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Stadt Hannover Wirbel um Radweg durch Hannovers City
Aus der Region Stadt Hannover Wirbel um Radweg durch Hannovers City
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00:15 20.01.2013
Dieser Mann darf mit dem Fahrrad über den Kröpcke fahren, weil er vor 11 Uhr unterwegs ist. Später müsste er dort schieben. Quelle: Akbaba
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Hannover

Die Forderung der rot-grünen Ratsmehrheit, Möglichkeiten für einen Radweg quer durch die City auszuloten, hat in Hannover widersprüchliche Reaktionen hervorgerufen. „Wir halten das für höchst bedenklich. Der Raum am Kröpcke ist so eng, dass dort Konflikte zwischen Radlern und Fußgängern unausweichlich sind“, sagt Thomas Buchheit, Verkehrsdezernent der Polizeidirektion Hannover, der nach eigenen Angaben aus der HAZ von dem Vorstoß erfahren hat. Ähnlich äußern sich Wirtschaftsverbände und der Einzelhandel. Zustimmung dagegen kommt vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC). „Es gibt seit Jahren den Wunsch nach einer Innenstadtquerung. Eine Route über den Kröpcke ist praktikabel, wenn Fußgänger und Fahrradfahrer aufeinander Rücksicht nehmen“, sagt Fachreferent Harald Hogrefe.

Die vorgeschlagene Strecke soll vom Schillerdenkmal über die Georgstraße und den Kröpcke zum Opernplatz führen. Bisher ist sie nur zwischen 19 und 11 Uhr für den Radverkehr freigegeben. SPD und Grüne wollen nun eine 24-Stunden-Regelung, womit sie Vorschläge aus dem Schüler-Politikplanspiel „Pimp Your Town“ aufgreifen.

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Im Leitbild, mit dem die Stadtverwaltung vor knapp drei Jahren ihre Ziele für die Entwicklung des Radverkehrs bis zum Jahr 2025 formuliert hat, heißt es schlagwortartig: „Durchquerung der Innenstadt erleichtern“. Wie das geschehen soll, ist nicht ausgeführt. Vermerkt wird lediglich, dass die Führung des Radverkehrs in der Fußgängerzone einer Regelung bedürfe. Die Stadt wird nach Angaben von Sprecher Dennis Dix die Kröpcke-Route gemäß eines Auftrags aus dem Bauausschuss prüfen. Im übrigen gebe es einen attraktiven Ring für Fahrradfahrer um die Fußgängerzone.

„Die Strecke zum Opernplatz tagsüber freizugeben, ist Nonsens“, sagt Martin Prenzler, Geschäftsführer der City-Gemeinschaft der Kaufleute. Schon jetzt laufe das Miteinander von Radlern und Fußgängern auf der Georgstraße zwischen Schillerdenkmal und Goseriede nicht konfliktfrei ab. „Da kommt es immer wieder zu brenzligen Situationen“, meint Prenzler. Die Polizeidirektion hat dort nach Angaben von Dezernent Buchheit allerdings in den vergangenen zwei Jahren nur einen Unfall registriert, als ein betrunkener Radler stürzte.

Prenzler hält die Verhältnisse am Kröpcke für zu eng, um dort Radverkehr zuzulassen. Außerdem verweist er darauf, dass der Kröpcke kürzlich für viel Geld neu gepflastert worden ist. Dort jetzt eine Radspur abzutrennen, mache gestalterisch wenig Sinn. „Eine Fußgängerzone soll zum Verweilen einladen und nicht zum Durchfahren“, sagt Prenzler.

Auch aus der Industrie- und Handelskammer kommt Kritik. Zwar räumt der stellvertretende Geschäftsführer Christian Bebek ein, dass eine City-Durchfahrt für Radler wünschenswert wäre. „Aber das funktioniert nicht, denn der Platz ist einfach nicht vorhanden“, sagt Bebek. Schon jetzt gebe es für Fußgänger sonnabends kaum ein Durchkommen. Er könne sich lediglich vorstellen, die Zeiten für die nächtliche Fahrt auf der Georgstraße auszudehnen, aber auch hier sei der Spielraum eng.

Der Seniorenbeirat der Stadt sieht Gefahren für ältere Menschen. „Radler fahren oft rücksichtslos, und Senioren können oft nicht mehr so schnell reagieren“, meint Rosemarie Hochhut vom Seniorenbeirat. In der Tat haben Polizei und ADFC bei einer großangelegten Verwarnaktion an einem Oktobertag innerhalb weniger Stunden 300 Verstöße registriert. Die betroffenen Radler sahen dafür symbolisch die gelbe Karte.

Die Grafik zeigt das Radfahrnetz: Die roten Strecken sind die Hauptrouten in Richtung Innenstadt, die blauen Strecken der innere und der äußere Cityring. Die Fußgängerzone in der Mitte ist ein weißer Fleck – es sei denn, die gestrichelte Strecke würde freigegeben.

Andreas Schinkel und Bernd Haase

Mathias Klein 17.01.2013
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