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Stadt Hannover Sohn lässt Mutter fast verdursten
Aus der Region Stadt Hannover Sohn lässt Mutter fast verdursten
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10:16 14.01.2015
Von Michael Zgoll
Quelle: dpa
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Hannover

Doch der 59-Jährige Helmuth F. kam glimpflich davon: Richter Olaf Wöltje stellte das Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung und „Im-Stich-Lassens in hilfloser Lage“ gegen Zahlung einer Geldbuße von 900 Euro ein.

Die Seniorin, heute 92 Jahre alt, hatte seit 1999 in einem Pflegeheim in Ricklingen gewohnt. Ihr Sohn, der am Dienstag nicht aussagen musste, soll seine Mutter regelmäßig besucht haben. Doch dann holte der Mann, der eine Betreuungsvollmacht besaß, die alte Dame zu sich nach Haus. Im März 2014 stürzte sie und wurde in der Wohnung hilflos aufgefunden. Im Krankenhaus stellten die Ärzte fest, dass die Seniorin unterversorgt und lebensbedrohlich dehydriert war.

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Aus dem Umfeld des Angeklagten verlautete, dass dieser spielsüchtig und Alkoholiker sei. Möglicherweise holte F. seine Mutter aus dem Heim - in dem sie sich durchaus wohlfühlte - in seine Wohnung, um von ihrer Witwenrente zu partizipieren; auf jeden Fall hatte er eine Kontovollmacht. Doch warum versorgte der Sohn die Seniorin nicht ausreichend mit Lebensmitteln? War es Überforderung, war er zu sehr mit eigenen Problemen beschäftigt - oder war es Kalkül?

Der 59-Jährige, der gestern stetig an seiner dünnrandigen Brille nestelte und den Eindruck eines freundlichen älteren Herrn machte, äußerte sich nicht zu seinen Motiven. Der Hartz-IV-Empfänger gab allerdings klar zu verstehen, dass er keinen Cent gespart hat; um ihm eine Gefängnisstrafe zu ersparen und eine realistische Chance zur Begleichung der Geldbuße zu geben, reduzierte der Richter den Betrag von 1500 auf 900 Euro. Nun kann Helmuth F. seine Mutter wieder besuchen - allerdings in einem anderen Pflegeheim in Ricklingen.

Rüdiger Meise 14.01.2015
Martina Sulner 16.01.2015
Michael Zgoll 16.01.2015