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Stadt Hannover Psychiater hält mutmaßlichen Brandstifter aus Ahlem für schuldfähig
Aus der Region Stadt Hannover Psychiater hält mutmaßlichen Brandstifter aus Ahlem für schuldfähig
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21:51 30.07.2019
Ernsthaft Verletzte gab es bei dem Feuer an der Richard-Lattorf-Straße nicht. Quelle: Clemens Heidrich
Hannover

Im Prozess gegen den wegen dreifachen versuchten Mordes und Brandstiftung angeklagten Yasin A. hat ein Gutachter den Angeklagten für schuldfähig im Sinne des Strafgesetzbuches erklärt. Der 36-Jährige leide zwar unter einer kombinierten Persönlichkeitsstörung, erläuterte Psychiater Christian Riedemann vor dem Schwurgericht Hannover. Doch habe A. bei der mutmaßlichen Begehung der Tat am 17. Februar 2019 an der Richard-Lattorf-Straße (Ahlem) so überlegt gehandelt, dass man nicht von einer Verminderung seiner Steuerungsfähigkeit ausgehen könne.

Yasin A. (l.) wird von Anwalt Christian J. Neumann verteidigt. Eine Aussage hat der Angeklagte bislang nicht gemacht. Quelle: Rainer Dröse

Laut Staatsanwaltschaft hatte A. das Feuer in den Nachmittagsstunden jenes Sonntags in seiner Dachgeschosswohnung gelegt, an drei Stellen seiner Wohnung ebenso wie an zwei Wohnungstüren in der darunterliegenden Etage Brandbeschleuniger verteilt. Der Dachstuhl des Mehrfamilienhauses brannte aus, die Feuerwehr rettete eine 85-jährige Mieterin per Drehleiter aus dem zweiten Stock. Eine 15-Jährige sowie ein 22-Jähriger mussten von ihrem Vater aus der anderen Wohnung in der gleichen Etage befreit werden. Der 36-Jährige, so die Anklage, habe den Tod der Hausbewohner billigend in Kauf genommen. Glücklicherweise wurde niemand ernsthaft verletzt, der Sachschaden soll bei rund 400.000 Euro liegen.

Seltsames Stampfen

Laut Aussagen der Nachbarn lebte A. schon länger im Streit mit der Hausgemeinschaft, fiel auch durch seltsame Verhaltensweisen wie ständiges Klopfen und Stampfen auf dem Fußboden auf. Wie Gutachter Riedemann ausführte, konsumiert der Hauptschüler seit 20 Jahren Cannabis und ist privat wie beruflich gescheitert. A. habe früher verschiedene Jobs ausgeübt, sei dann aber straffällig geworden und nun schon längere Zeit arbeitslos sowie auf Sozialhilfe angewiesen.

Der 36-Jährige leide zwar unter Angststörungen und habe zeitweise wohl auch unter Depressionen gelitten, sagte der Sachverständige. Doch eine paranoide Schizophrenie und einen krankhaften Verfolgungswahn könne er bei A. nicht diagnostizieren. Die Brandstiftung, sollte sie dem Angeklagten nachgewiesen werden, hänge sicher mit dessen großer Unzufriedenheit mit der eigenen Lebenssituation und den permanenten Schuldzuweisungen an andere zusammen: „Man geht mit einem Knall und zeigt allen, dass sie selbst schuld sind an ihrem Unglück.“

Streit mit dem Bruder

Vor dem psychiatrischen Gutachter hatte der 40-jährige Bruder des Angeklagten ausgesagt. Er berichtete, dass er und Yasin A. in zerrütteten Familienverhältnissen aufgewachsen seien. Über viele Jahre sei es zwischen ihm und dem Jüngeren immer wieder zu Auseinandersetzungen gekommen; einmal habe ihm sein Bruder im Streit um Briefmarken sogar mit einem Totschläger auf den Kopf gehauen. Schon seit geraumer Zeit habe er mit dem „Psychopathen“ aber nichts mehr zu tun.

Am Mittwoch sollen Staatsanwaltschaft und Verteidigung plädieren, das Urteil wird die Kammer unter Vorsitz von Stefan Joseph voraussichtlich in einer Woche sprechen.

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Von Michael Zgoll

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