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Stadt Hannover Vom Niedersachsenstadion zur AWD-Arena
Aus der Region Stadt Hannover Vom Niedersachsenstadion zur AWD-Arena
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08:05 29.11.2012
Von Bernd Haase
2005 weltmeisterlich: Die Roten feiern ihre neue Arena, die 2006 auch WM-Spielort ist.
2005 weltmeisterlich: Die Roten feiern ihre neue Arena, die 2006 auch WM-Spielort ist. Quelle: Archiv
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Hannover

Zehn Jahre waren es im August. Nur noch einige Monate kommen hinzu, dann wird der Name AWD-Arena für Hannovers Stadion Geschichte sein. Wie tief er sich über den offiziellen Sprachgebrauch hinaus in das Bewusstsein der Menschen in der Landeshauptstadt gebohrt hat, ist nie umfassend untersucht worden. Eines steht aber außer Zweifel: Der alte Name Niedersachsenstadion lebt fort. Viele nutzen ihn noch, wenn sie zu einem Fußballspiel oder einem Konzert gehen. Traditionsverliebte Fans fordern ihn sogar ein – erst im September überklebten sie die Hinweisschilder zur Arena mit Aufklebern, auf denen der alte Name stand.

Das Stadion, in dem die Hannoveraner sportliche Triumphe und Tragödien, unvergessene Konzerte und Massenveranstaltungen wie beim Kirchentag erleben sollten, war ihnen am Anfang gar nicht willkommen. Als die Pläne zum Bau 1950 bekannt wurden, hagelte es Proteste. In der kriegszerstörten Stadt gebe es Dringenderes zu tun, als eine Arena zu bauen, fanden viele. Der damalige Stadtbaurat Rudolf Hillebrecht hatte eine Idee, die dem Vorhaben den Anstrich des Luxuriösen nahm. Das Stadion sollte auf Trümmerschutt gebaut werden, wodurch Transportkosten zu sparen waren. „Deshalb gab es im städtischen Haushalt damals auch keinen Posten für Stadionbau, sondern nur einen für Trümmerentsorgung“, hat der Architekt Heinz Goesmann einmal erzählt. Anfänglich sollte die Sportstätte, die letztlich mehr als vier Millionen Mark kostete, nach ihrem Standort Masch-Ohe-Stadion heißen.

Erst später erinnerte man sich daran, dass man ja Landeshauptstadt ist und das auch im Namen der Arena würdigen könnte. Im September 1954 wurde sie vor 35 000 Zuschauern eröffnet – und zwar nicht etwa mit einem Fußballspiel des damals frischgebackenen Deutschen Meisters Hannover 96, sondern mit einem Sportfest. Die Kicker der Roten liefen erst von 1964 an dauerhaft in der Betonschüssel auf. 1982 waren die Rolling Stones die Ersten, die im Niedersachsenstadion nicht kickten, sondern rockten. Phil Collins schaffte es 1994, dass bei vier Konzerten nacheinander an den Kassen das Schild ausverkauft hochgezogen wurde.

Gleich mehrfach ist das Niedersachsenstadion umgebaut worden. Die größten Veränderungen wurden jeweils im Vorfeld der beiden Fußball-Weltmeisterschaften vorgenommen. 1974 erhielt die Arena ein Dach, beim Eröffnungsfest war an die Stones noch nicht zu denken. Es sang der damals sehr populäre holländische Musikbub Heintje.

Große Teile des alten Stadions sind dann beim Umbau vor der Weltmeisterschaft 2006 verschwunden, der 2003 begann und 2005 beendet wurde. Das Niedersachsenstadion sah nicht mehr aus wie das Niedersachsenstadion, und es trug auch nicht mehr diesen Namen. Der AWD, damals noch vom Fußballfan Carsten Maschmeyer geführt, hatte sich 2002 die Namensrechte gesichert. Proteste dagegen, wie es sie bei Umbenennungen in anderen Städten gab, hielten sich in Grenzen. Die Zeitungen druckten einige Leserbriefe, in denen von Ausverkauf und Traditionsbruch die Rede war, aber im Großen und Ganzen arrangierten sich die Hannoveraner mit dem neuen Namen. Letzteres muss nicht zwingend bedeuten, dass sie ihn auch nutzen oder den alten vergessen haben.

Ein Zurück zur Bezeichnung Niedersachsenstadion, das hat der Klubpräsident von Hannover 96, Martin Kind, klargestellt, wird es nicht geben. Und die Stadt kann daran nichts ändern, selbst wenn sie es wollte. Sie hat zwar beim Bau mit einem Zuschuss und einer Kreditbürgschaft geholfen, aber kein Mitspracherecht beim Namen.

Wie andere Stadien heißen, was dafür bezahlt wird – und was Fans davon halten

Als der Fußball-Bundesligist SV Werder Bremen zu Beginn dieser Saison den heftig kritisierten Einstieg des Geflügelmästers Wiesenhof als Sponsor bekannt gab, waren Witzbolde schnell zur Hand: Das Weserstadion, so orakelten sie, werde demnächst in Hühnerhof umgetauft. Zumindest an diesem Punkt taten sie dem Verein Unrecht. Werder hat sein Stadion noch nie nach einem Geldgeber benannt. Aktuell sind die Bremer neben dem 1. FC Nürnberg und Borussia Mönchengladbach einer von nur drei Bundesligisten, die darauf verzichten, aus dem Verkauf von Namensrechten für das Stadion Kapital zu schlagen. Oder, wie im Fall Nürnberg, verzichten müssen.

Fast überall sind altehrwürdige Stadionnamen zumindest im offiziellen Sprachgebrauch verschwunden, den Vereinen sind die Millionenerlöse aus den Namensrechten wichtiger als Traditionswahrung. Aus dem Fürther Ronhof wurde so erst die Playmobil- und dann die Trolli-Arena, benannt nach einem Süßwarenhersteller. Mainz 05 hat mit Coface einen Spezialisten für Forderungsmanagement zum Partner. Ob die Kicker beim Zweitligisten Dynamo Dresden sich freuen, im Glücksgas-Stadion aufzulaufen, darf bezweifelt werden. Ebenso, dass die Fans vom Hamburger SV überhaupt noch mitkommen: Ihr Stadion trug in den vergangenen fünf Jahren drei verschiedene Namen. Möglicherweise hilft das, die angestammte Bezeichnung Volkspark zu erhalten.

Welche Tücken hinter Umbenennungen stecken, erlebt der 1. FC Nürnberg. Dessen Frankenstadion hieß ab März 2006 Easycredit-Stadion, was die Fanszene auf den Plan rief. Sie taufte die Arena symbolisch in Max-Morlock-Stadion um; der berühmteste Fußballer des Vereins sollte so gewürdigt werden. Beim Club und bei den Nürnberger Medien gingen massenhaft Beschwerden ein. In den Folgejahren demonstrierten die Anhänger immer wieder für den von ihnen gewünschten Namen und erhielten dabei zuweilen Unterstützung von denen der Gastmannschaften. Im Sommer lief der Vertrag aus, derzeit spielen die Kicker schlicht im „Stadion Nürnberg“. Ein neuer Sponsor wird gesucht.

Wer in München Namensrechte erwerben will, müsste die Allianz ausstechen. Sie zahlt sechs Millionen Euro. Damit sind die Bayern auch in dieser Hinsicht Spitzenreiter – vor Dortmund.

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