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Stadt Hannover So gut ist die Cocktailbar Mon Bonheur
Aus der Region Stadt Hannover So gut ist die Cocktailbar Mon Bonheur
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11:57 22.12.2018
Thomas Immenroth und Agia Galvane haben sich in der Cocktailbar Mon Bonheur einen Traum erfüllt. Und den Gästen auch. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Wir sehen uns um, nippen an unserem Drink und denken: Ja, es ist schon wichtig, dass man in einem Restaurant etwas für sein Geld bekommt. Wobei: Wir sitzen ja zur Abwechslung mal gar nicht in einem Restaurant, sondern haben uns in einer Bar verschanzt. Im Mon Bonheur („Mein Glück“) nämlich, in der List, in der hingebungsvolle Frankophilie gelebt wird. In der Hand halten wir einen Cobbler de Paris mit Gin, Brombeere, Kirsche, Curacao Orange und Zitrone (8 Euro). Ein wunderbar fruchtig-würziger Drink mit feinen Bitternoten. Hinzu kommt die Schärfe vom Alkohol, an der glücklicherweise nicht gespart wird. Ein Detail, das auch beim säuerlich-herben Pomme Daisy (8,50 Euro) auffällt. Die Besitzer Thomas Immenroth und Agija Galvane sparen nicht an der teuersten Zutat, in diesem Fall Calvados, der mit Apfelsirup, Ingwerlikör und Zitrone ins Glas kommt.

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Beim köstlichen Baron noir de Malt (8 Euro) fällt zunächst die kräftige Note von Rum auf, die den Geschmack trägt. Dazu kommen bittere, süße und säuerliche Nuancen von Biersirup, Limettensaft und Curacao Orange. Clou ist aber ein leicht gerösteter Rosmarinzweig, der wie ein Rührstick im Glas steckt. Die feinen, ätherischen Noten des mediterranen Krauts spielen für den Geschmack aber nur insofern eine Rolle, als dass sie eine sensorische Vorhut bilden, uns beim Ansetzen des Glases in die Nase steigen. Exzellent gemacht. Und kein Wunder: Immenroth ist mehrfach prämierter deutscher Cocktailmeister. Der Mann braucht nicht einmal Alkohol, um uns für sich zu gewinnen: Weit weg von kreativen Saftschorlen, die alkoholfreie Cocktails ja oft sind, bewegt sich unser prickelnder Drink (6 Euro), in dem Kirsche, Limette und Brombeere die Hauptrolle spielen.

Ausgesuchte Spirituosen – die Weinauswahl verblasst etwas

Da ist es fast selbstverständlich, dass der Gast im Mon Bonheur auch in Sachen Spirituosen nicht mit Stangenware abgespeist wird. Es gibt ausgesuchte Cognac und Armagnac, aber auch eine Auswahl von französischem Rum, Whisky oder Gin. Nur die Weinauswahl verblasst ein wenig vor diesem Hintergrund. Die offenen Weine zeugen von einem Faible für Südfrankreich. Wir probieren einen Syrah (0,2 Liter für 6,50 Euro) aus dem Languedoc-Roussillon, der uns wegen seines dichten, intransparenten Buketts nicht wirklich aus den Latschen haut, aber immerhin aus dem Weinklimaschrank kommt, also die richtige Trinktemperatur hat. Der Viognier (0,2 Liter für 6,50 Euro) ist auch in Ordnung, aber steht in keinem Vergleich zu den Cocktails oder Bränden. Die kelchförmigen Gläser sind für Wein recht ungeeignet, vor allem für bessere Flaschenweine, die es hier auch gibt: Puilly-Fumé, Mersault oder Châteauneuf-du-Pape.

Küche mit Anspruch

Die Kleinigkeiten zum Essen spiegeln den Anspruch und das Qualitätsdenken der Betreiber besser wider. Der dünne, knusprige Flammkuchen mit Ziegenkäse, Rosmarin und pikantem Chili-Honig (9,50 Euro) etwa, der ein ebenso feiner Snack ist, wie die selbst gemachten Pommes (3,90 Euro), die vielleicht keine Fritteusenknusprigkeit besitzen, dafür aber frisch gemacht wurden. Ordentlich ist auch die Auswahl französischer Käse oder Salami (10,50 Euro). Außerdem gibt es diverse „Stullen“. Das Brot hat eine herausragende Qualität, die diversen Aufstriche und Beläge wurden allesamt selbst gemacht. Hinzu kommt die persönliche Note und das Flair und Ambiente der Bar, das Stil beweist. Jazz plätschert aus einer Box, nur der katzengroße Haushund macht hin und wieder Lärm, als wäre er ein ausgehungerter Bluthund und wir sein Abendbrot.

Und das Wichtigste: Geselligkeit

Und da sitzen wir also, nippen an unserem Drink und denken: ja, ist schon wichtig, dass man in einem Restaurant oder einer Bar etwas für sein Geld bekommt. Und ja, ist auch wichtig, dass die Produkte gut sind, dass Koch oder Barchef etwas von ihrer Arbeit verstehen, dass die Gäste freundlich umsorgt werden – alles Punkte, die sich in einer Gastrokritik auch bemüht objektiv bewerten lassen. Und dennoch bleibt dabei das Wichtigste und Schönste an Essen und Trinken doch immer unbeachtet: die Geselligkeit. Im Mon Bonheur tratschen an diesem Abend drei Freundinnen am Nachbartisch, ein tuschelndes Paar drüben hält unterm Tisch Händchen, daneben spielen drei Damen Karten. Alle wirken glücklich – nicht, weil die Cocktails so gut sind, sondern weil sie zusammen sind. In diesem Sinne: schöne Festtage.

Fazit

Exzellente Cocktails und hausgemachte Snacks: In der französischen Bar Mon Bonheur hat der Gast eine gute Zeit. Gesamt 8/10 (Cocktails 9, Küche: 7, Service 8, Ambiente 8)

Kontakt

Mon Bonheur

Voßstraße 53

30163 Hannover

Telefon: 0511-53078717

E-Mail: kontakt@monbonheur.de

Öffnungszeiten: dienstags bis donnerstags 12 bis 1 Uhr,

freitags 12 bis 2 Uhr, sonnabends 10 bis 2 Uhr, sonntags 10 bis 1 Uhr

Barrierefreiheit: nein

Von Hannes Finkbeiner