. Ein weiteres halbes Jahr Reifezeit rundet den Obstbrand noch weiter ab. „Wir stellen zwischen 350 und 450 Liter reinen Alkohol pro Jahr her, daraus werden dann wiederum zwischen 800 und 1200 Liter Obstbrand“, sagt Schulze. Die Brennerei ist das Herzstück der „Destille“, obwohl das Brennen eigentlich ein Verdampfen ist – und ein anschließendes Abkühlen. So heißt der Kessel denn auch Wasserbad-Brennkessel und ist für eine Füllmenge von 150 Liter Maische ausgelegt.

Das Wasserbad verhindert das Anbrennen der Maische, geheizt wird traditionell mit Holz. Oben dient der birnenförmige Geistdorn einer besonders genauen und schonenden Trennung der einzelnen Abläufe (Vorlauf-Mittellauf-Nachlauf). Seitlich an der Brennblase befindet sich ein Rührwerk, um die eingefüllte Maische beim Aufheizen zu vermischen. Die Brennblase wird durch die Einfüllöffnung oder die angeschlossene Maischepumpe über die Rohrleitung aus dem Nebenraum befüllt. Durch die eingebauten und beleuchteten Schaugläser lassen sich alle Vorgänge gut beobachten.

Im Verschlussraum stehen die Edelstahlsammelbehälter für Vorlauf (100 Liter), Mittellauf (3 mal 200 Liter) und Nachlauf (200 Liter). Mittels Mehrwegeventilen werden die Behälter während des Brennvorgangs befüllt, und das Destillat wird gesammelt. Auf den Sammelbehältern steht der Edelstahlkühler, in dem der Alkoholdampf kondensiert und in die Vorlage läuft. Zur Reduzierung von Ethylcarbamat (kommt bei Steinobstbränden durch die Steine vor) ist ein zuschaltbarer Katalysator angebaut.

„Einmaliges Brennen reicht für einen fertigen Obstbrand“, sagt Schulze. In der List lagert das Hochprozentige mehrere Monate in Eichen- oder Akazienholzfässern, bevor sie in den Handel oder an den privaten Kunden kommen. „Wir beliefern einige niedersächsische Händler, aber es kommen auch schon mal Obstbauern“, erzählt Schulze. Wer eigenes Obst vorbeibringen und verarbeiten lassen möchte, sollte nicht weniger als 100 Kilogramm anschleppen, sonst lohnt der Aufwand nicht. Die Betreiber der „Lister Destille“ bieten zudem regelmäßige „Hobby-Schnapsbrenner-Seminare“ und Verköstigungen an.

Das Interesse am Obstbrand wächst offensichtlich, „viele freuen sich, dass es so was gibt“, sagt Schulze. „Es macht einfach Spaß, zu sehen, wie der Obstbrand hergestellt wird“, betont Hofer. Oder der Obstgeist – Nuss und Vogelbeere eignen sich dafür besonders gut, genauso wie der Klassiker Himbeere. Probiert wird allerdings am Mengendamm nicht zwischendurch. „Wir haben noch keine Liege im Büro“, sagt Schulze. Die beiden Experten sind sogar besonders geduldig, wenn es um das Verköstigen ihrer Schnäpse geht. „Erst nach eineinhalb Jahren schmeckt der Brand abgerundet und entfaltet sein Aroma so richtig.“

Für Wolfgang Hofer ist das Schnapsgeschäft zur Leidenschaft geworden. „Und ich dachte mir, wenn ich jetzt nicht umsteige, wann dann.“ Und für Roland Schulze ist die Destille gleichwohl Teil der Altersversorgung. „Das hier kann man auch mit 70 noch machen.“ Bis dahin läuft aber noch viel Maische durch den Brenner.

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