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Stadt Hannover Kaum Weihnachtliches beim Himmlischen Vergnügen
Aus der Region Stadt Hannover Kaum Weihnachtliches beim Himmlischen Vergnügen
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00:16 19.12.2018
Die drei „warmen Brüder“ im Hintergrund bilden eine stimmungsvolle Kulisse für den Weihnachtsmarkt auf dem Küchengartenplatz. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

 „Himmlisches Vergnügen“ – unter diesem Motto will der Weihnachtsmarkt am Küchengarten, der seit Freitag für neun Tage geöffnet hat, Besucher anlocken. Doch wenn das der Himmel auf Erden ist, sind die Aussichten aufs Jenseits eher düster. Lieblos gestaltet kommt ein Großteil der 20 Buden und Zelte daher, das Angebot an schönem Kunsthandwerk ist überschaubar, und so manchen Verkaufswagen würde man eher auf einem Wochenmarkt verorten als auf einem Platz mit Festtagsanspruch.

Die größten Attraktionen des himmlischen Vergnügens finden sich an den beiden Enden des Platzes. Da thronen die drei „warmen Brüder“ im Original, majestätisch, herausragend, bei Dunkelheit geheimnisvoll schimmernd in Violett, Tiefrot und Silber. Und dann ist da das Zelt, in dem der Davenstedter Burkhardt Rump seine Kalender und Poster vertreibt, die von einer tiefen Zuneigung zum Lindener Heizkraftwerk zeugen.

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Überhaupt finden sich im TAK-seitigen Teil des Marktes die meisten Attraktionen mit Lokalkolorit. Dort präsentiert Anne Gerdes Schneekugeln, Postkarten und Magnete mit historischen Motiven aus Linden und Hannover. Nebenan kann man Handytaschen, Armbänder und schmal taillierte Westen erwerben, die aus hiesigen Feuerwehrschläuchen gefertigt wurden, Hannover-Socken gibt’s zwei Meter weiter, und an einer kleinen Butze steht geschrieben: Linden backt. Richtiggehend gemütlich wirkt das Wohlfühlparadies, in dem Seifen, Cremes und Kerzen aufgereiht sind, und das benachbarte Zelt mit Siebdruck-Allerlei versprüht den Charme des Alternativen.

Mit der Gastronomie jedoch ist das so eine Sache am Küchengarten. Würstchen gibt es an etlichen Ständen – für die Fleischlos-Fraktion aus Linden nicht unbedingt das Adäquate –, und auch Pizza und Pommes stehen auf der Allerwelts-Speisekarte. Mehr nach Multi-Kulti schmecken dann schon Piroggen, vegane Crepes mit Met oder der Chai Tee mit Sojamilch. Doch einen Stand mit Schmalzkuchen und gebrannten Mandeln sucht man vergeblich am Rande des Ihme-Zentrums – auf diesen Hauch der Kindheit müssen die Besucher verzichten.

Budenzauber ist Mangelware

Das Unterhaltungsangebot für diejenigen, die 2018 zum Nachwuchs zählen, ist ebenfalls mager. Ein Miniaturkarussell für die ganz Kleinen und eine Zehn-Meter-Plastikrutsche, die als unbeleuchteter Tunnel im Dunklen auch noch zum Fürchten ausschaut – das ist das ganze Angebot für Kinder. Von der versprochenen Live-Musik ist nichts zu hören an diesem Sonnabendnachmittag, nur aus dem silbrig glänzenden Pizzawaggon dröhnt Popmusik. Budenzauber ist hier Mangelware.

Manche Stände sind überhaupt nicht weihnachtlich geschmückt, andere – wie die Wagen mit Wurstwaren und Ledersachen – lediglich mit einer Alibi-Girlande oder einem einsamen Lichterschlauch verziert. Auf der Bude, in der ein Tannenbaumverkäufer auf Kundschaft wartet, steht in großen Buchstaben geschrieben: Frischer Spargel. Man ist geneigt, ein Kilo zu verlangen.

Klönen geht immer

Eins aber geht immer in Lindens Mitte: klönen. Und so sitzen und stehen denn etliche Weihnachtsmarktbesucher in den behutsam beheizten Zelten, halten ein Glas in der Hand und ein ausgiebiges Schwätzchen mit Freunden und Bekannten. Gut möglich, dass sich bei ihnen die weihnachtliche Stimmung einstellt, die sich draußen eher rar macht.

Das Himmlische Vergnügen hat von Montag bis Donnerstag jeweils von 17 bis 21 Uhr geöffnet, freitags bis sonntags von 15 bis 21 Uhr. Letztmalig besuchen kann man den Weihnachtsmarkt auf dem Küchengartenplatz am 23. Dezember.

Von Michael Zgoll

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