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Stadt Hannover 600 Obdachlose besuchen Fest im 96-Stadion
Aus der Region Stadt Hannover 600 Obdachlose besuchen Fest im 96-Stadion
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18:38 10.08.2019
Beim Grillfest für Obdachlose in der HDI-Arena können sich die Bedürftigen auch Haare schneiden lassen. Quelle: Frank Wilde
Hannover

Der Duft von frischem Grillfleisch und Würstchen zieht durch die HDI Arena. Werner Brinkmann läuft schon das Wasser im Mund zusammen, als er in der Schlange ansteht, um eine der Köstlichkeiten zu ergattern. „Ist ja was Besonderes, das zu kriegen“, sagt er.

Brinkmann ist seit vergangenem Monat obdachlos. Er kommt aus Delmenhorst, wo er 15 Jahre lang auf einem Bauernhof gearbeitet hat. Jetzt lebt er auf den Straßen von Hannover. „Ich hatte keinen Bock mehr auf arbeiten“, sagt der 60-Jährige, der sich stolz als Rentner bezeichnet. Er lebe gerade gern auf der Straße, sagt er. „Da kann ich meine Freiheit genießen.“

Werner Brinkmann lebt seit einem Monat auf der Straße und freut sich über das Fest Quelle: Lisa Neugebauer

Brinkmann ist einer von rund 600 Obdachlosen und Bedürftigen, die an diesem Sonnabend in die HDI Arena gekommen sind. 96plus, ein Projekt von Hannover 96, das unter anderem soziale Projekte fördert, veranstaltet zum sechsten Mal zusammen mit mehreren Vereinen ein Fest für Menschen, die auf der Straße leben oder mittellos sind.

„Wir freuen uns sehr, dass die Resonanz so groß ist“, sagt Mirko Woitschig von 96plus. Im ersten Jahr seien nur 250 Leute gekommen, heute fast alle der 750 eingeladenen Gäste. „Viele sind begeistert, auch mal ins Stadion zu kommen und hier Fotos machen zu können“, sagt Woitschig.

„Die Menschen sind es gewohnt, um alles zu kämpfen“

Einige Obdachlose haben es sich auf den Treppen oder den Sitzen im Stadion gemütlich gemacht, andere lassen sich gerade von Friseuren der Barber Angels frisieren. Der Charity-Verein ist mit 14 ehrenamtlichen Friseuren angereist, um „den Menschen ein Stück Würde wiederzugeben“, sagt Mitglied Mirko Brinkmann.

Die Barber Angels sind mindesten einmal im Monat in der Stadt unterwegs – und natürlich auf Veranstaltungen wie diesen. „Es geht nicht nur ums Haareschneiden, sondern das Zwischenmenschliche ist das A und O“, sagt Brinkmann.

Zwischendurch ist es hektisch an den Plätzen. Einige Gäste beschweren sich, ein anderer habe sich vorgedrängelt. „Viele haben Angst, nicht dran zu kommen“, sagt Brinkmann. „Die Menschen sind es gewohnt, um alles zu kämpfen.“ Bei ihnen komme aber jeder dran, sagt er. Knapp 200 Menschen werden sie am Ende des Tages Haare geschnitten, Bärte gestutzt oder geschminkt haben. Gleich nebenan können sich die frisierten Gäste dann noch Zahnbürsten, Duschbad oder Kleidung mitnehmen.

Wollen mit Haarschnitten etwas Würde zurückgeben: Mirko Brinkmann und Carola Kherfani von den Barber Angels Quelle: Lisa Neugebauer

In einer anderen Ecke des Stadions hat das Team vom Zahnmobil geparkt. Den mit einem kleinen Behandlungszimmer ausgestattete Wagen, der regelmäßig in der Stadt unterwegs ist, um Obdachlose zu behandeln, gibt es seit sieben Jahren. Klaus Schwetje ist Zahnarzt im Ruhestand und zusammen mit 30 anderen ehrenamtlich für das Projekt tätig.

Gemeinsam mit Arzthelferin Angela McLeod hat er auf dem Fest bereits zehn Bedürftige behandelt. „Da geht es vor allem um Schmerzbehandlungen, lose Zähne und Füllungen“, sagt der Zahnarzt. Wie alle Vereine, die an diesem Tag das Fest gestalten, ist auch dieser auf Spenden und Zuschüsse angewiesen.

Zahnarzt Klaus Schwetje und Helferin Angela McLeod haben heute schon zehn Patienten behandelt. Quelle: Lisa Neugebauer

Für das Essen auf dem Fest sorgen die Ehrenamtlichen des Vereins Charcoal Street BBQ. Einer der beiden Vorsitzenden, Marcus Körlin, ist seit zwei Jahren dabei. „Es ist toll zu sehen, wie sich die Leute über eine Bratwurst und ein Steak freuen“, sagt er. „Sonst können sie sich das nicht leisten.“ Die Mitglieder des Vereins sind extra aus Peine, Goslar oder Braunschweig angereist. „Alle haben Spaß daran“, sagt er.

Marcus Körlin, Vorsitzender des Vereins Charcoal Street BBQ, grillt vier Stunden lang Steaks und Würstchen für Bedürftige. Quelle: Lisa Neugebauer

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Von Lisa Neugebauer

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