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Stadt Hannover Schulleiter fordert endlich mehr Rechte für Nachmittagskräfte
Aus der Region Stadt Hannover Schulleiter fordert endlich mehr Rechte für Nachmittagskräfte
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00:18 04.11.2017
Von Saskia Döhner
Die Otfried-Preußler-Schule startete 2016 als Hannovers erste teilgebundene Ganztagsschule. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Der Trend geht - auch schon für die Kleinsten - zum längeren Schultag: Von 60 Grundschulen in der Stadt haben zwei Drittel schon auf den Ganztagsbetrieb umgestellt, und von den rund 10.800 Grundschülern in Hannover, die eine der 38 Schulen mit Ganztagsangebot besuchen, nehmen gut 7200 auch an den Nachmittagsangeboten teil. Das entspricht einem Anteil von 69 Prozent. Dazu gibt es rund 220 Hortgruppen. Hier betreuen zwei Fachkräfte rund 20 Kinder.

Hort-Neugründungen schwierig

Neue Horte seien zuletzt kaum gegründet worden, sagt Rolf Schulz, Leiter der Davenstedter Grundschule In der Steinbreite und Sprecher des Arbeitskreises Ganztagsgrundschule, bei einer Tagung zu Ganztagsgrundschulen im Pavillon. Die gesetzlichen Vorgaben - zwei Quadratmeter Toberaum und mehr noch die 12 Quadratmeter Außenfläche pro Kind - machten Neugründungen in der Stadt schwierig. Die Fachtagung war von Verdi, der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, der Landesarbeitsmeinschaft Elterninitiativen und der Kinderladeninitative Hannover zusammen organisiert worden.

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Zu einem Ganztagsausbau mit Konzept gehört für Frank Post, Leiter Grundschule Fuhsestraße (Stöcken) und ebenfalls Sprecher des Arbeitskreises Ganztagsgrundschulen, auch die entsprechende rechtliche Ausstattung. Mitarbeiter aus dem Ganztagsbereich müssten in den Schulgremien wie Gesamtkonferenz und Schulvorstand endlich stimmberechtigte Vertreter sein, fordert er. Zudem sollten sie auch vom Personalrat vertreten werden. „Eltern können den Ganztagsbereich nicht demokratisch kontrollieren“, mahnte Post an. Bei Schulunterricht am Vormittag sei das anders.

Überhaupt dürften der Vormittags- und der Nachmittagsbereich nicht zwei getrennte Systeme sein. Die Betreuer am Nachmittag müssten wissen, wenn ein Kind am Morgen etwas Trauriges erlebt hätte. Aber Abstimmungszeiten zwischen Lehrern und pädagogischen Mitarbeitern sind im Zeitplan eigentlich nicht vorgesehen. „Man arbeitet am selben Ort, aber man arbeitet nicht zusammen“, kritisiert Post. Pädagogische Mitarbeiter, die am Vormittag eingesetzt würden, hätten andere Verträge als diejenigen aus dem Nachmittagsbereich: „Das ist ein irrsinniger Zustand.“ Ganztagsschulen bräuchten dringend einen zweiten Konrektor, um das Nachmittagsangebot zu organisieren. Schulen suchen sich einen Träger, der die Nachmittagsbetreuung anbietet, das können konfessionell gebundene Organisationen, Sportvereine oder erlebnisorientierte Verbände seien. Und die Träger entscheiden selbst, welche Mitarbeiter sie einstellen.

Kinder persönlich fördern

Einer Form der demokratischen Kontrolle sind die Arbeitgsgemeinschaften an den Ganztagsschulen aber doch unterworfen: „Was von den Schülern nicht gewählt wird, wird im nächsten Schuljahr nicht mehr angeboten“, sagt Post.

In den Ganztagsangeboten sollen die Kinder persönlich gefördert, der natürliche Wissensdrang und die Lernfreude sollen ausgebaut werden. Anders als bei weiterführenden Schulen, an denen die Arbeitsgemeinschaften am Nachmittag schon mal ausfallen, weil der Lehrer, der sie anbietet, krank ist oder an einer Konferenz teilnimmt, müssen Grundschulen ihre Ganztagsangebote aufrechterhalten. Die Ganztagsgrundschule geht in der Regel von 8 bis 15.15 Uhr mit einer 45-minütigen Mittagspause. Soweit die Theorie. „Wenn 270 Schüler in einer Mensa, die auf 90 Gäste ausgerichtet ist, in 45 Minuten essen sollen, kann das gar nicht gehen“, sagt Rektor Schulz. Deshalb entwickelten die Schulen komplizierte Schichtpläne zum Essen.

„Stundenlanges Stillsitzen macht Schüler krank“

„Rund 90 Prozent der Diagnosen, die Kindern Hyperaktivität oder eine Aufmerksamkeitsstörung zuschreiben, sind falsch“, meint Psychologin Oggi Enderlin, die die „Initiative für große Kinder“ gegründet hat. Die Kinder hätten zwar Probleme, aber das sei nicht Hyperaktivität. Schulen verdammten Kinder zum Stillsitzen, dabei wollten sie sich austoben, draußen spielen und Abenteuer erleben. Ihre Initiative hat Kinder zwischen sieben und 13 Jahren im Blick, „die zwischen Unterricht, Hausaufgaben und Besuchen beim Kieferorthopäden funktionieren müssten“. Eigentlich sollten Kinder einmal am Tag für mindestens 60 Minuten außer Atem kommen, tatsächlich gingen nur ein Viertel der elfjährigen Jungen raus und träfen sich mit Freunden, bei Mädchen seien es nur 16 Prozent. Chatten am Handy habe die echte Begegnung ersetzt. Enderlein ist überzeugt, dass Bewegung besser ist als Medikamente wie Ritalin.

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