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Stadt Hannover Schweine-Mobil macht Station in Hannover
Aus der Region Stadt Hannover Schweine-Mobil macht Station in Hannover
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00:15 03.03.2015
Bundesweit gibt es nur zwei Schweine-Mobile. Der Landvolkkreisverband Hannover hat sich eines ausgeliehen und auf dem Georgsplatz gezeigt. Quelle: von Ditfurth
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Hannover

Dass Schinken nicht aus dem Supermarkt kommt, sondern vom Schwein, wollen manche Kunden am liebsten gar nicht wissen. Entweder halten sie am Bild des traditionellen Bauernhofs fest oder haben überfüllte Mastanlagen vor Augen. Damit sich die Konsumenten ein objektives Bild verschaffen können, gibt es das sogenannte Schweine-Mobil. Eine fahrbare Stallnachbildung, die vor allem Großstädtern aufzeigen soll, wie es in modernen Mastbetrieb aussieht. Am Sonnabend hat der Landvolkkreisverband Hannover eines von deutschlandweit zwei ausleihbaren Schweine-Mobilen auf dem Georgsplatz präsentiert.

„Ich hatte mehr Stroh erwartet“, sagt Andrea Richter als sie in das Schweine-Mobil blickt. Dort liegen die Tiere aus Hygienegründen auf Beton- und Plastikgittern. Andrea Richter erinnert sich noch von früher an den klassischen Bauernhof. Ihre beiden Töchter Lea und Jara kennen nicht einmal diesen. Sie sehen zum ersten Mal Mastferkel und finden sie vor allem süß.

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Elf Wochen sind die Ferkel alt, die in der fahrbaren Stallnachbildung stehen, liegen und spielen. 14 Wochen bleiben ihnen noch. „Die Leute wollen das kleine zarte Fleisch aber die Realität sehen sie lieber nicht“, sagt Volker Hahn, Vorsitzender des Landvolks in der Region Hannover. „Wir wollen keine Vegetarier bekehren, aber wir möchten gerne mit den Leuten ins Gespräch kommen“, sagt der Landwirt. Linda Schröter findet die Idee sehr gut. Sie selber isst in der Regel kein Fleisch und wird dies auch nach dem Besuch des Schweine-Mobils nicht ändern. „Aber ich finde es gut zu hören, wie da ein Umdenken zu mehr Nachhaltigkeit stattfindet“, sagt die überzeugte Vegetarierin nach einer angeregten Diskussion über Produktionskreisläufe.

Volker Hahn möchte gerne so produzieren, wie die Konsumenten das wünschen. Nur seien die teils sehr inkonsequent. „Natürlich bedienen wir auch den Niedrigpreismarkt. Aber wer will, kann auch im Hofladen einkaufen“, sagt der Vorsitzende des Landvolks.

Mastställe sind heute hochtechnisierte Betriebe. Ein Landwirt mit zwei Mitarbeitern kann heute Ställe mit über 1.600 Tieren betreiben. „Ich hätte auch lieber einen kleinen Hof und dafür mehr Bauern in der Nachbarschaft“, sagt Volker Hahn. Aber die Entwicklung geht seit Jahren in eine andere Richtung. Immer mehr Höfe werden geschlossen. Neue Anlagen werden dafür dann viel größer und vor allem spezialisierter. Die Zahl der Leute, die noch einen Bauern persönlich kennen, sinkt.

Jasmin Schnitker ist mit ihrer kleinen Tochter Maja zu Besuch in Hannover. Beide schauen sich interessiert das Schweine-Mobil an. Sie kommen aus Gütersloh, ganz in der Nähe steht das Tönnies Fleischwerk. Rein geschaut haben sie dort noch nie. Im Vorbeigehen sagt ein Passant: „Ich esse die Schweine lieber und gucke sie mir nicht an.“

Von Niklas Kleinwächter

28.02.2015
Andreas Schinkel 03.03.2015