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Stadt Hannover Wie Senioren für das Ehrenamt pauken
Aus der Region Stadt Hannover Wie Senioren für das Ehrenamt pauken
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10:58 28.12.2013
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Seit zwei Jahren ist sie die Vorsitzende des Seniorenbeirats der Stadt Hannover – und seit vier Jahren studiert Monika Stadtmüller an der Leibniz-Uni. Die fast 70-Jährige hat sich für ein sogenanntes Zertifikatsstudium in Kulturwissenschaften eingeschrieben. Mit vielfältigen Inhalten: Im Hauptfach belegt sie Politik mit dem Schwerpunkt europäische Gesundheitspolitik, und im Nebenfach Geschichte. „Ich mache das zum Spaß“, sagt die Seniorin. Es sei spannend, sich mit etwas zu beschäftigen, für das sie früher keine Zeit gehabt habe. Darüber hinaus habe das Studium einen entscheidenden Vorteil: „Das Fachwissen brauche ich für meine Arbeit im Seniorenbeirat.“

Für Monika Stadtmüller, die über Jahre die Altenhilfe der Henriettenstiftung leitete, ist es schon das dritte Studium in ihrer Biografie und akademischen Laufbahn. Allerdings unterscheidet sich das Zertifikatsstudium von einem üblichen Uni-Studiengang. Das Angebot ist speziell auf Senioren zugeschnitten, die nach dem Berufsleben noch eine ehrenamtliche Aufgabe übernehmen möchten. Zur Vorbereitung auf diese Tätigkeit bietet die Leibniz-Uni wie zehn andere deutsche Universitäten das Zertifikatsstudium an: Neben Fachwissen bekommen die betagteren Studenten soziale Kompetenzen vermittelt. Für Stadtmüller ist das eine optimale Kombination. Über das Studium baut sie Kontakte zu anderen Älteren auf, findet heraus, was ihnen wichtig ist. „Man lernt, sich mit verschiedenen Menschen auseinanderzusetzen“, sagt die Seniorstudentin. Eine Fähigkeit, die ihr bei der Arbeit im Seniorenbeirat zugute kommt.

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Das Zertifikatsstudium ist für Menschen ab 50 Jahren nur eine Möglichkeit, an die Universität zu gehen – auch ohne Abitur. „Es ist ein Mittelding aus Gasthörer- und Vollzeitstudium“, erklärt Jochen Schneider vom Akademischen Verein der Senioren Deutschlands (AVDS). Bundesweit gibt es rund 55 000 Seniorenstudenten, die die verschiedenen Studienangebote wahrnehmen. Im Status eines Gasthörers zum Beispiel können die Älteren zusammen mit den jüngeren, regulär immatrikulierten Studenten Veranstaltungen aus dem aktuellen Lehrplan des jeweiligen Semesters belegen, ohne eine Prüfung ablegen zu müssen. Die Seminare des Zertifikatsstudiums dagegen bauen aufeinander auf, die Seniorstudenten müssen Prüfungen schreiben oder Vorträge halten. Um das Zertifikat zu erhalten, schreiben sie auch eine abgespeckte Bachelorarbeit. Der Nutzen des Abschlusses ist jedoch nicht genau definiert. „Man kann das Zertifikat in ehrenamtlichen, nebenberuflichen oder politischen Bereichen gebrauchen“, sagt Schneider. Aufbau und Kosten für das Studium sind von Uni zu Uni verschieden. Das Zertifikatsstudium von Monika Stadtmüller dauert mindestens fünf Semester, pro Semester zahlt sie 120 Euro Studiengebühren.

Eines der ersten Angebote für ältere Studenten ist das Berliner Ausbildungsmodell für nachberufliche Aktivitäten (BANA) an der TU Berlin, das es seit 1985 gibt. „Es geht um die generelle Förderung von bürgerschaftlichem Engagement“, erklärt Elke Beyer, Leiterin des BANA-Studiengangs. Die meisten Studenten seien bereits in Vereinen und Projekten aktiv und wollten ihr Wissen vertiefen. Aber nicht für jedes Ehrenamt ist Fachwissen oder gar ein Seniorenstudium nötig.

Für viele Senioren sei die Vorbereitung auf ein Ehrenamt kein Argument, um zu studieren, hat Stadtmüller beobachtet. Sie schätzt, dass nur zehn Prozent ihrer Kommilitonen mit Blick auf eine ehrenamtliche Tätigkeit die Vorlesungen besuchen. Für ein Seniorenstudium gebe es meist andere Gründe: Viele Senioren hätten früher keine Chance gehabt zu studieren – „das wollen sie nachholen“. Andere suchten Geselligkeit und wollten Gleichgesinnte treffen. Jochen Schneider vom AVDS hat eine weitere Gruppe ausgemacht: „Die interessiert sich ganz einfach für ein bestimmtes Thema.“ Ein höherer akademischer Abschluss sei bei den Seniorenstudenten eher selten.

Elke Beyer sieht durchaus Bedarf für das Zertifikatsstudium. Angesichts des demografischen Wandels müssten sich die Unis weiter für Senioren öffnen und Bildungsbarrieren überwinden. Monika Stadtmüller wiederum wünscht sich, dass künftig noch mehr Senioren ein Zertifikatsstudium ganz konkret mit Blick auf ein Ehrenamt anstreben: „Es ist einfach eine gesunde Mischung aus Sozialkompetenz und Fachwissen.“ Das Ehrenamt brauche beides.

Von Annabell Brockhues

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