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Stadt Hannover Dringend gesucht: Zimmer für internationale Studenten
Aus der Region Stadt Hannover Dringend gesucht: Zimmer für internationale Studenten
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10:19 19.09.2019
Niemand soll im Regen stehen: Studentenwerksgeschäftsführer Eberhard Hoffmann (von links), Student Hafiz Khan, Bürgermeister Thomas Hermann und Birte Wiedenroth vom Studentenwerk. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Hafiz Khan ist in einer echten Männer-WG zu Hause. Sechs Ingenieurstudenten leben in der Wohnung in Anderten, in die der 26-Jährige vor fast einem Jahr eingezogen ist. Bis es so weit war, musste der angehende Akademiker aus Pakistan lange warten. „Ich habe ein Semester verloren, weil ich mich durch die Wohnungssuche nicht richtig auf das Studium konzentrieren konnte“, berichtet Khan, der sich sieben Monate lang bei einem Freund einquartiert hatte, mit dem er sich ein Zimmer teilte.

Dass er letztlich ein Domizil gefunden hat, mit dem er hochzufrieden sind, verdankt er der Wohnraumkampagne „Lasst uns nicht im Regen stehen“ der Initiative Wissenschaft und des Studentenwerks Hannover. Durch die gezielte Vermittlung an eine private Vermieterin kann der Masterstudent aus Asien nun in angenehmer Atmosphäre für sein Studium lernen – und es gibt sogar einen Garten hinter dem Haus.

7500 ausländische Studenten in Hannover

Auch viele internationale Studenten, die im Oktober an einer hannoverschen Hochschule ins Studium starten, sind derzeit auf der Suche nach passendem und bezahlbarem Wohnraum. Eberhard Hoffmann, Geschäftsführer des Studentenwerks, geht davon aus, dass unter den stadtweit erwarteten rund 7200 Studienanfängern etwa 1500 ausländische Studierende sein werden. Ihnen falle es besonders schwer, eine geeignete Wohnung zu finden. „Sie begegnen immer noch Vorurteilen, haben kaum Kontakte in Hannover und wenig Zeit für die Zimmersuche kurz vor Studienbeginn.“ Mehr als die Hälfte berichte von sehr großen Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche, vor allem auf dem privaten Markt, sagt Hoffmann. Insgesamt kommen rund 7500 der 47.700 Studierenden an Hannovers Hochschulen aus dem Ausland.

Viele von ihnen leben in den Wohnheimen des Studentenwerks – aktuell sind es rund 60 Prozent der dortigen Mieter. Doch es gibt viel zu wenig Plätze. Die Unterbringungsquote (sie setzt die Zahl aller Studenten in einer Stadt in ein Verhältnis zu der Zahl der geförderten Wohnheimplätze), liegt in Hannover bei nur 5,9 Prozent – im bundesweiten Vergleich sind es 9,6 Prozent.

Um die Probleme anzugehen und mehr private Alternativen anbieten zu können, wurde 2016 die Wohnraumkampagne ins Leben gerufen, an der sich neben dem Studentenwerk und den Hochschulen auch die Stadt und der Verein Haus & Grundeigentum beteiligen. „Wir werben bei unseren Mitgliedern gezielt dafür, an internationale Studierende zu vermieten“, sagt der Vorsitzende Rainer Beckmann. Dabei habe sich herausgestellt, dass häufig gerade ältere Wohnungsbesitzer, deren Kinder aus dem Haus sind, Interesse an einem studentischen Untermieter hätten.

Studentenwerk vermittelt Kontakte

Um zwischen Studenten und Vermietern zu vermitteln, hat das Studentenwerk eine Mitarbeiterin eingestellt, die sozusagen als Maklerin auftritt – für beide Seiten kostenfrei. Birte Wiedenroth nimmt die eingehenden Wohnungsangebote auf, sucht nach passenden Bewerbern und stellt Kontakte her. Die Fachfrau berichtet etwa von einer „sehr schüchternen Medizinstudentin“, die bei einer älteren Dame eingezogen sei und sich nun ausgezeichnet mit dieser verstehe. Oder von einem Hausbesitzer, der als Musikliebhaber gezielt musikalische studentische Mitbewohner sucht. Manche Vermieter melden sich jedes Jahr wieder, um zum Beispiel Programmstudenten aufzunehmen.

2016 Studenten auf der Warteliste

Zum Semesterstart im Oktober wird es in den Wohnheimen des Studentenwerks wieder eng: 2016 Namen stehen derzeit auf der Warteliste, Tendenz steigend. „Wir sind auch in diesem Jahr auf Notlagen vorbereitet“, sagt Studentenwerksgeschäftsführer Eberhard Hoffmann. So werde man etwa vorübergehende Doppelbelegungen von Zimmern tolerieren oder – falls nötig – übergangsweise Matratzenlager in Aufenthaltsräumen einrichten.

Aktuell stehen insgesamt 2391 Plätze in den 16 Heimen des Studentenwerks zur Verfügung. Hinzu kommen pünktlich zum Semesterbeginn 162 Plätze in dem neuen Wohnheim auf dem Maschinenbau-Campus in Garbsen und 68 Plätze im Neubau Internationales Quartier in der Dorotheenstraße. Zum Wintersemester 2020/21 wird dann auch das noch im Bau befindliche Wohnheim in der Haltenhoffstraße mit 184 Plätzen fertig sein. Weitere 400 öffentlich geförderte Plätze bieten Träger wie Kirchen oder Verbände an. Nach Angaben des Studentenwerks sind mittlerweile auch rund 750 Plätze in Gebäuden mit Kleinstwohnungen entstanden, die private Unternehmen bauen lassen und unter anderem an Studenten vermieten.

Für ein Zimmer oder Apartmentin den Wohnheimen des Studentenwerks müssen zwischen 200 und 400 Euro Warmmiete gezahlt werden. Wohnungseigentümer, die sich an der Wohnkampagne des Studentenwerks beteiligen, berechnen ihren Untermietern durchschnittlich 290 Euro für ein möbliertes Zimmer und 315 Euro für ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft. Deutlich mehr kosten die Mini-Wohnungen in von Privatfirmen errichteten Wohnheimen – das zurzeit teuerste Einzimmer-Apartment, das in einem Neubau in der Calenberger Neustadt verfügbar ist, liegt bei 879 Euro. „Das ist Irrsinn“, findet Hoffmann.

Seit dem Start der Aktion haben auf diese Weise bereits 367 ausländische Studierende in Hannover ein neues Zuhause gefunden, gut 40 Prozent davon zur Untermiete und 35 Prozent in Wohngemeinschaften. Die Zahl der Angebote von Vermieterseite lag mit 638 deutlich höher. „Manche Wohnungen sind trotz gutem Willen einfach nicht vermittelbar“, sagt Wiedenroth. So hätten die Räume etwa zu wenig Privatsphäre. „Der Hauptgrund aber ist die Entfernung“, ergänzt Hoffmann. Etliche der nicht vergebenen Wohnungen lägen im Umland und damit zu weit weg von der Uni.

Kampagne bundesweit ausgezeichnet

Alle Beteiligten bewerten die Kampagne gleichwohl als großen Erfolg. „Sie ist ein gelungenes Zeichen unserer Willkommenskultur und ein Markenzeichen für den exzellenten Wissenschaftsstandort Hannover“, sagt Bürgermeister Thomas Hermann. Anerkennung gibt es auch von anderer Seite: Die Kampagne wurde 2018 mit dem bundesweiten Politikaward ausgezeichnet.

Student Hafiz Khan ist ebenfalls zufrieden. In der Anderter Wohnung fühlt er sich auch deswegen so wohl, weil fünf weitere pakistanische Studenten eingezogen sind, die er schon aus seiner Heimatstadt Lahore kannte und die mit ihm nach Hannover gekommen sind. Die Besitzerin hatte gezielt eine Studentengruppe gesucht, um eine komplette Wohnung zu vermieten. Sie hat sich von Studentenwerksmitarbeiterin Wiedenroth überzeugen lassen, dass Khan und seine Kommilitonen eine gute Wahl sind.

Vermieter, die Zimmer anbieten möchten, wenden sich an Birte Wiedenroth unter Telefon (0511) 7688069 oder per E-Mail an zimmer@studentenwerk-hannover.de. Mehr Infos gibt es auch hier.

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