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Stadt Hannover Wie gut ist Hannovers Gründerszene?
Aus der Region Stadt Hannover Wie gut ist Hannovers Gründerszene?
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00:18 17.05.2019
Einst erfolgreicher Gründer, jetzt Chef eines Marktführers: Connox-Geschäftsführer Thilo Haas aus Hannover. Quelle: Kevin Muenkel
Hannover

Thilo Haas hat es geschafft. 2005 hat der damals 30-jährige Hannoveraner mit einem Kompagnon einen Onlinehandel für ausgezeichnete Qualitätsmöbel gegründet. Inzwischen gilt seine Firma Connox als deutschlandweit führend in diesem Segment, beschäftigt 125 Mitarbeiter und macht 30 Millionen Euro Jahresumsatz – Tendenz steigend. Startup-Förderungen aber waren 2005 Mangelware. „Davon gab es praktisch nichts“, sagt Haas.

In Hannover gute Infrastruktur für Gründer, aber zu wenig Kapital

Das hat sich geändert. In fast jeder größeren Stadt und vielen Landstrichen existieren heute gut aufgestellte Institutionen für Gründer mit viel Personal und Netzwerken. Trotzdem schneidet Deutschland im neuesten internationalen Gründerbericht (GEM) wie gewohnt eher mäßig ab. In zahlreichen Ländern von den USA über Skandinavien bis Asien trauen sich mehr Menschen die Selbstständigkeit zu, Deutschland liegt nur im Mittelfeld. Erstmals ist jetzt zusätzlich der Versuch unternommen worden, auch das regionale Gründungsklima zu untersuchen, als Pilotprojekt zur GEM-Studie organisiert von der hannoverschen Leibniz-Universität.

Gut besucht: Dutzende Gründungsinteressierte lauschen den Vorträgen im Transformationswerk an der Vahrenwalder Straße. Quelle: Foto: Katrin Kutter

Drei Regionen wurden zunächst untersucht, außer Hannover auch Madrid und Katalonien. Hannover schneidet tendenziell schlechter ab als die spanischen Vergleichsorte, kommt insgesamt aber auf einen leicht überdurchschnittlichen Score von 5,26 von 10 Punkten. Die Infrastruktur zur Unterstützung von Startups sei in Hannover überdurchschnittlich gut, sagt Uni-Doktorand Johannes von Bloh. Aber die Angebote würden zu schlecht angenommen, es fehle überdies im Gegensatz zu Gründermetropolen wie Berlin schlicht an Kapitalgebern, und immer wieder werde zu viel Bürokratie angemahnt.

Überdurchschnittlich gute Infrastruktur für Gründer in Hannover – aber die Angebote werden zu wenig angenommen: Doktorand Johannes von Bloh von der Leibniz-Uni stellt die Studie im Transformationswerk vor. Quelle: Foto: Katrin Kutter

Das kann Connox-Gründer Haas bestätigen. Er habe vor sechs Wochen eine Tochterfirma gegründet, „aber auf die Eintragung warte ich noch heute“. Vieles dauere zu lange und sei schwerfällig in einem Markt, in dem doch eigentlich alles schnell gehen muss. Inzwischen engagiert sich Haas aber als Mentor selbst und coacht junge Gründer etwa in der Venture-Villa.

Studie zeigt Erfolgsbilanz von Hannoverimpuls

Das Inkubationszentrum für Wagnisunternehmen ist eine Erfindung von Hannoverimpuls, der Wirtschaftsfördergesellschaft der 21 Regionskommunen, gegründet 2003 zu Unterstützung innovativer Unternehmen. Die hat ihre Wirkung jüngst untersuchen lassen und kommt zu einem positiven Ergebnis. 71 Prozent der seit 2015 beratenen Neugründungen seien noch am Markt, durchschnittlich beschäftigten sie inzwischen fünf Mitarbeiter und setzten fast 800.000 Euro im Jahr um. Und 15 Unternehmen, die 2015 und 2016 Fördergeld erhalten haben, hätten seitdem insgesamt 63 weitere Mitarbeiter eingestellt, den Umsatz um durchschnittlich 29 Prozent steigern können und 9,1 Millionen weitere Investitionen getätigt.

Neuer Chef für Wirtschaftsfördergesellschaft nötig

An der Spitze von Hannoverimpuls allerdings gab es zuletzt viel Kritik. Der Chef, Adolf Kopp, ist derzeit krankgeschrieben, sein Job soll nach Jahresende nicht verlängert und noch 2019 ein neuer Chef gesucht werden. Zunächst führen die Wirtschaftsdezernenten von Stadt und Region, Sabine Tegtmeyer-Dette und Ulf-Birger Franz, nebenberuflich und ehrenamtlich die Geschäfte. Kaum noch sichtbar sei Hannoverimpuls zuletzt in der Öffentlichkeit gewesen und habe in den sogenannten Clustern kaum Erfolge vorweisen können, heißt es in der Politik. Die Schwerpunktthemen lauteten etwa Gesundheitswirtschaft oder Automobilität, sie waren von den Gesellschaftern vorgegeben worden.

Gutes Klima für Gründer ist wichtiger als verordnete Schwerpunkte

Bei einem Hannoverimpuls-Forum zur Zukunft der Gründerszene schälte sich jetzt allerdings heraus, dass dieses Clusterdenken ohnehin der Vergangenheit angehören dürfte. Dort sagte etwa Prof. Rolf Sternberg von der Leibniz-Universität, wichtiger als das künstliche Verordnen von Schwerpunktthemen sei es, ein Klima zu schaffen, das Gründen hip sein lässt – wie es in der Nachkriegszeit in Baden-Württemberg selbstverständlich war und jetzt gerade in Berlin zu erleben ist.

Hannover hat mit seiner finanziell überdurchschnittlich gut ausgestatteten Wirtschaftsfördergesellschaft Hannoverimpuls, mit der Venture-Villa, eingespielten Gründungsberatungen an den Hochschulen und der auf private Initiative gegründeten Innovationsschmiede Hafven bereits viel zu bieten, um für Gründer attraktiv zu sein. Sternberg sagt, dass derartige Netzwerke ausschlaggebend seien für ein ein funktionierendes Gründer-Ökosystem. Dass ein erfolgreicher Jungunternehmer wie Connox-Chef Haas als Mentor für Startups auftrete, sei der richtige Weg. Wichtig sei aber auch, dass etablierte Unternehmer in einer Region den Kontakt zu innovativen Neugründungen suchten. Davon könnten sowohl die Startups profitieren wie auch die großen Player am Markt.

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Von Conrad von Meding

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