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Stadt Hannover Schlecker-Mitarbeiterinnen fordern Hilfe
Aus der Region Stadt Hannover Schlecker-Mitarbeiterinnen fordern Hilfe
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06:16 06.04.2012
Von Mathias Klein
Foto: Vor der Staatskanzlei verlangen die Demonstrantinnen nach der Insolvenz des Unternehmens mehr Unterstützung durch das Land.
Vor der Staatskanzlei verlangen die Demonstrantinnen nach der Insolvenz des Unternehmens mehr Unterstützung durch das Land. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Seinen Tagesablauf hatte sich Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) irgendwie anders vorgestellt. Aber dann kommt in der Mittagszeit der Anruf aus der Staatskanzlei. Am Telefon Bodes Chef, Ministerpräsident David McAllister (CDU). Dieser teilte Bode mit, dass ein Demonstrationszug mit ehemaligen Mitarbeiterinnen der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker im Anmarsch sei. Der Wirtschaftsminister hatte eine Landesbürgschaft für die Einrichtung von Transfergesellschaften für die nun arbeitslosen Frauen abgelehnt, während fast alle anderen Bundesländer zugestimmt hatten. Und deshalb richtet sich die Wut der ehemaligen Schlecker-Mitarbeiterinnen vor allem gegen Bode.

Eigentlich wollen die Frauen an diesem Dienstagmittag ihren Unmut nur vor McAllisters Staatskanzlei loswerden. Ausgerüstet von der Gewerkschaft ver.di mit Tröten, Trillerpfeifen und Rasseln stehen sie vor dem Gebäude in der Planckstraße. Die Wut der Frauen, die aus ganz Niedersachsen angereist sind, ist deutlich zu spüren. „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Arbeit klaut“, rufen sie lauthals, dann tröten sie wieder. Kurze Zeit später öffnet die Leiterin der Staatskanzlei, Christine Hawighorst, einer kleinen Abordnung die Tür für ein Gespräch mit dem Ministerpräsidenten. Völlig ungeplant strömt nun aber fast die Hälfte der demonstrierenden Frauen in die Staatskanzlei. Sie bevölkern einen Sitzungssaal, besetzen die weich gepolsterten Möbel auf den Fluren und im Treppenhaus und bilden eine Schlange vor den Toiletten der Regierungszentrale. „Für die Zukunft sehe ich schwarz“, sagt Klärchen Heitkamm. Ihr Mann ist Rentner, die Familie lebe von ihrem Geld. Ohne die Arbeit bei Schlecker wisse sie nicht, wie es weitergehe. Trotz der schlechten Stimmung – die Lage in der Staatskanzlei bleibt ruhig. Der Ministerpräsident gibt sich nach der Unterredung mit den Demonstrantinnen wortkarg. „Ich habe die Damen empfangen, wie es sich gehört, und wir hatten ein gutes Gespräch.“

Anne Preußner, die Organisatorin des Protestzugs, berichtet geradezu freudestrahlend, der Ministerpräsident habe noch dazu geraten, zum Wirtschaftsministerium zu gehen. Er müsse Rücksicht auf die Koalition nehmen. Den Frauen war das recht, hatten sie doch immer wieder gesungen: „Wir woll’n den Bode seh’n“.

Der Minister macht einen unbeholfenen Eindruck, als der Besuch bei ihm eintrifft. Es mag an dem schrillen Pfeif- und Trötkonzert liegen, mit dem ihn die ehemaligen Schlecker-Mitarbeiterinnen vor der Tür seines Ministeriums empfangen. In einem Sitzungsraum versuchen dann rund 20 Frauen, Bode ihre Lage deutlich zu machen. Liane Dübel zum Beispiel hat sich erst am Vortag arbeitslos gemeldet. „Beim Arbeitsamt hat man mir gleich gesagt, dass für mich nur schwer etwas zu finden sein wird, wegen meines Alters“, berichtet die 53-Jährige. Mit einer Transfergesellschaft wäre alles einfacher und besser gewesen, sagt ver.di-Sekretärin Preußer zu Bode. „Die Frauen haben das Gefühl, sie werden hier veräppelt“, sagt Preußer.

Bode bleibt sachlich, macht aber keine konkreten Zusagen. Er wolle aber weiter reden und nach individuellen Qualifizierungsmöglichkeiten suchen. Er werde mit der Arbeitsagentur sprechen und auch EU-Mittel für die Qualifizierung nutzen. Bode zeigt sich auch sicher, dass Schlecker-Mitarbeiter eine adäquate Arbeit finden. Allerdings – am Dienstag suchte die Arbeitsagentur gerade mal zwei Drogeriemitarbeiter für die Rossmann-Kette.

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