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Stadt Hannover Die Zwei-Tage-Stadt
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00:15 21.07.2013
„Am Steinhuder Meer gibt es für die Kinder immer etwas zu erleben“: Jörg Löcher mit seiner Familie aus Hamburg. Quelle: Michael Wallmueller
Hannover

Ein Vormittag mitten in den Sommerferien. Über die Aussichtsplattform auf der Rathauskuppel streicht sanft der Wind. „Schau mal, das dort drüben müsste die Markuskirche sein, oder?“ Rosemarie Rafflenbeul deutet mit dem Finger auf eine Stelle in dem Häusergewirr unter ihr. Dann sieht sie ihre Schwester Eva Böger fragend an. „Ja, ich glaube, du hast recht“, antwortet sie. Zusammen mit einer Freundin ist Rafflenbeul für drei Tage zu Besuch bei ihrer Schwester in Barsinghausen. Eigentlich lebt sie im kleinen Owschlag in Schleswig-Holstein. „Ich bin immer wieder fasziniert davon, wie schön Hannover ist. So grün“, schwärmt Rafflenbeul. Doch ohne ihre Schwester könnte sie sich einen längeren Urlaub in Hannover nicht vorstellen. „Ein, zwei Tage als Städtereise gern. Aber dann reicht es auch.“

Dass Städtetourismus im Trend liegt, haben Hannovers Stadtmarketing-Chef Hans Nolte und sein Team schon vor einigen Jahren herausgefunden und richten darauf ihre Vermarktungsstrategie aus. Etwa mit den sogenannten Erlebnis-Paketen, die für Touristen geschnürt werden. Zum Beispiel eine Übernachtung im Vier-Sterne-Hotel mit Eintrittskarten für den Zoo und das Varieté GOP. Oder zwei Übernachtungen in Kombination mit Stadtführung und Eintritt in die Herrenhäuser Gärten. Der Urlauber kann inzwischen aus mehr als 20 solcher Arrangements wählen.

Für Hannovers Marketinggesellschaft HMTG hat sich die Idee als sehr lukrativ herausgestellt. Seit sechs Jahren gibt es die Pakete nun - rund 6500 davon werden mittlerweile pro Jahr verkauft. Doch für die Stadtvermarkter haben sie noch einen anderen Nutzen: Sie sind ein Barometer dafür, welche Attraktionen bei den Urlaubern derzeit angesagt sind. Eine Größe, die sich sonst eher schwer messen lässt. „Ganz weit vorn liegen Events wie der Feuerwerkswettbewerb oder Einrichtungen wie der Erlebniszoo. Feste wie Schützen- oder Maschseefest dagegen sind kaum gefragt“, verrät Nolte.

Die Grundidee von Städtereisen liegt aber im Entdecken der Historie und der Kultur einer Stadt. Natürlich lässt sich Hannover bei der Zahl der Sehenswürdigkeiten und Attraktionen nicht mit ähnlich großen Städten wie Dresden vergleichen. Und doch ist Nolte sicher, dass etwa das neue Schloss Herrenhausen in Zukunft noch mehr Besucher anlocken wird. „Ob Original oder Nachbau - für die Touristen zählt das historische Flair.“

Und zuweilen sind es auch Spezialfragen, die Besucher nach Hannover bringen. Francesco Melchior etwa ist nur für einen Tag nach Hannover gekommen. Der Student aus der süditalienischen Region Apulien hat sich zwei Wochen Zeit genommen, um norddeutsche Städte zu erkunden. In Hannover will er jetzt dem Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz nachspüren. „Ich interessiere mich sehr für Philosophie. Deswegen möchte ich herausfinden, wie Leibniz hier gelebt hat.“ Leibniz-Haus in der Altstadt, seine Begräbniskirche in der Calenberger Neustadt, der Große Barockgarten in Herrenhausen, in dem das Genie gelustwandelt ist - von Leibniz gibt es viel zu entdecken.

Ab Freitag Fahrten im offenen Bus

Die Genehmigung ist erteilt – vom heutigen Freitag an dürfen endlich auch in Hannover die Doppeldecker-Cabriobusse für Stadttouristen mit offenem Verdeck fahren. Damit endet ein monatelanger Konflikt um die Sicherheit der Fahrgäste. Die Genehmigungsbehörde hatte befürchtet, das bei plötzlichem Aufstehen während der Fahrt Fahrgäste in Kontakt mit den stromführenden Oberleitungen der Stadtbahnen kommen könnten – das hätte Lebensgefahr bedeutet. In anderen Städten hatte es bisher keine derartigen Sorgen gegeben, auch dort wollen die Behörden künftig aber genauer hingucken.

„Wir haben jetzt alle Auflagen erfüllt“, sagt Unternehmer Sascha Willms von der Kölner Citytours. Insbesondere seien Anschnallgurte an allen Sitzen auf dem Oberdeck nachgerüstet worden, die ein spontanes Aufstehen verhindern sollen. Zusätzlich gibt es akustische Signale beim Unterfahren der Stromdrähte, der Fahrer macht auf die Gefahren aufmerksam.

Start: Die Touren beginnen täglich um 10.30, 12.30 und 14.30 Uhr. Nur sonnabends fahren die beiden Busse zwischen 10.30 und 16.30 Uhr sogar stündlich. Start ist an der Touristen­info gegenüber vom Hauptbahnhof am Ernst-August-Platz.

Kosten: Eine einfache Rundfahrt kostet 13 Euro. Als „Hop-on und Hop-off“-Fahrt kostet sie 15 Euro. Dann kann man an den Stationen aussteigen, Besichtigungen machen und zur nächsten Fahrt wieder zusteigen. Das lohnt sich besonders sonnabends.

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Was sein Interesse an der Stadt betrifft, mag Francesco Melchior ein Spezialfall sein. Was seine Aufenthaltsdauer betrifft, ist er es nicht. Viele blieben nicht länger als ein, zwei Nächte, sagt Alexander Thron, Inhaber des Naturfreundehauses am Rande der List. Die einen Touristen machten Tagestrips auf eigene Faust, für andere sei Hannover ein Zwischenstopp auf ihrer Busreise. Solche Touristen können von der HMTG aus Datenschutzgründen nicht erfasst werden, deswegen ist anzunehmen, dass die tatsächliche Zahl der Hannover-Besucher weit über der der Übernachtungsgäste liegt. Auch Slawomir Kuchta, Rezeptionist in der Jugendherberge, sagt: „Die Alleinreisenden, die sich hier einmieten, sind meist Amerikaner auf Europa-Tour oder Architekturstudenten, die sich die Bauwerke anschauen wollen.“

Um Urlauber zu treffen, die länger als ein paar Tage in der Region Hannover bleiben, muss man aus der Stadt hinausfahren. Ans Steinhuder Meer zum Beispiel. Hier will auch Jörg Löcher aus Hamburg mit seiner Familie ausspannen. Zu siebt haben sie sich eine Ferienwohnung in der Nähe gemietet. „Das Steinhuder Meer haben wir uns bewusst ausgesucht, weil es hier sehr ruhig sein soll und es für die Kinder etwas zu erleben gibt“, sagt Löcher und legt seinem Sohn Mathias, der am Ufer nach Fischen ins Wasser späht, die Hand auf die Schulter.

„Die meisten, die hierher kommen, wohnen in Nordrhein-Westfalen oder in Schleswig-Holstein“, weiß Martina Nolte vom Restaurant „Zum kleinen Fisch an der Uferpromenade“. Warum der Binnensee ausgerechnet so viele Besucher aus dem Bundesland mit den beiden Meeren anzieht, weiß sie nicht. Aber auch sie sagt, dass die meisten Urlauber hier eher auf der Durchreise sind. Mehr als eine Woche Aufenthalt ist eher selten.

Das ist auch auf dem Campingplatz am Blauen See in Garbsen spürbar. „Es herrscht ein reges Kommen und Gehen“, sagt Werner Biehl. Er und seine Frau kommen aus Wilhelmshaven und haben ihren Wohnwagen schon zum sechsten Mal hier abgestellt. Sie besuchen ihre Tochter, die in Hannover wohnt, aber nicht genug Platz für Langzeitbesucher in der Wohnung hat. „Für uns ist das ein guter Kompromiss, denn wir campen gern“, sagt Antje Biehl. Aufmerksam beobachten sie ihre Camping-Nachbarn und halten gern mal ein Schwätzchen mit Neuankömmlingen. „Im Grunde genommen ist Hannover ein Knotenpunkt. Hier legen zum Beispiel viele Dänen auf dem Weg nach Süden einen Zwischenstopp ein oder Niederländer auf dem Weg nach Osten“, sagt Werner Biehl. Auch sie würden ohne ihre Tochter in Hannover wahrscheinlich keine Woche Urlaub machen. „Obwohl die Radwege hier sehr schön sind.“

Steigerung um 60 Prozent: Zwischen Januar und April des Jahres schliefen 658.633 Gäste aus dem In- und Ausland in den rund 14.000 Hotelbetten der Stadt. Auf die vergangenen zehn Jahre gerechnet ist das eine Steigerung um 60 Prozent. Eine enorme Zahl für eine Stadt, die sich flächenmäßig mit Leipzig vergleichen kann, findet Marketingchef Nolte. Der Großteil der Gäste kommt zweifelsohne wegen großer Messen wie der Industrieschau Hannover Messe, der CeBIT oder der Agritechnica. Das räumt auch Nolte ein: „Die Messen sind international der größte Treiber des Hannover-Tourismus.“ Und dennoch verraten die Zahlen, dass es neben den Anzugträgern noch andere Hannover-Besucher geben muss. Solche, die nicht an der neusten 3-D-Kamera interessiert sind, sondern an Motiven fürs Urlaubsalbum. Und davon hat eine Stadt wie Hannover inzwischen reichlich zu bieten.

Isabel Christian

Gegen 13 Uhr wird am Freitag die erste Testsprengung im Klagesmarktbunker die City erschüttern. Die Bauverwaltung will mit der sogenannten Lockerungssprengung testen, ob die errechneten Sprengtechniken und -dosierungen ausreichen.

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