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Stadt Hannover Warum sich Tausende Zeugen Jehovas in der TUI-Arena treffen
Aus der Region Stadt Hannover Warum sich Tausende Zeugen Jehovas in der TUI-Arena treffen
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13:40 12.07.2019
„Pampig werden die wenigsten“: Joris Garbe (r.) und Marco Ring werben an Haustüren für die Zeugen Jehovas – und lassen sich in der TUI-Arena taufen. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Über die Riesenleinwand flimmern Bilder biblischer Szenen in Pastelltönen. Videos zeigen Menschen aus allen Erdteilen, die von ihrer Liebe zu Jehova schwärmen. Und Redner warnen eindringlich davor, sich vor den Götzen unserer Zeit zu verneigen. Zuletzt hat Udo Lindenberg die TUI-Arena gefüllt – den Zeugen Jehovas gelingt dieses Kunststück gleich an drei Tagen hintereinander.

Rund 8000 Menschen aus halb Norddeutschland sind am Freitag zum Sommerkongress der Glaubensgemeinschaft gekommen. Unter dem verheißungsvollen Motto „Die Liebe versagt nie!“ stehen bis zum Sonntag Vorträge, Filme und Lieder auf dem Programm. Wie ein Leitmotiv liegt das nahende Weltenende über der Veranstaltung – und zugleich ein Hauch von technischer Moderne. Die meisten hier haben iPads auf dem Schoß, während der Vorträge springen sie in der Bibel-App von 1 Timotheus 4,12 zu 2 Korinther 12,9. Die Digitalisierung der Spiritualität ist bei Jehovas Zeugen weit fortgeschritten.

„Querschnitt der Gesellschaft“

Teenager sind hier und viele Familien mit Kindern; der Altersschnitt liegt unter dem der meisten klassischer Kirchengemeinden. „Wir sind ein Querschnitt der Gesellschaft – zu uns gehören Menschen jeder Schicht und Herkunft“, sagt Ruben Gräf, der Sprecher der Glaubensgemeinschaft.

Einer der Besucher ist Joris Garbe. Der 16-Jährige spielt Handball und hat eine Playstation – und er war schon im Kinderwagen dabei, als seine Mutter von Haus zu Haus zog, um für ihren Glauben zu werben. Täglich liest er heute in der Bibel und betet. Der Seesener, der im August eine Ausbildung zum Elektroniker beginnt, wird am Sonnabend mit ein paar Dutzend weiteren Menschen getauft, durch untertauchen in einem großen Becken, vor Tausenden Zuschauern. „Ich möchte mein Leben Jehova geben, dass er es lenkt“, sagt er.

Die großen christlichen Kirchen halten Abstand zu den Zeugen Jehovas. Hannovers evangelischer Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann sieht bei ihnen eine verhängnisvolle Einteilung der Welt in schwarz und weiß und vermisst die befreiende Botschaft: „Wir glauben, das Christus uns erlöst hat“, sagt Heinemann, „von allem, was Menschen Angst macht, distanzieren wir uns.“ Kritiker werfen Jehovas Zeugen vor, kaum Raum für Zweifel zu lassen. Für andere ist gerade die Eindeutigkeit ihres Weltbildes attraktiv.

Marco Ring wurde katholisch erzogen. Dann lernte der 26-Jährige seine heutige Frau kennen, die aus einer Zeugen-Jehovas-Familie stammt. Auf Fragen wie die, was nach dem Tod kommt, hatten sie klare Antworten. „Es ist schön, die Hoffnung auf ein ewiges Leben hier auf der Erde zu haben“, sagt der Rethener. An diesem Wochenende lässt sich der Vater einer kleinen Tochter, der gerne Fußball spielt und im Fitnessstudio trainiert, in der TUI-Arena taufen. Seit einiger Zeit schon geht er „predigen“, wie Zeugen Jehovas ihre Missionstätigkeit nennen. „Erst hat es Überwindung gekostet, aber nach der ersten Haustür ging es“, sagt er. Auf radikale Ablehnung sei er bislang nicht gestoßen: „Viele Leute haben kein Interesse“, sagt er, „aber pampig werden die wenigsten.“

Das glauben die Zeugen Jehovas

Das glauben die Zeugen JehovasDie Zeugen Jehovas, die nach eigenen Angaben weltweit mehr als 8 Millionen Gläubige zählen (in Deutschland rund 166 000), verstehen sich als christliche Glaubensgemeinschaft. Allerdings weichen Glaubenslehre und ihr Bild von Gott („Jehova“) teils massiv von den Vorstellungen der großen Kirchen ab. Um 1881 begründete der Prediger Charles Taze Russel die Zeugen Jehovas in den USA. Im ihrem Glaubenskosmos spielt die angeblich nahe Endzeit eine wichtige Rolle. Sie glauben, dass nach einer Entscheidungsschlacht (Harmageddon) eine begrenzte Zahl von 144 000 besonders treuen Gläubigen in den Himmel kommen. Die meisten guten Menschen soll ein ewiges Leben auf der Erde erwarten. Die Bibel wird von Zeugen Jehovas, die aktiv an Haustüren missionieren, oft wortwörtlich verstanden. Sie lehnen die Evolutionstheorie und oft auch Bluttransfusionen ab, weil es in der biblischen Apostelgeschichte heißt, Gläubige sollten sich „von Blut enthalten“. Kritiker bemängeln autoritäre Führungsstrukturen und restriktiven Umgang mit ehemaligen Mitgliedern. In der NS-Zeit lehnten viele Zeugen Jehovas den Kriegsdienst konsequent ab und wurden in KZs ermordet. be

Von Simon Benne

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