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Stadt Hannover Immer mehr Schrotträder werden in der Innenstadt entsorgt
Aus der Region Stadt Hannover Immer mehr Schrotträder werden in der Innenstadt entsorgt
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00:19 01.06.2019
Skelettartige Schrotträder entsorgen Aha-Mitarbeiter gleich vor Ort auf dem Ernst-August-Platz. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Verrostete Ketten, Taubenkot auf dem Sattel, platte Reifen – das sind für Abfallfahnder Daniel Borchardt vom Entsorgungsunternehmen Aha untrügliche Zeichen, dass ein Rad schon eine ganze Weile am selben Ort steht. Er schlingt einen roten Aufkleber um den Lenker. Der Text auf der Banderole fordert den Eigentümer auf, sein Rad innerhalb eines Monats zu entfernen. „80 Prozent der beklebten Räder bleiben stehen“, sagt Borchardt. Rund um den Hauptbahnhof seien es sogar 90 Prozent. „Das Areal ist eine Entsorgungsstelle für Alträder, und es wird immer schlimmer“, sagt sein Kollege Stefan Hencke.

500 Fahrräder seit Jahresbeginn entsorgt

500 Fahrräder hat Abfallfahnder Borchardt seit Jahresbeginn aus dem Straßenraum entfernt. Nicht nur vor dem Hauptbahnhof, auch in Linden, auf der Lister Meile und in der Südstadt. „Allein 50 Schrotträder habe ich kürzlich in der Calenberger Neustadt gefunden“, sagt er. In der Nähe von Bahnhöfen und U-Bahnstationen seien häufig herrenlose Räder angekettet. Auch in Studentenvierteln werde man meist fündig. „Die Studenten ziehen um und lassen ihre alten Räder einfach stehen“, sagt Abfallfahnder Hencke. Auch gehe er regelmäßig Hinweisen von Bürgern nach. Manche der aufmerksamen Anwohner kenne er schon mit Namen.

Die mit Abstand meisten Schrotträder entdecken Abfallfahnder rund um den Hauptbahnhof – sowohl auf dem Ernst-August-Platz gegenüber dem Haupteingang als auch vor dem Nebeneingang nahe dem Zentralen Omnibusbahnhof. Die Haltebügel direkt am Bahnhofsgebäude kontrollieren die Aha-Mitarbeiter nicht, das sei Sache der Deutschen Bahn, sagen sie.

Radfahrer bemerken ohnehin keinen Unterschied, denn meist sind die Haltebügel an allen Orten belegt. „Am Hauptbahnhof finde ich fast nie eine freie Stelle, um mein Rad anzuschließen“, sagt eine ältere Dame, die ihr Rad etwas abseits auf die Straße stellt.

Politischer Streit um Fahrradstellplätze

Um Fahrradabstellplätze ist inzwischen eine politische Debatte entbrannt. Die Grünen schlagen vor, oberirdische Kfz-Parkplätze in Stellflächen für Räder umzuwidmen. Die CDU hält dagegen. „Bereits in den vergangenen Jahren sind in der Innenstadt massiv oberirdische Parkplätze weggefallen. Eine noch stärkere Reduzierung würde dem Einzelhandel schaden“, sagt CDU-Verkehrsexperte Felix Semper. Er plädiert dafür, automatisierte Fahrradparkhäuser zu bauen. Das sind turmartige Gebäude, in denen Räder mithilfe einer Hebebühne auf verschiedenen Ebenen geparkt werden können.

Einig sind sich Ratspolitiker, der Fahrradverband ADFC und selbst der ADAC darin, dass es in Hannovers Innenstadt zu wenig Abstellmöglichkeiten für Fahrräder gibt. Der ADFC meint, dass vor allem rund um den Hauptbahnhof Stellflächen fehlen. Die Diskussion um Schrotträder, die Stellplätze blockieren, hält der ADFC für überzogen. Tatsächlich gebe es gar nicht so viele fahruntüchtige Räder vor dem Bahnhof.

Mehr Fahrradbügel, mehr Schrotträder

Dem widersprechen die Abfallfahnder. „Wenn wir die personellen Kapazitäten hätten, könnten wir hier alle paar Monate durchgehen und jedes Mal etliche Räder herausnehmen oder markieren“, sagt Hencke. Rund 170 Räder haben sie an diesem Vormittag rund um den Hauptbahnhof mit Aufklebern versehen. Einige skelettartige Fahrräder ohne Reifen haben sie gleich in die Schrottpresse geworfen. „Bei solchen Relikten müssen wir nicht warten, bis sich ein Eigentümer meldet“, sagt Hencke.

Abfallfahnder Borchardt glaubt, dass zusätzliche Fahrradbügel vor dem Hauptbahnhof die Parkmöglichkeiten nur geringfügig erweitern. „Auch an neuen Haltebügeln werden wieder etliche Schrotträder stehen“, meint er. Manche Radfahrer scheinen aus der Not eine Tugend zu machen und nutzen den Standort Hauptbahnhof als eine Art Gebrauchtradbörse. An einem Fahrrad ist ein Preisschild befestigt: Für 110 Euro ist der Drahtesel zu haben. „Räder, die länger stehen, werden auch gefleddert. Klingel, Lampen und Reifen werden abmontiert“, berichtet Hencke.

Warum die Menschen immer mehr Alträder auf der Straße stehen lassen, können sich die Aha-Experten nur unzureichend erklären. „Manche vergessen das Rad, andere wollen es loswerden und stellen es irgendwo hin“, vermutet Borchardt. Gehört haben sie auch davon, dass einige ihre Fahrräder nach einer durchzechten Nacht nicht mehr wiedergefunden haben.

Funktionstüchtige, gut erhaltene Räder können unter anderem im Fairkaufhaus abgegeben werden. Bei der Tauschbörse „Hannover teilt“ lassen sich Räder gegen andere Gegenstände eintauschen. Schrotträder können auf den Aha-Wertstoffhöfen entsorgt werden. Auch zu Sperrmüllterminen ist es möglich, Alträder anzumelden.

Von Andreas Schinkel

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