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Stadt Hannover Wie sicher sind die Weihnachtsmärkte in Hannover?
Aus der Region Stadt Hannover Wie sicher sind die Weihnachtsmärkte in Hannover?
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00:18 24.11.2017
Das Sicherheitskonzept der Stadt und der Polizei für die diesjährigen Weihnachtsmärkte lässt auf sich warten. Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

 Die Spur der Terrorzelle, die im Namen der islamistischen Organisation IS einen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Essen geplant haben soll, führt auch nach Hannover. Im Rahmen der groß angelegten, bundesweiten Razzia, an der rund 500 Polizisten beteiligt gewesen sein sollen, nahmen die Ermittler auch einen jungen Mann in Hannover vorläufig fest. Er soll gemeinsam mit fünf syrischen Landsleuten, die als Asylbewerber nach Deutschland gekommen waren, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet haben.

Die Nachricht, eine Woche vor dem Beginn der Weihnachtsmärkte in Hannover, beunruhigt die Betreiber. „Erst der Anschlag in Berlin im vergangenen Jahr, jetzt diese Nachricht – ich hoffe nur, dass die Besucher sich davon nicht abschrecken lassen und zu Hause bleiben“, sagt Enzo Fumiento, der den Weihnachtsmarkt auf der Lister Meile organisiert.

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Sicherheitskonzept erst kurz vor Start der Weihnachtsmärkte öffentlich

Die Veröffentlichung eines Sicherheitskonzepts für die Märkte könnte Abhilfe schaffen und zur Beruhigung der Macher und der Besucher beitragen. Doch die Stadt und die Polizei halten damit noch hinter dem Berg. „Wir werden das Konzept unmittelbar vor Beginn der Märkte öffentlich machen“, sagt Stadtsprecher Dennis Dix.

Die CDU-Ratsfraktion kritisiert diese Haltung. „Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen besteht absoluter Handlungsbedrarf“, sagt Kerstin Seitz, die finanzpolitische Sprecherin der Ratsfraktion. Möglicherweise nehme der Oberbürgermeister die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger nicht ernst, fügt die Politikerin hinzu. „Andere niedersächsische Städte wie Osnabrück, Oldenburg und Braunschweig haben bereits ein Sicherheitskonzept für die Weihnachtsmärkte vorgelegt – wieso ist das in der Landeshauptstadt nicht möglich“, fragt Seitz.

IS-Terror in Hannover

Die Festnahme eines mutmaßlichen IS-Terroristen in Hannover kommt nicht überraschend. Bereits in der Vergangenheit sind in der Landeshauptstadt Anschläge im Namen der Terrororganisation verübt worden. Im Februar 2016 warf ein damals 17-Jähriger zwei Molotow-Cocktails vom Dach eines großen Einkaufszentrums am Hauptbahnhof. Weil die Brandsätze falsch gebaut waren, richteten sie glücklicherweise keinen Schaden an. Das Landgericht verurteilte den jungen Mann ein Jahr später wegen eines islamistischen Anschlags zu acht Jahren Haft. 

Die Schwester des Verurteilten hatte kurz nach der Attacke ihres Bruders im Hauptbahnhof einen Bundespolizisten mit einem Messer angegriffen und den Beamten schwer verletzt. Die junge Frau wurde zu einer Jugendstrafe von sechs Jahren verurteilt. Das Gericht stellte fest, dass die Tat im Auftrag der Terrororganisation IS erfolgte. Ein Mitangeklagter erhielt eine Jugendstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Er soll von der Tat gewusst, die Behörden aber nicht darüber informiert haben.

Anders als in Städten wie Nürnberg oder Frankfurt, sollen in Hannover nach HAZ-Informationen keine Betonpoller an den Zugängen zu den Weihnachtsmärkten aufgestellt werden. Auf der Lister Meile soll die Polizei, nach Auskunft des Organisators, vormittags die Zugänge zum Weihnachtsmarkt kontrollieren. „Das hat im vergangenen Jahr gut geklappt, weil Anwohner und Lieferverkehr ja auf die Meile fahren dürfen“, sagt Fumiento. Zudem sind die Veranstalter auf Einladung der Stadt zwei Tage lang von Experten der Feuerwehr und der Polizei geschult worden. „Dabei spielten die Weihnachtsmärkte eine zentrale Rolle, aber auch andere Szenarien wie Unwetter oder ein Großbrand“, sagt FumientoMehr zum Thema lesen Sie hier.

Von Tobias Morchner