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Stadt Hannover Taxichef kündigt allen Fahrern
Aus der Region Stadt Hannover Taxichef kündigt allen Fahrern
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00:17 15.08.2014
Von Mathias Klein
Foto: Taxiunternehmer Thomas Nipp, der die 25 schwarzen Taxis in Hannover betreibt, hat allen seinen Fahrern zum Jahresende gekündigt.
Taxiunternehmer Thomas Nipp, der die 25 schwarzen Taxis in Hannover betreibt, hat allen seinen Fahrern zum Jahresende gekündigt. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Taxiunternehmer Thomas Nipp, der die 25 schwarzen Taxis in Hannover betreibt, hat allen seinen Fahrern zum Jahresende gekündigt. Die gehen dagegen mit einer Sammelklage vor. Nach Informationen der HAZ sollen zudem die Preise für alle Taxifahrten um durchschnittlich 25 Prozent steigen. Auch ist eine komplett neue Preisstruktur beantragt.

„Insgesamt wird uns der Mindestlohn bitter treffen“, sagt Reinhard Bellmann, der die Taxizentrale „Hallo Taxi“ betreibt. Von Kündigungen bei ihm angeschlossenen Unternehmen hat er allerdings noch nichts gehört. Viele warteten zunächst die weitere Entwicklung ab.

Dagegen hat Unternehmer Nipp gehandelt. Für seine Zentrale Taxi 434343 fahren 65 Mitarbeiter, alle haben jetzt die Kündigung erhalten. „Bei einem Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde gibt es das Unternehmen am 1. Januar nicht mehr“, sagt Nipp. Er rechnet auch in anderen Taxiunternehmen in Hannover mit Kündigungen. Der Taxiunternehmer meint, dass in Hannover der Taximarkt insgesamt übersättigt ist: „Es gibt zu viele Taxen für zu wenig Kunden.“ Die gekündigten Taxifahrer wollen jetzt gerichtlich gegen ihren Rauswurf vorgehen. „Rund die Hälfte der Kollegen hat eine Kündigungsschutzklage vorbereitet“, sagt der Betriebsrat von Mein Taxi 434343, Frank Winsemann. Die Klagen sollen gesammelt am Donnerstag dem Arbeitsgericht übergeben werden, berichtet er.

Höhere Preise seien nötig, damit die Unternehmer den Mindestlohn von 8,50 Euro zahlen könnten, bestätigt Gunther Zimmermann, Geschäftführer des Taxibereichs beim Gesamtverband Güterverkehr Niedersachsen. Die Fahrer verdienen derzeit in Hannover durchschnittlich zwischen 5 und 6 Euro. Der Verdienst berechnet sich nicht nach Stundenlohn, sondern nach Provision aus den Fahrten der Taxichauffeure. Zimmermann hat die neue Preisstruktur bei der Landeshauptstadt beantragt. Geplant ist außer der jetzt schon üblichen Grundgebühr und einem Kilometerentgelt auch eine Gebühr für die gesamte Fahrtdauer, die es bisher nicht gibt. Dann sei es egal, ob der Wagen gerade an der Ampel stehe oder mit Tempo 100 auf der Autobahn unterwegs sei - immer laufe die Zeitgebühr mit, heißt es beim GVN. „Wenn die Fahrer künftig einen nach Stunden berechneten Mindestlohn erhalten, müssen wir bei der Taxigebühr auch eine Zeitkomponente einführen“, sagt Zimmermann zur Begründung. Bisher berechnet das Taxameter nur bei längeren Stopps an Ampeln oder im Stau eine Zeitgebühr. Details zur neuen Preisstruktur und Beispiele für unterschiedliche Fahrtstrecken wollte Zimmermann nicht nennen. Er begründete das mit internem Klärungsbedarf.

Über die neuen Fahrpreise muss die Kommunalpolitik beraten - und sie gegebenenfalls beschließen. Bislang ist unklar, wann das Thema auf die Tagesordnung kommt. Die Beratung eines vorherigen Antrags auf eine Preiserhöhung für Hannover hatte sich zahlreiche Monate hingezogen. Schließlich hatten die Taxifahrer gegen die Verzögerung mit einem lauten Autokorso in der Innenstadt protestiert.

Tobias Morchner 15.08.2014
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