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Stadt Hannover Nach Absage: Stadt soll Veranstaltungsprofis stellen
Aus der Region Stadt Hannover Nach Absage: Stadt soll Veranstaltungsprofis stellen
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00:17 06.05.2017
Von Tobias Morchner
Das Misburger Stadtteilfest wurde bisher ehrenamtlich organisiert. Quelle: Archiv
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Hannover

In diesem Jahr haben die beiden die dreitägige Party am letzten Wochenende im Mai kurzfristig abgesagt – unter anderem wegen der Auflagen. Damit haben sie eine stadtweite Diskussion über die immer höheren Hürden ausgelöst, die private Veranstalter überwinden müssen, um ein Fest auf die Beine zu stellen.

Stadt fordert immer detailiertere Sicherheitskonzept

„Jedes Jahr kommt mehr dazu, das beachtet werden muss – das kann ein Ehrenamtlicher nicht mehr leisten“, sagt Lotsch. Seit der Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg fordern Stadt und Polizei in Hannover von den Veranstaltern die Ausarbeitung eines Sicherheitskonzeptes für ihre Veranstaltungen. „2015 umfasst das Konzept noch sieben Seiten, ein Jahr später waren es bereits 16, und in diesem Jahr haben wir um die 35 Seiten zusammen bekommen. Wobei sich die Feuerwehr das noch gar nicht angesehen hatte“, sagt Lotsch.

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Egal ob ein Feuer, ein Stromausfall, eine Bombendrohung oder eine Terrorwarnung, Vandalismus oder ein Unwetter – für alle diese Szenarien müssen die Organisatoren in dem Sicherheitskonzept Lösungsansätze anbieten. Läuft etwas schief, haftet der Veranstalter. „Wir als Organisatoren stehen immer mit einem Bein im Gefängnis“, sagt Lotsch. Dabei sei das Fest, zu dem an drei Tagen rund 15 .000 Gäste kommen, einzig und allein dazu da, den Stadtteil zu beleben. „Geld verdient niemand von uns daran“, sagt der Organisator.

Konzept aus dem Vorjahr reicht nicht mehr aus

Wie die beiden Misburger Veranstalter bei einer Pressekonferenz am Mittwoch auf dem Schützenplatz erklärten, haben sie in diesem Jahr das gleiche Sicherheitskonzept eingereicht, wie jenes, das im Jahr zuvor genehmigt worden war. Doch jetzt hatte die Polizei einige Anmerkungen. Unter anderem verlangte die Behörde, für die diesjährige Veranstaltung 22 hauptamtliche Sicherheitskräfte einzusetzen, die während der gesamten Dauer des Spektakels vor Ort seien sollten. „Das wären rund 600 Arbeitsstunden, die mit etwa 10.000 Euro zu Buche geschlagen hätten – bei einem Gesamtbudget von 27.000 Euro“, sagt Lotsch.

Die Polizeidirektion Hannover spricht von einem Missverständnis. „Durch die Formulierung in der polizeilichen Stellungnahme ist offenbar bei den Veranstaltern der Eindruck entstanden, dass nur zertifiziertes Sicherheitspersonal eingesetzt werden darf. Die offenbar missverständliche Ausdrucksweise bedauert die Polizeidirektion“, heißt es in einer Stellungnahme der Behörde. Es wäre auch eingewiesenes, ehrenamtliches Personal ausreichend gewesen. Die Zukunft des Misburger Stadtteil- und Schützenfestes ist noch ungewiss. Die Stadt hat die Veranstalter in den kommenden Tagen zu einem Gespräch eingeladen.

Andreas Schinkel 03.05.2017