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Stadt Hannover Walter Meinholds Kampf nach dem Schlaganfall
Aus der Region Stadt Hannover Walter Meinholds Kampf nach dem Schlaganfall
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00:16 11.11.2016
Von Gunnar Menkens
„Mein großes Ziel ist, wieder laufen zu können, diese Hoffnung gebe ich nicht auf“: Walter Meinhold, hier auf einem Archivfoto, aufgenommen bei einer Aufsichtsratssitzung der Stadtwerke, kämpft sich zurück ins Leben Quelle: Christian Burkert
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Hannover

Der Mann im Rollstuhl, der von seiner Frau in den Saal geschoben wird, ist wirklich Walter Meinhold. Man hatte lange nichts von ihm gehört und gesehen, ungefähr neun Monate. Stattdessen kursierten Gerüchte über einen katastrophalen Schlaganfall, es hieß, die Sprache sei ihm verloren gegangen. Man müsse das Schlimmste fürchten, raunten Parteifreunde. Einige erinnerten sich, wie erholt und braun gebrannt von der Wintersonne Walter Meinhold im Februar aus dem Skiurlaub gekommen war. Aber braun gebrannt zu sein sagt nichts darüber, was einem Körper zu tun gefällt, vielleicht schon im nächsten Augenblick. Kurz nach dem Urlaub kam die Attacke. Bis heute wissen viele nicht, wie es um Hannovers früheren SPD-Chef und Landtagsabgeordneten steht. Bis sie ihn sehen, in diesem Saal beim Empfang der Region.

Walter Meinhold, 71, geht es heute wieder gut, gemessen an den Wochen nach dem Schlaganfall. Eine Notoperation rettete im Februar sein Leben, für kurze Zeit legten Ärzte ihn ins künstliche Koma. Er konnte schnell wieder sprechen, aber die Reha war langwierig. Ein MRSA-Keim hatte seinen Körper angegriffen, was bedeutete, dass Walter Meinhold wochenlang in Quarantäne leben musste. Therapien verzögerten sich. Erst im Juli, fünf Monate nach dem Schlaganfall, wurde er entlassen.

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Wer heute mit Walter Meinhold über diese Zeit redet, hört immer wieder, wie dankbar er seiner Familie und den Pflegern ist, die an seiner Seite standen. „Und mein großes Glück ist, dass mir die Sprache geblieben ist“, sagt er. Er spricht ein wenig langsamer als früher, doch er muss nicht nach Worten suchen. Er erkennt Menschen, mit denen er früher zu tun hatte, und er muss nicht nach ihren Namen suchen. Aber der Weg dorthin war voller Hindernisse, und der tägliche Kampf bestimmte über Monate sein Leben. Daran hat sich nichts geändert.

Sein Zustand heute ist trotz aller Therapie sehr eingeschränkt. Walter Meinhold ist komplett auf den Rollstuhl angewiesen. Sein Körper ist praktisch in zwei Hälften gespalten, die eine Seite funktioniert, die andere nicht. „Linker Arm und linkes Bein sind noch gelähmt“, sagt Meinhold. Probleme macht auch das linke Gesichtsfeld. „Damit ist es schwierig, Texte zu erfassen“, und das ist für jemanden, der ein Leben lang gelesen hat, eine Behinderung, die überwunden werden muss. Jeden Tag übt Walter Meinhold, damit dieser Zustand sich bessert.

Irgendwann will er es auch schaffen, aus dem Rollstuhl herauszukommen. „Mein großes Ziel ist, wieder laufen zu können, diese Hoffnung gebe ich nicht auf.“ Therapien richten sich auf die linke Seite, „rechts bin ich fit“, sein Rumpf wird immer kräftiger, er will wieder selbstständiger werden.

Dass der Sozialdemokrat Walter Meinhold sich seinem früheren Leben annähert, erkennt man wohl auch daran, dass er Erfahrung aus seinem neuen Leben in die Politik einbringen will. Er trat immer für Inklusion ein. Und er will junge Männer ermuntern, Pfleger zu werden. „Mit solch einer Krankheit ist man auf würdevollen, unterstützenden Umgang angewiesen. Ich weiß dies nun sehr zu schätzen.“

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