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Stadt Hannover Mutmaßlicher Schläger vor Verhandlung erkrankt
Aus der Region Stadt Hannover Mutmaßlicher Schläger vor Verhandlung erkrankt
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00:19 03.12.2017
Der Angeklagte Haval A. hält sich bedeckt, neben ihm warten sein Verteidiger Clemens Anger und Marcin Raminski, der Anwalt von Hawbeer A., auf den Beginn des Prozesses. Quelle: Irving Villegas
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Hannover

 Die Brüder Haval A. (27) und Hawbeer A. (24) sollten sich am Donnerstag am Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten – laut Anklage schlugen sie im April dieses Jahres zwei unbeteiligte Passanten brutal zusammen. Doch der Prozess platzte, weil sich Hawbeer A. krank gemeldet hatte. So mussten alle geladenen Gutachter und Zeugen unverrichteter Dinge nach Hause fahren; einige von ihnen waren aus Köln, Göttingen sowie Umlandgemeinden aus der Region Hannover angereist. Olaf Wöltje, der Vorsitzende Richter des Schöffengerichts, reagierte auf die Krankmeldung leicht verschnupft. Er habe sich in 26 Jahren seiner juristischen Tätigkeit gerade einmal zwei Tage krank gemeldet – Angeklagte schienen aber deutlich „empfindlicher“ zu sein, da sie vor anberaumten Verhandlungen sehr oft erkrankten. 

Angeklagte fallen häufig aus

Dass mutmaßliche Straftäter zu Amtsgerichtsprozessen nicht erscheinen, ist ein dauerhaftes Ärgernis; es kostet die Verfahrensbeteiligten viel zusätzliche Zeit und den Steuerzahler viel Geld. Befindet sich ein Delinquent in Untersuchungshaft, kann er problemlos vorgeführt werden, doch ansonsten ist die Ausfallrate hoch. Gelegentlich bitten Richter die Polizei um Mithilfe, damit ein Angeklagter zu Hause aufgespürt und zeitnah in den Gerichtssaal befördert wird. Doch wenn eine ärztliche Krankschreibung vorgelegt wird, sind den Juristen die Hände gebunden. 

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Gelegentlich wird ein Doktor später selbst in den Gerichtssaal zitiert, um die Schwere der Erkrankung zu erläutern; immerhin sind die Hürden für eine attestierte Verhandlungsunfähigkeit höher als bei einer „normalen“ Krankschreibung. „Wer eine Erkältung hat“, sagt Presserichter Jens Buck, „kann vielleicht nicht arbeiten, aber sehr wahrscheinlich vor Gericht erscheinen.“ Er könne sich aber nicht erinnern, so Buck, dass es in den vergangenen Jahren in Hannover einen Fall gegeben habe, bei dem ein Amtsarzt das Urteil eines Berufskollegen überprüft habe.

Tritte gegen Kopf des bewusstlosen Opfers

Die Staatsanwaltschaft wirft den Irakern Haval und Hawbeer A. vor, an einem frühen Sonntagmorgen im April zwei 44 und 39 Jahre alte Passanten verprügelt zu haben. Zunächst hatten sich die alkoholisierten Brüder über die orangefarbene Hose des einen Opfers lustig gemacht, dann ging es begleitet von Schimpfworten wie „Hurensohn“ und „Wichser“ zur Sache. Der ältere der Passanten wurde bewusstlos geschlagen; die beiden Angeklagten und zwei unbekannte Mittäter sollen noch gegen seinen Kopf getreten haben, als er ohnmächtig am Boden lag. Der damals schwer verletzte Rettungsschwimmer leidet bis heute unter den Folgen der Tat. Beide Brüder sind mehrfach vorbestraft; Haval A. war erst jüngst wegen Betrugs und Diebstahls rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Einen neuen Termin für den Körperverletzungs-Prozess am Amtsgericht gibt es noch nicht.

Von Michael Zgoll