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Stadt Hannover Tote Mäuse liegen im eingelagerten Umzugsgut
Aus der Region Stadt Hannover Tote Mäuse liegen im eingelagerten Umzugsgut
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09:13 10.01.2017
Von Michael Zgoll
Quelle: dpa/Symbolbild
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Hannover

Eine Familie aus einem Dorf nordöstlich von Hannover hat eine bitterböse Überraschung erlebt. Wegen beruflicher Verpflichtungen des Ehemanns musste sie für knapp drei Jahre ins Ausland übersiedeln, hatte deshalb 40 Kubikmeter Umzugsgut in die Obhut einer renommierten Spedition gegeben. Doch als der dreiköpfigen Familie ihre Sachen im November zurückgebracht wurden, waren viele Kisten durchwühlt, Möbel beschädigt, Kleidungsstücke von Mäusen zerfressen, Bilder mit Tierkot bedeckt - und es fehlten Wertgegenstände in Summe von knapp 15 000 Euro. Daraufhin fertigte der 57-jährige Motorenbauingenieur eine Schadensliste mit 300 Positionen an und machte bei der Umzugsfirma eine Forderung von 80 000 Euro geltend.

Eingelagert worden war das Eigentum der Familie im März 2014. „Uns wurde zugesagt, dass die Sachen fachgerecht in Containern gelagert werden“, so der Ingenieur. Doch allem Anschein nach vagabundierten die Kartons und Kisten der Familie über viele Monate frei durch wechselnde Lagerhallen, riefen ungebetene Interessenten auf zwei und vier Beinen auf den Plan. „Wir hatten viele speziell für uns gefertigte Möbel deponiert, auch Maßanzüge, eine Gucci-Lederjacke, 80 Paar Schuhe meiner Frau, wertvolles Besteck und Schmuck“, schildert der 57-Jährige. Doch bei der Rückgabe hätten viele Wertgegenstände gefehlt, sei etliches Mobiliar zerkratzt gewesen oder seiner Griffe und Scharniere beraubt.

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Tiere hatten Matratzen angefressen, auch tote Mäuse entdeckte die entsetzte Familie in zerwühlten Wäschekartons. Die neunjährige Tochter trauerte um angenagte Kuscheltiere, und der 50-jährigen Ehefrau waren liebgewonnene Erinnerungsstücke abhanden gekommen. „Wir wissen inzwischen, dass die Spedition irgendwann eine neue Halle gebaut hat, dabei dürfte noch einiges mehr durcheinander geraten sein“, klagt der Ingenieur. Zwar habe sich die Firma inzwischen entschuldigt - doch das sei nur ein schwacher Trost für die immensen Schäden.

Wie Rechtsanwalt Tobias Bathon erklärt, hätten die Spedition aus Süddeutschland und das zuständige Versicherungsunternehmen mit Blick auf die Entschädigungsforderungen zunächst gemauert. „Dabei lässt das Schadensbild auf unglaubliche Rücksichtslosigkeit und eine sorglose Behandlung des Eigentums meiner Mandanten schließen“, so der Fachmann für Transport- und Speditionsrecht. Inzwischen hat sich ein Rückversicherer der Sache angenommen und einen Sachverständigen mit Begutachtung und Bewertung der Schäden beauftragt. Hilfreich dürften dabei 500 Fotos sein, die die Familie vom lädierten Umzugsgut gefertigt hat.

Den Geschädigten ist klar, dass ihre Forderung von 80 000 Euro kaum erfüllt werden dürfte, handelt es sich hier doch um den Neuwert der verschwundenen oder demolierten Sachen. „Aber an die 40 000 Euro sollten es schon sein, sonst werden wir die Spedition verklagen“, droht der Ingenieur. Dass er in den Kartons einen Gegenstand fand, der der Familie nicht gehört, entlockt ihm nur ein müdes Lächeln - es handelt sich um einen islamischen Gebetsteppich.

Tobias Morchner 13.01.2017
Mathias Klein 10.01.2017