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Stadt Hannover Wie ein Absturz sein Leben prägte
Aus der Region Stadt Hannover Wie ein Absturz sein Leben prägte
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17:40 30.07.2019
 Uli Hoeneß, in seinem Krankenhausbett im Nordstadt-Krankenhaus in Hannover, aufgenommen am 20.02.1982. Quelle: dpa (Archiv)
Hannover

Es gibt verschiedene Theorien darüber, wer oder was in jener Februarnacht 1982 in Garbsen-Heitlingen geboren wurde, während drei andere starben. Die Hybris des Uli Hoeneß vielleicht, der Glaube an die eigene Allmacht? So sahen es zumindest viele Kommentatoren nach dem Steuerurteil gegen den Bayern-Manager. Oder war es doch der Gutmensch Hoeneß, der St.-Pauli-Retter und Gerd-Müller-Unterstützer? So sah es Uli Hoeneß selbst, jedenfalls eine Zeit lang.

Was macht es mit einem Menschen, wenn er als Einziger lebend aus einem abgestürzten Kleinflugzeug entkommt, in einer nassen, kalten Februarnacht? „Ich habe überlebt. Gestorben ist der andere in mir, der vor allem ans Geschäft und ans Geld dachte“, hat Hoeneß auf die Frage mal geantwortet. Und ein paar Jahre später: „Ein anderer Mensch? Andere Werte? Ja, am Anfang. Doch man wird schnell wieder zum alten Hektiker.“ Wenn schon Uli Hoeneß selbst nicht sicher ist, was damals im Wedemärker Morast mit ihm geschah, dann ist die Stunde der Küchenpsychologen gekommen. Wie alles passierte, hat Uli Hoeneß nie detailliert erzählt. Er rede nicht gerne über den Absturz, sagte er mal, und er erinnere sich an kaum etwas. Das stimmt vermutlich auch.

Andere berichten später also, dass das Wetter schlecht ist am Abend jenes 17. Februar 1982. Im Niedersachsenstadion steht das Länderspiel zwischen Deutschland und Portugal an, Uli Hoeneß will es gemeinsam mit Bekannten besuchen, um seine Freunde Paul Breitner und Karl-Heinz Rummenigge spielen zu sehen. Hoeneß selbst spielt zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Mit 27 Jahren hat eine Verletzung seine aktive Karriere beendet, jetzt ist der 30-Jährige Manager des FC Bayern. Mit an Bord ist Helmut Simmler, Direktor eines Münchener Verlages, gesteuert wird die Piper-Seneca vom früheren Skirennläufer Wolfgang Junginger und Ko-Piloten Thomas Kupfer, einem Studenten aus München.

Gegen 19.45 Uhr meldet Junginger dem Tower in Langenhagen erstmals Probleme. Bis heute ist ungeklärt, was genau diese Probleme verursacht. Falsches Benzin-Luft-Gemisch? Zu wenig Sprit? Oder ist es am Ende einfach ein Pilotenfehler? Es wird sich nicht mehr klären lassen.
Über Garbsen-Osterwald verliert Junginger die Kontrolle über sein Flugzeug. Die Piper-Seneca schlingert, verliert rasch an Höhe. Der Tower reagiert schnell, rät dem Piloten, trotz des begonnenen Landeanflugs wieder an Höhe zu gewinnen, Richtung Norden abzudrehen und weiter zu steigen. Dann reißt der Kontakt ab.

Förster Karl-Heinz Deppe sitzt etwas später an jenem Abend vor seinem Fernseher und schaut das Länderspiel. Deppe  überwacht zu dieser Zeit ein kleines Revier im Heitlinger Moor, und weil das Spiel ihm irgendwann zu langweilig wird, schaltet er um kurz vor neun Uhr ab und bricht zu einer Kontrollfahrt auf. Unterwegs bekommt er mit, dass eine Suchaktion läuft, und eine Viertelstunde später sieht er etwas aus einem Gebüsch auf sich zukriechen. Kein Tier, wie er zuerst meint, sondern einen Menschen. Blutüberströmt und mit zerrissenen Kleidern, offenkundig unter Schock. „Er sah fürchterlich aus, redete völlig unzusammenhängende Worte und stöhnte nur: ,Ich friere‘“, berichtet Deppe später.

Deppe zieht Hoeneß in seinen Wagen, um ihn ins Krankenhaus zu fahren. Doch der Geländewagen bleibt im Morast stecken. Also läuft der Förster ins nächste Dorf und ruft von einer Telefonzelle aus den Rettungsdienst an.

HAZ-Reporter Friedrich Bernstorf hat schon Feierabend, als kurz nach 20 Uhr sein Telefon klingelt. Bernstorf ist nicht nur Redakteur für die Wedemark, sondern auch in der Wedemärker Katastrophenschutzeinheit aktiv. Am Telefon ist sein Zugführer Eduard Heinrich, der weiß, womit Bernstorf sein Geld verdient. Er rät dem Reporter, sich an eine Gruppe Berenbosteler Feuerwehrleute zu hängen.

Lange suchen muss die Gruppe nicht. Jäger Deppe kommt ihnen entgegengelaufen und bringt sie zu seinem Wagen, in dem Hoeneß sitzt. „Ich bin nur kurz am Wagen vorbeigegangen und habe ihn da sitzen sehen, in Wolldecken eingehüllt“, erzählt Bernstorf. „Der Anblick hat mich erschreckt, ich habe kein Foto machen können – würde ich heute auch nicht tun.“

Der Suchtrupp zieht weiter, und auf einer matschigen Wiese zwischen einer Reihe Pappeln und der Auter liegt die zerbrochene Piper-Seneca. Beim Absturz hat die Maschine die Wipfel einiger Eichen abgeschlagen, dann einen Weidezaun durchbrochen, nun steckt sie völlig zerstört in der nassen Wiese. Flackernde Handscheinwerfer werfen nur fahles Licht auf das Wrack, und jetzt greift Bernstorf zu seiner Revue Flex. „Ich habe fotografiert, ohne zu sehen, was ich fotografiere“, sagt er. „Das ganze Ausmaß habe ich erst später auf den Abzügen erkannt. Man konnte sehen, wer wo gesessen hatte, man sah Körperteile.“ Junginger, Simmler und Kupfer klemmen tot in ihren Sitzen.

Experten kommen später zu dem Schluss, Hoeneß’ Sitzplatz hinten rechts im Flugzeug habe ihm das Leben gerettet – und die Tatsache, dass er nicht angeschnallt war. Hoeneß wird aus dem Flugzeug geschleudert, zieht sich lediglich Knochenbrüche an Arm und Knöchel sowie eine Gehirnerschütterung zu. „Er hat es vermutlich seiner sportlichen Konstitution zu verdanken gehabt, dass er die Verletzungen, die Nässe und Kälte überstanden hat“, sagt Bernstorf. „Er hat später noch lange engen Kontakt zu Förster Deppe gehalten“, erinnert sich dpa-Fotograf Wolfgang Weihs. „Und um Hannover hat er meiner Erinnerung nach lange einen Bogen gemacht.“

Die Unfallstelle ist noch nicht abgesperrt, Bernstorf kann ungehindert Bilder machen. Als die Kollegen anderer Medien eintreffen, geht das nicht mehr. Daher sind Bernstorfs Bilder vom Flugzeugabsturz des Uli Hoeneß’ noch heute Raritäten. „Wir Fotografen im Stadion haben erst nach dem Spiel davon erfahren und schnell Kollegen hingeschickt“, erinnert sich der ehemalige dpa-Fotochef Weihs. „Als ich nach Hannover fuhr, kamen mir die Kollegen auf der Landstraße entgegen“, sagt Bernstorf. „Das war unser Vorsprung.“

Durchgefroren und mit seinem Schwarz-Weiß-Film in der Kamera fährt Bernstorf ins Verlagshaus nach Kirchrode. Dort hat er zwischendurch angerufen und den Kollegen die wichtigsten Informationen durchgegeben, und als er nun kommt, ist die Geschichte schon geschrieben. Lokalchef Wolfgang Steinweg hat die Rotation anhalten lassen, in Windeseile entwickelt man die spektakulären Bilder. Hoeneß ist unterdessen auf dem Weg ins Nordstadtkrankenhaus.

Als Breitner und Rummenigge nach Spielschluss im Niedersachsenstadion von dem Unglück erfahren, lassen sie sich noch im Trainingsanzug ins Krankenhaus bringen. Stundenlang sitzen sie im Warteraum. Breitner, so jedenfalls wird es später geschrieben, sitzt in sich versunken da und raucht. Rummenigge weint. Als die beruhigende Kunde kommt, dass Hoeneß überleben wird, setzt sich Breitner dennoch die ganze Nacht ans Bett seines Freundes und wacht. „Diese Erlebnisse haben uns zusammengeschweißt“, wird Hoeneß später sagen.

Als Hoeneß am nächsten Morgen erwacht, fragt er Freund Breitner: „Wie ist das Länderspiel ausgegangen?“

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