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Stadt Hannover Ein Führerschein für Kondome
Aus der Region Stadt Hannover Ein Führerschein für Kondome
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08:13 26.11.2014
Von Simon Benne
Kein Kinderkram: Schülerin Monique (v. l.), Gabi Bauer, Schüler Kamil und Peter Meißner.  Quelle: Treblin
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Hannover

Wovor schützt ein Kondom? a) Liebeskummer, b) HIV, c) Schwangerschaft, d) Sexuell übertragbare Krankheiten? Der 15-jährige Kamil weiß, dass die erste Antwort falsch ist. „Bei Kondomen muss man außerdem aufs Verfallsdatum achten – und man darf sie nicht mit der Schere aufschneiden“, sagt er. An der Maximilian-Kolbe-Schule in Kleefeld haben Kamil und seine Mitschüler jetzt den sogenannten Kondomführerschein gemacht.

Das Projekt Lebensplan setzt auf praxisnahe Sexualerziehung, besonders in Förder- und Hauptschulen. Übungen an Holzpenis und Plüschvagina, ein Besuch im Kreißsaal und das Wickeln einer Babypuppe stehen dabei auf dem Lehrplan. „Bei uns geht es vor allem um lebenspraktische Fragen“, sagt der Sozialpädagoge Peter Meißner, der seit sechs Jahren im Rahmen des Projekts Schulklassen besucht. „Bei den Jugendlichen ist das Interesse an Sexualität groß – und das Halbwissen auch.“ Daran haben „Bravo“, Bio-Unterricht und Internet offenbar nie etwas ändern können.

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Das Projekt Lebensplan wurde von der Stiftung Eine Chance für Kinder initiiert. Primär kümmert sie sich um misshandelte Jungen und Mädchen. Vor einigen Jahren sei eine Förderschullehrerin zu ihm gekommen, sagt Adolf Windorfer, Chef des Stiftungskuratoriums. „Bei uns ist schon wieder eine 15-Jährige schwanger“, berichtete sie. Darauf startete seine Stiftung die Aktion. Inzwischen sind Experten in 13 Schulen präsent; weitere sollen folgen. Unterrichtet werden Jungen und Mädchen jeweils 20 Stunden lang – und zwar in getrennten Gruppen. „So lässt sich’s offener reden“, sagt die 17-jährige Monique, die an dem Kurs teilgenommen hat. Anfangs, berichten die Schüler, habe es im Klassenzimmer noch großes Gekicher gegeben, wenn Kondome an die Reihe kamen. Doch bald wurde es ruhiger. „Und man konnte über alles reden“, sagt Kamil.

„Es geht darum, dass Jugendliche lernen, verantwortungsvoll mit ihrer Sexualität umzugehen“, sagt ARD-Moderatorin Gabi Bauer. Die Schirmherrin der Stiftung konnte in Kleefeld jetzt einen Scheck über 25 000 Euro in Empfang nehmen, mit dem „amedes“-Firmengründer Helmut Wagner das Projekt Lebensplan unterstützt.

Die Moderatorin des „Nachtmagazins“ hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. „Jedes Jahr werden in Deutschland mehr als 10 000 15- bis 17-jährige Mädchen schwanger“, sagt sie. Rund 6000 Babys würden von ihnen auch tatsächlich ausgetragen: Teils wollten sich die jungen Mütter einen Ersatz für ihre eigene, unheile Herkunftsfamilie schaffen. „Doch das funktioniert häufig nicht“, sagt Bauer. Stattdessen bliebe die Ausbildung der Jugendlichen auf der Strecke. „Und bei Teenie-Müttern kommt es dann etwa fünfmal so häufig zu Kindesvernachlässigung wie bei älteren Müttern.“

Die Maximilian-Kolbe-Schüler, die den lebensnahen Aufklärungsunterricht mitgemacht haben, wissen zumindest besser als viele andere Jugendliche über Schwangerschaft und Verhütung Bescheid. „Mutter werden möchte ich schon irgendwann“, sagt die 17-jährige Monique. „Aber eben nicht zu früh.“

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