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Stadt Hannover So hat sich Hannovers Schützenfest verändert
Aus der Region Stadt Hannover So hat sich Hannovers Schützenfest verändert
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09:00 29.06.2019
Eine Postkarte von 1914 zeigt den Pavillon am Rondell des Schützenfestes. Bis heute ist die Schützenfestmitte immer wieder Bestandteil der Diskussion über eine Neustrukturierung des Festes. Quelle: Eberhard Franke / Repro
Hannover

Das Schützenfest feiert in diesem Jahr die 490. Ausgabe. Vor jedem Fest steht eine Bestandsaufnahme. Fahrgeschäfte, Gastronomieangebote, Sicherheitsaspekte: Das Schützenfest wurde seit Jahren immer wieder behutsam verändert. Manche Neuerungen wie der Schützenfest-Biathlon sind wieder verschwunden. Andere sind wie das Gaypeople-Zelt heute nicht mehr wegzudenken. Eine kleine Zeitreise.

2018: Stormtrooper unterm Riesenrad

Die Stormtrooper waren während des „Star Wars“-Umzugs ein beliebtes Fotomotiv. Quelle: Christian Behrens

Das Schützenfest setzte 2018 auf ungewöhnliche Paraden und Werbemittel. Denn erstmal gab es die 2017 vorgestellten Versionen von Ballerina und Ballerkalle auch als Plüschtiere. Zudem wurde der Schützenausmarsch thematisch ergänzt. Die Veranstalter setzten auf eine Maskottchenparade und einen „Star Wars“-Umzug. Dazu kamen eine Motorradshow und eine Podiumsdiskussion zum Thema: „Volksfeste – Tradition in Zukunft?“. Dabei diskutierten Veranstalter von großen Volksfesten wie Canstatter Wasen und Cranger Kirmes mit Ralf Sonnenberg, dem Eventmanager der Stadt Hannover. Es ging um die Zukunftsfähigkeit von traditionellen Volksfesten. „Ich glaube, eine Veranstaltung muss seine eigene Geschichte erzählen“, sagte Sonnenberg. Veränderungen gehören aber zu jedem Volksfest. Beim Schützenfest wurde entsprechend außer neuen Fahrgeschäften zum Beispiel das erste Mal Bieryoga angeboten.

2017: Aufbruch und Auftritt mit Ballerina

Seit 2017 ist Ballerkalle nicht mehr allein. Ballerina wirbt nun auch für das Schützenfest. Quelle: Michael Wallmüller

Seit 1975 verkörpert das Maskottchen Ballerkalle als laufende Schießscheibe das Schützenfest mit Schützenhut und zwei Füßen. 2017 wurde es überarbeitet – und bekam Augen und ein Lächeln. Vor allem bekam Ballerkalle aber auch eine Schwester in rosa. Ballerina trägt Schleife im Haar und soll vor allem Kinder ansprechen. Die Stadt Hannover sagte, Ballerina sei lebensfroh, witzig, süß wie Zuckerwatte und stark wie Pippi Langstrumpf. 2017 wurde aber nicht nur das Maskottchenwesen verändert. Das Rundteil auf der Platzmitte wurde überarbeitet. Mehr als 50 Bäume in Form von Kübelpflanzen und Lichterketten sorgten für mehr Flair. Zudem wurde das Festzelt Marris mit einer neuen Innendekoration geschmückt. Dazu kam das Niedersachsenhaus und eine neue Internetseite für das Fest.

2016: Der Schützenfest-Senator ist wieder da

Ministerpräsident Stephan Weil (Mitte) wird von Schützenpräsident Paul-Eric Stolle und dem damaligen Oberbürgermeister Stefan Schostok zum Schützenfest-Senator ernannt. Quelle: Michael Thomas

Nach der offiziellen Eröffnung des Schützenfestes trat Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) 2016 ein neues Amt an: Er wurde zum Schützenfest-Senator ernannt. Dieses Amt hatte es zuletzt mehr als 80 Jahre zuvor beim Schützenfest gegeben. „Jetzt wollen wir diese Tradition wieder aufleben lassen“, sagte Schützenpräsident Paul-Eric Stolle. Und weil Hannover gerade 775-jähriges Bestehen feierte, trat auch Lena Meyer-Landrut in der Festhalle Marris auf und lobte das Fahrgeschäft „Wilde Maus“. Am Ende des Festes machte die Stadt Optimierungsbedarf und einen Besucherschwund beim Fest aus. Der städtische Eventmanager Ralf Sonnenberg soll Klaus Timaeus als Cheforganisator des Schützenfestes ablösen.

2015: Es geht um die Fanfare

Der Fanfarenzug Thönse gewinnt den ersten HAZ-Wettbewerb: die Goldene Fanfare. Beim Spaß-Contest geht es um gute Stimmung. HAZ-Chefredakteur Hendrik Brandt (l.) und Schützenpräsident Paul-Eric Stolle (r.) ehren Marco Pflüger. Quelle: Uwe Dillenberg

Wettbewerbe von Fanfarenzügen hat es schon auf vielen Schützenfesten oder im Gaypeople-Zelt gegeben. Aber beim Spaßwettbewerb „Goldene Fanfare“ der HAZ kam von Beginn an beeindruckende Partystimmung auf. Denn die Fanfaren- und Musikzüge interpretieren beim Wettbewerb aktuelle Popsongs und Stimmungshits. Das Publikum bewertet die Beiträge wie bei einem Poetry Slam. Schnell standen Fans bei der Premiere im ausverkauften Alt Hanovera auf den Tischen und feuerten die Züge aus Laatzen und Thönse an. So hatte man Songs von Helene Fischer und Bruno Mars noch nicht gehört. Am Ende des Schützenfestes wurden eine Million Besucher gezählt. „Das Wetter allerdings mit seinen Schwankungen zwischen 14 und 40 Grad ist in diesem Jahr nicht besonders hilfreich gewesen“, sagte Klaus Timaeus, Geschäftsführer des Vereins Hannoversches Schützenfest. Man nahm sich trotzdem vor, mehr für das Fest zu werben.

2014: Auf dem Platz werden Weltmeister gefeiert

Die Fußball-Weltmeisterschaft wurde auch auf dem Schützenfest gefeiert. Am Ende wurde Deutschland Weltmeister. Quelle: Alexander Körner

Eine rollende Sensation: Hinter der roten Standarte des 2. Zuges fuhr beim Schützenausmarsch ein fahrbares Anzeiger-Hochhaus mit, das stolze Wahrzeichen der Madsack Mediengruppe. Seit 1971 hatte die HAZ nicht mehr mit eigenem Gefährt am Umzug teilgenommen. Entsprechend wurde am Wegrand gefeiert. Auf dem Platz ging es 2014 vor allem um Fußball. Denn plötzlich gab es ein Hannover-96-Zelt. Dort schauten nicht nur Spieler der Mannschaft vorbei: Mehr als 3000 Fans erlebten dort auch die Spiele der deutschen Nationalmannschaft während der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Die 96-Stadionsänger Dete Kuhlmann und Ossy Pfeiffer präsentierten „Alte Liebe”. Und Fans zockten auf Spielkonsolen. Aus den Lautsprechern erklang dazu die Nationalhymne. Und plötzlich zog Deutschland auch noch ins Finale ein und wurde Weltmeister – ein rauschendes Fest. Zum Schützenfest kamen knapp 1,2 Millionen Menschen. Die Veranstalter zeigten sich trotz wechselhaftem Wetter zufrieden.

2013: Das Papageienschießen kehrt zurück

Auch ffn-Moderator Franky probierte in Hannover das Papageienschießen aus. Rolf Franke und Bernd Jass halfen bei den Zielübungen. Quelle: Michael Thomas

Im Sommer 2013 befand sich Hannover im Wahlkampf der Oberbürgermeisterkandidaten. Entsprechend neutral übernahm Bürgermeister Bernd Strauch den Fassanstich. Drei Jahre nach dem Krisenjahr 2010 präsentierten die Veranstalter dazu ein neues Konzept: mehr Fahrgeschäfte, mehr Livemusik und die stärkere Einbeziehung der hannoverschen Gastronomen. Klaus Timaeus, Geschäftsführer des Vereins Hannoversches Schützenfest, zeigte sich zufrieden. Nur beim Schützenausmarsch kam es zu einem gefährlichen Zwischenfall. Als ein Reiter eines Schützenvereins auf sein Pferd abseits der Parade aufsteigen wollte, ging ihm das Tier durch. Es galoppierte allein in Richtung Festzug. An der Willy-Brandt-Allee rannte das Pferd in eine Menschengruppe und verletzte fünf Zuschauer leicht. Erst nach mehreren Kilometern konnte es wieder eingefangen werden – im Stadtteil Wettbergen. Auf dem Festplatz feierte das traditionsreiche Papageienschießen eine Renaissance. Gegen geringe Gebühr konnte man mit dem Luftgewehr auf zehn Meter Entfernung auf den Holzvogel anlegen.

2012: Bruchmeister werden ausgesperrt

Da hatten die Bruchmeister 2012 noch mit dem damaligen Oberbürgermeister Stephan Weil Spaß im Kettenkarussel. Später wurden die Ordnungshüter des Schützenfestes nicht in das Partyzelt der Dax-Bierbörse gelassen – ein Verstoß gegen die Tradition. Quelle: Ralf Decker

Das Fest 2012 war ein Fest der Abschiede und Aufbrüche. Als Oberbürgermeister stach Stephan Weil das letzte Mal das Fass zum Schützenfest-Start an. Und Ernst August Erbprinz von Hannover nahm das erste Mal am Schützenausmarsch teil. „So was hat London tatsächlich nicht“, sagte der Erbprinz damals. Zum Skandal kam es an einem Donnerstag: Denn beim Rundgang der ehemaligen Bruchmeister ziehen die Ordnungshüter seit Jahrzehnten von Festzelt zu Festzelt. Der Gesellschaft aus 200 ehemaligen Bruchmeistern, Musikern des Fanfarenkorps Hannover und Ehrengästen wurde der Einlass ins Partyzelt der Dax-Bierbörse allerdings verwehrt: Es sei zu voll. Das Vorgehen wurde als grober Verstoß gegen die Tradition der 50-jährigen Geschichte vom Collegium ehemaliger Bruchmeister gewertet. So etwas gab es noch nie. Die Empörung unter den Zylinderträgern war groß. Am Ende kamen trotzdem 1,3 Millionen Besucher auf den Schützenplatz – ein gutes Jahr fürs Fest.

2011: Ein neues Wahrzeichen für das Fest

Das „Roue Parisienne“ gehört zum Fest wie die Lüttje Lage. Quelle: Katrin Kutter

Das Jahr 2011 war ein Jahr des Neuanfangs: Die Platzmitte wurde neu geordnet. Mit dem langjährigen Schützenfest-Wirt Claus Bähre gab es dort ab sofort nur noch einen Betreiber, der für den typischen Biergartencharakter sorgte. Direkt am Rundteil kamen die Stadtbrauerei HBX dazu, das Lindener Gig und die Philharmonie mit einer gemeinsamen Bühne für Livemusik. Dazu feierte das Restaurant Spago Premiere. Die Brauerei HBX gab es kurze Zeit später nicht mehr, auch das Spago verließ das Fest. Dafür wurde das Zelt „Zum Herrenhäuser“ neu gestaltet. Besser präsentiert als wurde auch das bisher leicht versteckte Gaypeople-Zelt mit Kleinkunst und Travestie, das unter dem neuen Betreiber Lutz Rädecker an die östliche Mittelachse gezogen war. Dabei blieben natürlich die Festhalle Marris, das Alt-Hanovera, das Partyzelt Dax-Bierbörse mit Gilde-Ausschank und die Party-Pyramide des Brauhauses Ernst August. Man setzte auf Kleingärtnerabende und professionelle Werbeunterstützung durch die Marketing- und Tourismusgesellschaft (HMTG). Am Ende regnete es oft. Und es kamen mehr als eine Million Besucher. Für den damaligen Oberbürgermeister Stephan Weil war das Fest eine erste Etappe eines mehrjährigen Wandelprozesses. Dieser Prozess wurde auch sichtbar mit einem neuen Wahrzeichen gemacht: Das „Roue Parisienne“ war als Riesenrad im Nostalgiestil das erste Mal dabei. In 48 Metern Höhe gaben Weil, Schützenpräsident Paul-Eric Stolle und Entertainer Desimo Interviews – das Rad wurde schnell zum Wahrzeichen.

2010: Konkurrenz und Hitze belasten das Fest

Rekordtemperaturen machten den Schützen 2010 zu schaffen. Die Veranstalter verzeichneten einen Besucherrückgang. Quelle: Martin Steiner

Genau 36 Grad sollen es 2010 beim Bierfassanstich in der Festhalle Marris gewesen sein. Die Stadtgesellschaft nutzte Speisekarten als Fächer. „Es war das heißeste Fest, das ich je erlebt habe“, sagte damals Schützenpräsident Paul-Eric Stolle. Die Hitze entwickelte sich schnell zum Zuschauerproblem für die Schützen. Dazu kamen das Interesse an der Fußball-Weltmeisterschaft und die Sommerferien. In Hannover wurden zudem immer mehr neue Veranstaltungen gefeiert. Die Festkonkurrenz nahm zu. Das 481. Schützenfest verzeichnete entsprechend einen Besucherrückgang. Der Schützenpräsident kündigte an, dass das Organisationsteam sein Konzept überdenken werde. Man wolle Tradition mit Moderne verbinden. Frank Schaffert, damals Geschäftsführer des Vereins Hannoversches Schützenfest, gab die Parole für 2011 aus: „Wir wollen aus einem guten Fest ein noch besseres machen.“

2009: Klare Kante gegen Trinkexzesse

Die Lüttje Lage gehört zur Schützenkultur. 2009 kontrollierten die Schützen trotzdem, ob der Jugendschutz auf dem Fest eingehalten wird. Quelle: Dröse

Im Jahr 2009 machten sich die Schützen Sorgen um ihren Ruf. Die Mitarbeiter der Stadt schien der massive Alkoholkonsum unter Jugendlichen zu beunruhigen. Um Exzesse auf dem Schützenfest zu vermeiden, appellierte die Stadt mit einem eindringlichen Schreiben an die Schausteller und Inhaber von Verkaufsstellen auf dem Schützenfest, die Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes unbedingt einzuhalten. Es wurden Aushänge zum Jugendschutz angebracht und kontrolliert. Die Polizei erhielt dabei Unterstützung von den Schützen selbst. Erstmalig stellte der Verein Schützenfest Schützen, die an den Eingängen Jugendliche mit mitgebrachtem hochprozentigen Alkohol baten, das Gelände zu verlassen. Den Einsatz werteten die Schützen später als Erfolg. Nie zuvor sei ein Schützenfest so friedlich verlaufen. Mit 1,6 Millionen Menschen kamen deutlich weniger Besucher als erhofft. Allerdings hatten Schausteller, Festwirte und Schützen in den zehn Tagen wieder mit kräftigen Regenschauern zu kämpfen. Dem Fest 2009 blieben auch „Clichy“-Chef Ekkehard Reimann und Pit Seidel vom „Leisewitzstübchen“ fern. Sie hatten 2008 noch an der Platzmitte deftige Spezialitäten als Alternative zu Bratwurst und Champignonpfanne aus der Budenküchen angeboten. Man habe mit dem Konzept der aufwendigen Küche im vergangenen Jahr einfach „zu viele Miese“ gemacht.

2008: Biathlon und Irish Pub als Attraktion

Den Startschuss zum Schützenfest-Biathlon gaben Sportprofi Sandra Wallenhorst (rechts) und Schützenpäsident Paul-Eric Stolle. Quelle: Nico Herzog

Zum 479. Schützenfest wartete der Verband Hannoverscher Schützenvereine mit einer sportlichen Premiere auf: Der Festplatz rund um das Rundteil wurde zu einer Biathlonarena, in der der erste Schützenfest-Sommerbiathlon ausgetragen wurde. Teilnehmer schossen mit dem Luftgewehr und mussten laufen. Am Wettbewerb nahmen auch ehemalige Rugby-Nationalspieler wie Marco Josch teil, Olympiaruderer Tobias Kühne, UBC-Tigers-Basketballstar David Arigbabu und Indians-Spieler Marian Rohatsch. Erstmal wurde auch der Aktionstag „Barrierefreies Schützenfest“ ausgerufen. Rollstuhlfahrern wurden zum Beispiel mithilfe von Rampen zu Testrunden in Fahrgeschäften eingeladen. Neu war auch ein kleines irisches Dorf inklusive gemütlichem „Irish Pub“.

2007: Und wieder ein Umbau der Gastronomieangebote

Rainer Aulich engagierte sich 2007 nicht nur mit einem „Hanöversch“-Tor. Er baute auch den „Hannover-Tower“ auf, an dem es das Schützenfest-Bier gab. Heute gehören seine Söhne Hannes und Phillipp Aulich zu den Gastronomen vor Ort. Quelle: Ralf Decker

Auch 2007 wurde das Rundteil im Zentrum des Platzes verändert. Ein frisch renoviertes historisches Turmgebäude kam als familienfreundliche Mitte mit Fahrgeschäften für Kinder dazu. Dazu präsentierten Gastronomen Ideen in gemütlicher Atmosphäre. „Wir wollen mit neuem Schwung auch auf dem Platz starten“, betonte Schützenpräsident Ekbert Mathias. In die Renovierung des Rundteils wurden damals 225.000 Euro investiert. Die Stadt, die Herrenhäuser Brauerei und die damalige Gilde-Mutter Inbev hatten die Summe aufgebracht. Rustikal gestaltete Buden, Pflanzenkübel, Holzzäune und eine neue Überdachung erhöhten zusätzlich den Aufenthaltscharakter im Zentrum des Platzes. Am Rundteil fand sich zum ersten Mal auch der „Hannover-Tower“, wo das Schützenfest-Bier des Brauhauses Ernst August ausgeschenkt wurde. Ebenfalls Premiere erlebte der von der Platzmitte leicht zurückversetzte „Treffpunkt Niedersachsen“ mit landestypischen Spezialitäten.

2000: Erstes Festessen im Festzelt Marris

Im Jahr 2000 gab es kein Bayernfest mehr auf dem Schützenfest. Also wurde zum Festessen mit dem damaligen Bürgermeister Bernd Strauch erstmalig ins Festzelt Marris eingeladen. Quelle: Ralf Orlowski

Das Jahr 2000 war in Hannover das Jahr der Weltausstellung. Beim Schützenausmarsch wurde das Expo-Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden“ aufgenommen. Viele liebevoll dekorierte Festwagen widmeten sich dem alles beherrschenden Thema, einzig die Expo-Gesellschaft verzichtete ausgerechnet im Expo-Jahr auf einen eigenen Beitrag. Nicht einmal Maskottchen Twipsy war dabei. Viele Aussteller hatten während des Schützenfestes gehofft, mehr internationale Gäste begrüßen zu dürfen. „Dass das Fest von der Expo profitiert, war eine Fehleinschätzung", zog Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg später auf dem Festplatz Bilanz. Für die Ausgabe 2000 wurde das Fest erneut umstrukturiert. Der Platz bekam einen fünften Eingang: Das Schausteller-Tor am Arthur-Menge-Ufer in Höhe des damaligen Niedersachsen-Stadions. Eine Bayernfesthalle gab es 2000 nicht mehr. Das offizielle Festessen richtete das Festzelt Marris aus, das seit diesem Jahr Hauptfestzelt der Schützen ist. Zudem feierte das Wilkenburger-Zelt, das es später nicht mehr gab.

1999: Das Gaypeople-Zelt kommt dazu

Zur Eröffnung des Gaypeople-Zelt kam 1999 auch Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (li.). Quelle: Andre Spolvint

1999 feiert das Gaypeople-Zelt auf dem Schützenplatz Premiere. Unter der Decke hingen Deko-Hühner. Im Diskolicht zuckten etliche Besucher zu Songs von Udo Jürgens. Dazu gab es Travestie-Einlagen und Strip-Shows. „Altstadt-Café“-Wirt Rolf Schulenburg soll die Idee zum Festzelt gehabt haben. An seinem Feststand trafen sich vier Jahre lang jeweils am Montag schwule Männer. „Das kam so gut an, dass der Platz nicht mehr reichte.“ Das Festzelt läuft mittlerweile längst unter der Regie von Lutz Rädecker, der aus dem abseits liegenden Zelt eine Institution an der östliche Mittelachse gemacht hat.

1975: Auftritt Ballerkalle

Ballerkalle warb 1982 auch auf eher futuristischen Plakaten für das Schützenfest. Quelle: Repro

Maskottchen sind ein wichtiges Element in der Kommunikation. Für den Zoo wirbt Tatzi Tatz und für Hannover 96 Eddi, der Schweißhund. Beide gab es 1975 noch nicht. Damals hatte Ballerkalle seinen ersten Auftritt als laufende Schießscheibe. Der Legende nach ist er bei einem Plakatwettbewerb an der Fachhochschule für Kommunikation- und Produktgestaltung Hannover entstanden. Klaus Kutzner erschuf Ballerkalle und erhielt als Gewinner 1500 D-Mark. Mehr als 40 Jahre blieb die Figur unverändert, erst 2017 wurde sie grundlegend überarbeitet – und bekam ein lachendes Gesicht.

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