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Stadt Hannover Stadtarchiv aufs Conti-Gelände?
Aus der Region Stadt Hannover Stadtarchiv aufs Conti-Gelände?
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18:33 11.10.2019
Das Stadtarchiv Am Bokemahle nahe der Sallstraße ist nach Ansicht der Stadtverwaltung mit zu vielen Mängeln behaftet. Quelle: Irving Villegas
Hannover

Hannovers Stadtverwaltung steckt in einem Dilemma: Sie muss möglichst schnell neue Räume für das Stadtarchiv finden, weil das bisherige Gebäude in der Südstadt marode und für den gegebenen Zweck nicht mehr zu nutzen ist, wie die Stadt sagt. Doch bisher hat die Verwaltung nach Informationen der HAZ noch keinen Standort gefunden, an dem sowohl das Stadtarchiv als auch mehrere Depots von Museen untergebracht werden können. Ein Magazin mit einer Fläche von rund 25.000 Quadratmeter in zentraler Lage wäre dafür nötig. Die Ausschreibungsfrist läuft in eineinhalb Wochen aus.

Freundeskreis Stadtarchiv: Gebäude ist noch in Ordnung

Das Gebäude des Stadtarchivs in der Südstadt entspreche nicht mehr dem heutigen Standard und habe einen „hohen Sanierungsbedarf“, sagt Stadtsprecher Dennis Dix. Die Freunde und Förderer des Stadtarchivs sehen die Lage weniger dramatisch. Zwar brauche das Archiv mehr Platz, aber das Gebäude sei noch völlig in Ordnung, heißt es. „Uns leuchtet nicht ein, warum alles so schnell gehen muss“, sagt Prof. Hans Otte, Vorsitzender des Freundeskreises. Er plädiert dafür, in Ruhe nach Möglichkeiten für neue Archivräume zu suchen.

Das Gedächtnis der Stadt

Tausende Urkunden und Dokumente werden in den Räumen des Stadtarchivs Am Bokemahle in der Südstadt gelagert. Aneinandergereiht ergäben die Schriftstücke eine Strecke von zehn Kilometern. Unter den historischen Dokumenten befinden sich Hannovers Stadtrechtsurkunde von 1241 sowie Handschriften von Goethe und Schiller.

Jedes Jahr kommen neue Dokumente hinzu. Dazu zählen Protokolle von Ratssitzungen, Verträge von städtischen Grundstücksgeschäften und standesamtliche Papiere. Akten und Karten, Baupläne und Skizzen werden in den Räumen gelagert. Hobbyhistoriker können stadtgeschichtliche Themen vom Mittelalter bis zur Gegenwart recherchieren. Wer die Wurzeln seiner Familie entdecken will, dürfte im Stadtarchiv fündig werden. Nicht umsonst wird das Stadtarchiv als das „Gedächtnis Hannovers“ bezeichnet.

Regelmäßig bietet das Stadtarchiv Vorträge an und publiziert in diversen Fachzeitschriften. Mitarbeiter führen Schulklassen und Studenten durch die Räume und zeigen, wie Archivierung funktioniert.

Im Rathaus ist man jedoch der Ansicht, dass die Zeit drängt. Das dürfte auch damit zu tun haben, dass die Mietverträge für die Depots der Museen auslaufen. Das Historische Museum, das Museum August Kestner und das Sprengel-Museum lagern ihre Schätze in verschiedenen Räumen im Stadtgebiet. Zudem stehen im Historischen Museum und im Kestnermuseum umfangreiche Umbauten an, weil die Häuser nicht mehr aktuellen statischen Anforderungen entsprechen. Das bedeutet, dass die Museen rasch viel Platz brauchen, um ihre Exponate zeitweise lagern zu können.

Politik macht Druck

Auch vonseiten der Politik wächst der Druck. „Ich will nicht, dass unsere Museen im Kulturhauptstadtjahr 2025 Baustellen sind“, sagt SPD-Kulturpolitikerin Belgin Zaman. In drei bis vier Jahren sollte ein neues Magazin nutzbar sein. „Wenn das nicht möglich ist, müssen wir nach Alternativen suchen“, sagt Zaman. Möglicherweise könnten Stadtarchiv und Depots zunächst getrennt voneinander untergebracht werden. Die FDP regt an, für das marode Archiv rasch eine Zwischenlösung zu finden. „Aus Kostengründen sollten wir aber langfristig an einem gemeinsamen Magazin für Stadtarchiv und Depots festhalten“, sagt FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke.

Archiv in der Wasserstadt?

Einen Ausweg weist Bauunternehmer Günter Papenburg. Er könne sich vorstellen, sagt er, die historischen Conti-Gebäude auf dem Gelände der Wasserstadt Limmer so herzurichten, dass die Stadt dort ihr Archiv und die Museen ihre Depots unterbringen können. Die Stadt müsste dann Miete zahlen. „Wir nehmen an der Ausschreibung teil“, kündigt Papenburg an. Zuvor hätte er sich gern mit Vertretern der Stadtverwaltung an einen Tisch gesetzt, doch das habe die Stadt abgelehnt.

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