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Stadt Hannover Sanierung der Brücke am Ihme-Zentrum: Droht Linden ein Verkehrs-Chaos?
Aus der Region Stadt Hannover Sanierung der Brücke am Ihme-Zentrum: Droht Linden ein Verkehrs-Chaos?
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00:15 24.03.2019
Ein Sanierungsfall: Die Brücke Spinnereistraße. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Ein Nadelöhr zwischen Hannovers Kernstadt und Linden muss saniert werden: Die Leinertbrücke, die die Spinnereistraße zwischen Calenberger Neustadt und Ihme-Zentrum trägt, hat Schäden. In Linden kursieren derzeit Gerüchte, dass ein Teilneubau wie an der benachbarten Benno-Ohnesorg-Brücke bevorstehe, er hatte Jahre gedauert. Die Stadt dementiert das allerdings: Von einer Totalsanierung oder sogar einem Abriss könne keine Rede sein. Details aber könne sie noch nicht verraten.

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Unter der Leinertbrücke laufen Fernwärmeleitungen

Offenbar sollen die Arbeiten an der Brücke im Herbst starten. Dann könnte ein Nadelöhr entstehen, denn parallel beginnen die Arbeiten für den Hochbahnsteig Braunstraße an der Glocksee, die sich wegen umfangreicher Leitungen im Boden bis 2022 hinziehen werden. Und direkt daneben errichtet Enercity den Neubau seiner Zentrale, die Abrissarbeiten der bisherigen Bebauung sind abgeschlossen. Bei der für den Hochbahnsteig zuständigen Infra heißt es, man sei von den Arbeiten nicht betroffen. Bei den Stadtwerken wiederum hofft Sprecher Carlo Kallen auf eine gute Koordination – vor allem, weil unter der Brücke die dicken Fernwärmeleitungen aus dem Heizkraftwerk Linden verlaufen, die die Innenstadt versorgen. „Die Leitungen für die Fernwärmeversorgung sind das Anspruchsvollste, wir werden das Vorgehen mit der Stadt abstimmen“, sagt Kallen.

Zahlreiche Brücken müssen erneuert werden

Überall wird derzeit an Brücken gearbeitet: Sowohl die Menge an Fahrzeugen wie auch das Gewicht des Schwerlastverkehrs haben stark zugenommen, weshalb auch fast alle Brücken der Schnellwege erneuert oder verstärkt werden müssen. Am Südschnellweg bei Döhren steht ebenso ein Abriss bevor wie am Messeschnellweg über dem Mittellandkanal: Dort soll die vierspurige Stadtautobahn während der Bauzeit für 16,6 Millionen Euro auf eine provisorische Konstruktion verschwenkt werden. Die Belastungen allerdings sind hoch: Der Bau der 100 Meter langen Benno-Ohnesorg-Brücke zwischen Calenberger-Neustadt und Linden hatte fünfeinhalb Jahre gedauert, auch wegen Problemen beim Hochbahnsteigbau. Neidisch schauten viele Hannoveraner damals nach San Francisco (Golden Gate Bridge: 2,7 Kilometer, vier Jahre Bauzeit) oder Kopenhagen (Öresundbrücke: 7,8 Kilometer, fünf Jahre Bauzeit), wo irgendwie alles schneller ging.

Stadt: Kein Abriss geplant

So schlimm aber solle es bei der Brücke Spinnereistraße nicht werden, hofft man bei der Stadt. „An der Leinertbrücke werden zwar Sanierungsarbeiten erforderlich, der Sanierungsumfang ist jedoch noch nicht abschließend festgelegt. Sobald der Umfang festgelegt ist und eine zeitliche Vorstellung über die bauliche Ausführung vorliegt, wird die Verwaltung wie üblich rechtzeitig informieren“, teilt Bauamtssprecherin Michaela Steigerwald mit.

Engpass am Schwarzen Bären?

Dann erst wird auch Klarheit über die Verkehrsführung herrschen. Als die Benno-Ohnesorg-Brücke in Abschnitten abgerissen wurde, diente die Brücke Spinnereistraße als Ausweichstrecke. Sie ist vierspurig ausgebaut. Umgekehrt wäre der Vorgang schwieriger: Die Benno-Ohnesorg-Brücke ist inzwischen in jeder Fahrtrichtung nur noch einspurig, sie kann kaum Ausweichverkehr aufnehmen.

„Mit ein paar Spachtelarbeiten nicht getan“

„Mit ein paar Spachtelarbeiten wird es nach meiner Kenntnis aber nicht getan sein“, sagt Bezirksratsherr Thomas Ganskow von der Piratenpartei. Er hat vorsorglich für die nächste Sitzung des Gremiums eine Anfrage gestellt und will von der Verwaltung hören, wie groß die Schäden sind, seit wann sie davon weiß und wann sie die Öffentlichkeit informieren will. Konkrete Antworten aber sind auch dann nicht zu erwarten – offenbar stehen Umfang und Details der Sanierung noch nicht fest.

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Das ist die Leinertbrücke

Im Volksmund wird die Leinertbrücke meist Spinnereibrücke benannt, weil die Straße, die über sie führt, Spinereistraße heißt nach den früher dort am Fluss ansässigen Baumwollspinnerei. Der echte Brückenname lautet Leinertbrücke, benannt ist sie nach dem ersten sozialdemokratischen Bürgermeister Hannovers, Robert Leinert (1873 – 1940). Der ursprüngliche Name war Glockseebrücke: Sie ergänzte ab 1890 die benachbarte Ihmebrücke am Schwarzen Bären, die jahrhundertelang die einzige Verbindung zwischen den selbstständigen Städten Hannover und Linden darstellte.

Von Conrad von Meding