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Stadt Hannover SPD-Chef liegt bei Kandidatenkür zurück
Aus der Region Stadt Hannover SPD-Chef liegt bei Kandidatenkür zurück
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20:28 08.02.2017
Von Andreas Schinkel
Wer wird sich durchsetzen? In der SPD gibt es mehrere spannende Duelle um die Kandidaturen in den Wahlkreisen für die Landes- und die Bundestagswahl. Quelle: Archiv/Montage
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Hannover

Hannovers SPD-Chef Alptekin Kirci hat im Rennen um eine Landtagskandidatur einen Holperstart hingelegt. Sein Konkurrent, der Landtagsabgeordnete Michael Höntsch, konnte bereits zwei von fünf SPD-Ortsvereinen für sich gewinnen. Zudem hat im Wettstreit um den Bundestagswahlkreis Hannover-Nord die Staatssekretärin Yasmin Fahimi ihren Vorsprung ausgebaut - gefolgt von Nachwuchstalent Marko Kratzke. Abgeschlagen ist indes, für viele Genossen überraschend, die Unternehmerin Jasmin Arbabian-Vogel.

Entscheidung im März

Wer sich bei den Sozialdemokraten um ein Bundes- oder Landtagsmandat bewirbt, muss zunächst die Parteibasis überzeugen. In allen SPD-Ortsvereinen des jeweiligen Wahlkreises müssen sich die Bewerber mit einer kurzen Rede vorstellen. Danach geben die versammelten Genossen ein Votum ab. Die endgültige Entscheidung treffen die Delegiertenversammlungen im März und im April. Die Wahlergebnisse in den Ortsvereinen sind aber mehr als nur ein Fingerzeig, schließlich werden die Delegierten aus den Reihen der Ortsvereine entsandt. Je größer der Verein, desto mehr Delegierte darf er stellen. Das bedeutet: Wer große Ortsvereine für sich gewinnt, ist klar im Vorteil.

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„Noch ist alles offen“, sagt SPD-Chef Kirci. Drei Entscheidungen stehen noch aus, unter anderem in der Nordstadt (stellt sechs Delegierte), wo Kirci als ehemaliger Bezirksbürgermeister viel Zustimmung erwartet. Zudem müssen Kirci und Höntsch noch den größten SPD-Ortsverein ihres Wahlkreises in Vahrenwald-List besuchen (stellt 17 Delegierte). Sollte Kirci auch dort überzeugen, würde sich das Blatt schnell wenden.

Einige Genossen meinen, dass Kirci sein Amt als Parteichef abgeben müsse, sollte er bei der Kandidatenkür scheitern. Kirci hält dagegen. „Ich habe meine Arbeit als Stadtverbandschef bisher nicht schlecht gemacht“, sagt er. Dennoch dürfte ihm seine Partei ein zweites Scheitern bei einer Wahlkreis-Bewerbung kaum durchgehen lassen. Kirci hat sich 2009 erfolglos um eine Kandidatur für den Bundestag bemüht, er unterlag seiner parteiinternen Konkurrentin Kerstin Tack.

Niveauvolle Debatten

Kircis Kontrahent Höntsch bleibt trotz seines Anfangserfolgs gelassen. „Wir gehen fair miteinander um, die Debatten sind niveauvoll“, sagt er. Noch sei nichts entschieden. Höntsch war im November überrascht, dass ihm sein Parteichef seine Wiederbewerbung um die Landtagskandidatur streitig macht. In der Partei ist die Kampfkandidatur zum Teil auf Skepsis gestoßen. Kirci gehe ein hohes Risiko ein, hieß es.

Auch bei der Kandidatenkür für den Bundestag bahnt sich eine Überraschung an. Jasmin Arbabian-Vogel, bestens vernetzt in Hannover und ein bekanntes Gesicht der Sozialdemokraten, hat die Parteibasis bisher nicht überzeugt. Von fünf Ortsvereinen, die sich schon entschieden haben, konnte sie keinen einzigen für sich gewinnen. Vier Ortsvereine stimmten für Fahimi, einer für Kratzke. In Delegiertenzahlen ausgedrückt heißt das: 13 Delegierte werden voraussichtlich für Fahimi stimmen, sechs für Kratzke und keiner für Arbabian-Vogel. Noch stehen Entscheidungen in mitgliederstarken Ortsvereinen wie Südstadt-Bult aus.

Wernstedt oder Schmalstieg?

Im Rennen um die Landtagskandidatur zwischen der Landtagsabgeordneten Thela Wernstedt und Nachwuchspolitiker Philipp Schmalstieg läuft nicht alles wie erwartet. Im Ortsverein Herrenhausen konnte Wernstedt eine satte Mehrheit einfahren. Für Schmalstieg votierten nur wenige Genossen. Die Versammlung des Ortsvereins Linden, Schmalstiegs politische Heimat, ist kurzfristig verschoben worden. Zumindest hier hätten viele auf Schmalstieg gewettet, Sohn des ehemaligen Oberbürgermeisters Herbert Schmalstieg. Doch auch hier könnte der Wettstreit einen anderen Ausgang nehmen.

Kampfkandidaturen sind nicht ungewöhnlich

Ein Wettstreit mehrerer Bewerber um einen Wahlkreis ist in den Parteien nichts Ungewöhnliches. So sind in der FDP kürzlich Kämpfe um alle Bundestagswahlkreise entbrannt. Dabei haben sich die älteren, erfahreneren Politiker durchgesetzt, für das Stadtgebiet: Claudia Winterstein und Wilfried Engelke. Ob einer von beiden tatsächlich in den Bundestag einzieht, hängt von einem günstigen Platz auf der Landesliste ab. Für kleinere Parteien ist es nahezu aussichtslos, einen Wahlkreis direkt zu gewinnen. Das bleibt den Volksparteien SPD und CDU vorbehalten.

Auch die CDU hat einen Wettstreit um einen Wahlkreis erlebt. Der Bundestagsabgeordnete Wilfried Lorenz (74)wollte es noch einmal wissen, wurde aber verdrängt von seinem 30-jährigen Herausforderer Maximilian Oppelt. Bei den CDU-Landtagskandidaturen herrscht Eintracht. Oppelt bekommt es in seinem Wahlkreis mit SPD-Kandidatin Kerstin Tack zu tun.

asl

Simon Benne 11.02.2017
Michael Zgoll 08.02.2017