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Stadt Hannover Uni-Forscher analysieren Wahlergebnisse in Hannover
Aus der Region Stadt Hannover Uni-Forscher analysieren Wahlergebnisse in Hannover
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21:45 08.06.2009
Von Bernd Haase
Wahllokal in Hannover Quelle: Rainer Surrey
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Nach der aus Sicht der großen Volksparteien verkorksten Europawahl in Hannover haben deren Vertreter gesagt, es gelte im Hinblick auf die Bundestagswahlen vor allem, die Stammwähler zu mobilisieren. In Hannover könnten sie dabei größere Probleme bekommen. „CDU und SPD repräsentieren nur noch 57 Prozent der Stimmen. Eine Stammwählerschaft scheint es als solche gar nicht mehr zu geben“, sagt Stephan Meise von der Leibniz Universität. Gemeinsam mit den Statistikern der Stadt analysieren die Sozialwissenschaftler regelmäßig die Wahlen.

Die SPD hat nach Ansicht der Forscher in Hannover dauerhaft Wähler an die Grünen und die Linken verloren. Vor allem in ihren Hochburgen, den Arbeiterquartieren im Westen der Stadt, büßt sie ein. Zugewinne schafft sie in Mühlenberg, Waldheim und Burg. Nur in einer einzigen Altersgruppe, bei den 45- bis 59-Jährigen, liegt die SPD in Hannover vorn – hier allerdings gemeinsam mit den Grünen.

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Die CDU musste ebenso wie die SPD ihr bisher schlechtestes Europawahlergebnis in Hannover hinnehmen. Verluste stehen in den Stadtteilen an der Peripherie wie Isernhagen-Süd oder Misburg zu Buche sowie in den sozial schwachen Stadtteilen wie Vahrenheide und Hainholz. Die zwischenzeitliche Attraktivität der CDU für junge Hannoveraner scheint zu schwinden. Sie ist nur in der Altersgruppe der über 60-Jährigen Wahlsieger. „Die CDU entwickelt sich zur Partei älterer Wohlstandsbürger“, sagt Meise.

Die Grünen haben in ihren Hochburgen rund um die Universität und Linden verloren. Profiteur ist die Linkspartei. Zuversicht mögen die Grünen beim Blick auf die Alterspyramide empfinden: In den Wählergruppen zwischen 18 und 44 Jahren sind sie Nummer eins unter den Parteien.

Die FDP ist der Gewinner des Urnengangs in Hannover. Ihre Zuwächse gingen vor allem auf Kosten der CDU – „die Stimmen sind im bürgerlichen Lager gewandert“, sagt Meise. Steigerungen verbuchten die Liberalen im Zentrum und im Osten der Stadt.

Die Linken haben ihr Ergebnis in Hannover verdoppelt, im Arbeitermilieu besondere Stärken gezeigt und dabei der SPD und den Grünen gleichermaßen wehgetan. Dies ist nach Einschätzung der Wahlforscher von Dauer: „Die Linke hat sich als politische Kraft etabliert.“

Bei Fragen nach Rückschlüssen auf die anstehenden Bundestagswahlen reagierten die Experten zurückhaltend. „Einige Tendenzen könnten sich verfestigen“, meinen sie. Andererseits gebe es immer noch die hohe Zahl an Nichtwählern, die zu mobilisieren sei, sowie die Möglichkeit des taktischen Wählens durch Erst- und Zweitstimme.

Das Zahlenwerk steht unter www.wahlbericht-hannover.de im Internet.

Weitere Informationen (externe Links):

die deutschen Wahlergebnisse im Detail

die Sitzverteilung des Europaparlaments und die Wahlergebnisse nach Ländern