Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadt Hannover Türsteher sollen Verbote begründen
Aus der Region Stadt Hannover Türsteher sollen Verbote begründen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:44 30.12.2013
Wer nicht am Türsteher vorbei in die Disko kommt, soll künftig dafür den Grund erfahren. Quelle: Symbolfoto
Anzeige
Hannover

Der Vorwurf steht im Raum, dass mancher Klubbetreiber seine Gäste nach ethnischer Herkunft auswählt. Der Dehoga räumt ein, dass die Einlasspolitik von Diskobetreibern nicht immer transparent sei.

„Wir fordern Türsteher in Schulungen auf, Gründe anzugeben, warum Gäste abgewiesen werden“, sagt Dehoga-Geschäftsführerin Renate Mitulla. Von dem Vorschlag aus der Ratspolitik, Testpersonen mit ausländischem Aussehen loszuschicken, um Einlasskontrollen zu überprüfen, hält Mitulla wenig. „Das ist zu einseitig. Dann müsste man auch eine Nacht lang einem Türsteher über die Schulter schauen.“

Anzeige

Unterdessen wird die „Dax Bierbörse“ erneut beschuldigt, einen dunkelhäutigen jungen Mann ohne erkennbaren Grund abgewiesen zu haben. „Meinem Sohn wurde nur mit einer Handbewegung signalisiert, dass er unerwünscht ist“, ärgert sich Gisela Kaminski. In der Nacht vom 25. Dezember auf den 26. Dezember wollte ihr Adoptivsohn John-Yudes, der aus Sri Lanka stammt, zusammen mit einer Gruppe junger Frauen die „Dax Bierbörse“ betreten. Die Frauen wollten das Eintrittsverbot für ihren Bekannten offenbar nicht hinnehmen, legten Protest ein und verständigten die Polizei – am Ende ohne Erfolg. „Mein Sohn trinkt keinen Alkohol, ist ein schüchterner Typ und war auch nicht auffällig gekleidet“, versichert Kaminski. Zuletzt war ein dunkelhäutiger Uni-Mitarbeiter vor der „Dax Bierbörse“ abgewiesen worden, angeblich hatte er die Türsteher beschimpft.

Bierbörse“-Inhaber Theo Vagt kann sich an den neuesten Vorfall nicht erinnern. Er bestreitet jedoch vehement, dass seine Türsteher Gäste wegen ihrer Hautfarbe aussortierten. „Viele unserer Stammgäste sind Schwarze“, sagt Vagt. Auch verwehre man an einem Abend Hunderten von Deutschen den Zutritt, ohne dass diese sich beschwerten. „Das Diskriminierungsargument ist vorgeschoben“, meint der Geschäftsmann. Abgewiesen werde nur, wer betrunken sei, sich aggressiv verhalte oder „einfach nicht hineinpasst“. Vagt sagt: „Wenn ich alle Leute einlassen würde, müsste ich den Laden nach ein paar Wochen schließen.“ Schlägereien wären dann an der Tagesordnung. Allerdings räumt er ein, dass auch seine Türsteher mal Fehler machten. „Sie müssen schnelle Entscheidungen treffen, die für manche nicht ganz nachvollziehbar sein mögen.“    

Jürgen Uhlenwinkel, Betreiber der Disko „Zaza“, kennt solche Probleme. „Wir lassen grundsätzlich nicht alle Leute rein, wir testen die Besucher zum Teil an der Tür, sprechen sie unabhängig von ihrer Herkunft an, versuchen herauszufinden, ob sie schnell aggressiv reagieren“, sagt er. Dabei könnten durchaus Fehler passieren. Er selbst sei einmal von den Türstehern des „Palo Palo“ und vor dem Eingang des „Havana“ abgewiesen worden, weil die Security-Mitarbeiter ihn nicht erkannt hätten. Gästen des „Zaza“, die sich zu Unrecht ausgeschlossen fühlen, rät Uhlenwinkel, Kontakt mit ihm aufzunehmen. Nicht verstehen könne er die gegenwärtige Debatte. Vor Jahren, als es regelmäßig zu Auseinandersetzungen am Raschplatz und am Steintor gekommen sei, habe die Stadt die Veranstalter aufgefordert, aggressiven Gästen den Zutritt zu verweigern. „Heute sollen wir wieder alle reinlassen? Das passt doch nicht zusammen.“

Andreas Schinkel / Tobias Morchner

Mehr zum Thema

Die „Dax Bierbörse“ bietet nach dem Diskotürstreit um einen dunkelhäutigen Uni-Mitarbeiter ein Gespräch mit dem Betroffenen an. Versöhnlich ist die Stimmung zwischen den Parteien dennoch nicht.

Christian Link 23.12.2013

Diskotürsteher verwehren einem Gast den Zutritt – wegen der falschen Hautfarbe. Ein neuer Fall aus der „Dax Bierbörse“ könnte diese Dauerdiskussion, die kürzlich sogar den Rat erreicht hat, neu befeuern.

25.12.2013

Hannovers Ratspolitiker wollen den Druck auf Diskobetreiber erhöhen, die ihre Gäste nach ethnischer Herkunft auswählen. „Die Hautfarbe eines Menschen darf nicht Kriterium für den Zutritt sein“, sagt CDU-Ratsherr Maximilian Oppelt.

29.12.2013
02.01.2014
30.12.2013