Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Funkinform-Pool Witzig und erhellend: Bastian Sick
Funkinform-Pool Witzig und erhellend: Bastian Sick
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:35 17.10.2017
Bastian Sick, gebürtiger Lübecker, hat lange Zeit in Hamburg in seinem Büro in der Hafencity gearbeitet und lebt jetzt in Niendorf an der Ostsee. Foto: Zitzlaff.com

Auch seine Bücher sind vielen Sprachliebhabern bekannt: „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“, Folgen eins bis sechs, zum Beispiel, in denen die Zwiebelfisch-Kolumnen gesammelt sind. Diesmal hat Sick sich für sein neues Buch wieder der Kombination „Bild mit Wort“ gewidmet. Weil er damit monatelang beschäftigt war, konnte er auf unsere Anfrage lange nicht antworten. Jetzt ist das Buch erschienen (siehe unten) – und wir haben ganz im amüsanten Sick-Stil Antworten auf unsere Fragen zu jenen Hürden bekommen, über die wir gerne mal stolpern. 

Das gemeine Apostroph: für’s oder fürs, er kann’s oder er kanns? Können Sie eine knackige Merkhilfe geben?

Das Gemeine am Apostroph ist zunächst einmal, dass er männlich ist: Es heißt der Apostroph. Und gemein im Sinne von allgemein, gewöhnlich ist er auch nicht, denn das hieße, es gäbe auch noch einen anderen, speziellen Apostroph – für Sonderfälle zum Beispiel. Es gibt aber nur den einen Apostroph, das gute alte Auslassungszeichen, und der wird meistens falsch gebraucht. Die „knackige Merkhilfe“ lautet daher: Im Zweifelsfall weglassen! Zum Beispiel im Imperativ: Tu nicht so; lass es bleiben; geh lieber nach Haus. Viele setzen hier den Apostroph, der aber überflüssig ist. Bei „Nimm‘ mich mit“ und „Gib‘ endlich auf“ ist er sogar ganz und gar falsch. Bei Verschmelzungen aus Präpositionen und verkürztem „das“ wie bei „ins“, „aufs“, „ans“ und „fürs“ steht schon seit 100 Jahren kein Häkchen mehr. Bei verkürztem „es“ sollte man noch eines setzen (Man muss es aber selbst dort nicht mehr): Jetzt geht’s los; ich halt’s nicht aus; wer hat’s gewusst? Mal groß und mal klein.

Wann schreibt man „mal“, wann schreibt man „Mal“? 

 „Mal“ wird großgeschrieben, wenn es ein Hauptwort ist. Das ist immer dann der Fall, wenn ein Artikel davorsteht („ein“ oder „das“) oder wenn es in der Mehrzahl („Male“) auftaucht: das letzte Mal; beim nächsten Mal; ein besonderes Mal; zum wievielten Mal; unzählige Male. Kleingeschrieben wird „mal“, wenn es zum Multiplizieren gebraucht wird: drei mal acht ist vierundzwanzig; eine Fläche von zwei mal sieben Metern. Oder wenn es für das verkürzte Wort „einmal“ steht: Sag das noch mal; hör mal zu; so ist das nun mal. Adverbien mit dem Wort „Mal“ werden meistens zusammengeschrieben: einmal; manchmal; diesmal; keinmal; paarmal, hundertmal, tausendmal. Wird der zweite Bestandteil allerdings besonders betont, kann er auch getrennt geschrieben werden, dann wird „Mal“ wiederum großgeschrieben: nur ein Mal; vieltausend Mal; die paar Mal fallen doch nicht ins Gewicht. Bei „jedes Mal“ muss ich jedes Mal im Duden nachschauen, denn das wurde vor der Reform noch zusammengeschrieben. Die Schreibweise „jedesmal“ gibt es aber heute nicht mehr, nicht einmal als Nebenform.

Abgewägt oder abgewogen, was ist richtig? 

Beide Formen gibt es, aber sie gehören zu unterschiedlichen Verben, die etwas anderes bedeuten. „Abgewogen“ kommt von „abwiegen“ – das macht man zum Beispiel im Supermarkt mit seinem Gemüse. Gefahren und Risiken werden hingegen „abgewägt“ – das kommt vom Verb „abwägen“, das „prüfend bedenken“ bedeutet. Viele kennen dieses Wort nicht mehr und verwenden stattdessen „abwiegen“. Das wäre aber nur korrekt, wenn man Gefahren und Risiken an der Fleischtheke kaufen könnte: „Ich hätte gern dreihundert Gramm Risiko, aber bitte genau abgewogen!“

Warum sind/seid du und Katrin so schnell? 

Das ist eine einfache mathematische Aufgabe: Katrin plus du ergibt „ihr“ – und auf „ihr“ kann nur „seid“ folgen: „Warum seid Katrin und du so schnell?“ Katrin plus ich hingegen ergibt „wir“, darum hieße es: „Warum sind Katrin und ich so schnell?“

Mit oder ohne Freunde/n – wie funktioniert diese verkürzte Form von „Mit Freunden oder ohne Freunde“ richtig? Oder funktioniert sie eben nicht?

Entscheidend ist immer die Präposition, die dem Hauptwort am nächsten steht, in diesem Fall also „ohne“, und „ohne“ regiert den Akkusativ. Es heißt daher: „Mit oder ohne Freunde“.

Sowohl Karl als auch Otto weiß/wissen nicht, wie es geht… 

Das Konjunktionspaar „sowohl … als auch“ hat dieselbe Funktion wie ein „und“. Wenn man also anstelle von „sowohl Karl als auch Otto“ einfach „Karl und Otto“ sagt, dann muss das Verb in der Mehrzahl stehen: „Karl und Otto wissen nicht, wie es geht“. Daher kommt die Mehrzahl auch bei „sowohl … als auch“ zum Einsatz: „Sowohl Karl als auch Otto wissen nicht, wie es geht.“ Dasselbe gilt für „weder … noch“. Auch hier ist die Mehrzahl üblich: „Weder Karl noch Otto wissen, wie es geht“. Die Einzahl ist allerdings ebenfalls möglich, wenn man das Ganze als zwei Sätze versteht, die zu einem verkürzt wurden: „Weder Karl [weiß, wie es geht,] noch Otto weiß, wie es geht.“ -> „Weder Karl noch Otto weiß, wie es geht.“

Zuhause/zuhause/zu Hause… 

Das Wort kann zweierlei sein: ein Hauptwort oder ein Adverb. Wird es als Hauptwort gebraucht, wird es zusammen– und großgeschrieben: das Zuhause; du hast ein schönes Zuhause; in seinem Zuhause fühlt sich der Krebs am wohlsten. Meistens aber wird es als Adverb gebraucht. Dann wird es in zwei Wörtern geschrieben, wobei „Hause“ großgeschrieben wird: Wir sind gleich zu Hause; fühlen Sie sich wie zu Hause; zu Hause ist es am schönsten; ist es noch weit bis nach Hause?

Die Schreibung in einem Wort („zuhause“ oder kurz „zuhaus“) ist seit der Rechtschreibreform erlaubt. Der Duden empfiehlt jedoch weiterhin die Getrenntschreibung.

Kuckst du oder guckst du? 

Eigentlich heißt das Verb „gucken“. Im Norddeutschen allerdings wird es schon immer mit einem „k“ gesprochen – in Anlehnung an das niederdeutsche „kieken“ (Da kiekste, wa?). Weil die Norddeutschen sich beharrlich geweigert haben, „gucken“ mit einem „g“ zu sprechen, ist die Schreibweise mit „k“ inzwischen zulässig. In einem Text, der im gesamtdeutschen Sprachraum Verbreitung finden soll, ist die Form mit „g“ zu bevorzugen.

Insofern als … – wie geht’s richtig weiter? 

Es geht zunächst mal mit einem Komma weiter, und zwar noch vor dem „als“. Es heißt zum Beispiel „Es ist insofern schwierig, als wir nur wenig Zeit zur Verfügung haben.“ Zu „insofern“ gehört ein „als“ – kein „weil“ und auch kein „als dass“. Falsch sind folglich: „Ich kann dir insofern nicht helfen, weil ich keinen Schlüssel habe.“ „Ich kann dir insofern nicht helfen, als dass ich keinen Schlüssel habe.“ Richtig ist nur: „Ich kann dir insofern nicht helfen, als ich keinen Schlüssel habe.“ So was / sowas

 

 ?Ob in einem Wort oder in zweien – wer weiß denn so was? Wenn man sich klarmacht, dass es sich dabei um eine umgangssprachliche Verkürzung von „so etwas“ handelt, kommt man von selbst drauf, dass „so was“ in zwei Wörtern geschrieben werden sollte. So empfiehlt es auch der Duden. Die beliebte Sendung mit Kai Pflaume schreibt „sowas“ allerdings in einem Wort. Der Duden lässt dies heute als Nebenform zu. Schon in den Achtzigerjahren gab es eine Fernsehsendung von Thomas Gottschalk mit dem Titel „Na sowas“. Das war noch vor der Rechtschreibreform. Damals galt die Schreibung „sowas“ noch als falsch, und ich weiß noch, dass meine Lehrer sich damals mehr über den falsch geschriebenen Titel der Sendung aufgeregt haben als über das platte Format.

So dass / sodass?

Eigentlich ganz einfach: Werden beide Teile betont, werden sie auseinandergeschrieben und von einem Komma getrennt: Es ärgerte mich so, dass ich schließlich schrie. Es schneite so, dass man die Hand nicht mehr vor Augen sah. Hier hat „so“ die Bedeutung „so sehr“. Bei der Konjunktion liegt die Betonung nur auf dem zweiten Teil, daher wird sie zusammengeschrieben – und folgt immer einem Komma: Er ärgerte mich immer mehr, sodass ich schließlich schrie. Könnten Sie wohl kurz zur Seite treten, sodass ich eben vorbei kann?

Er tut so, als ob er schreiben kann/könne… Geht’s danach mit Konjunktiv weiter? 

Das ist eine Frage des Stils. Die Verwendung des Indikativs („kann“) hinter „als ob“ ist umgangssprachlich. Wer sich einem gepflegteren Stil verpflichtet fühlt, sollte hier den Konjunktiv benutzen, denn hinter „als ob“ folgt immer ein sogenannter „irrealer Vergleichssatz“. Der Modus für das Irreale ist sogar der Konjunktiv II, daher wäre hier sogar die Form „könnte“ angebracht: „Er tut so, als ob er schreiben könnte.“

Ein Monat kein Fährbetrieb oder einen Monat kein Fährbetrieb? Welche Schlagzeile ist richtig formuliert?

Bei Schlagzeilen wie diesen handelt es sich um eine Verkürzung. Dabei können diverse Satzteile wegfallen, ohne dass der Sinn verloren geht. Die Beugung muss jedoch erhalten bleiben, da sie sinnstiftend ist. Der Satz „Einen Monat lang wird kein Fährbetrieb stattfinden“ lässt sich zu „Einen Monat kein Fährbetrieb“ verkürzen. Bei der Variante ohne Beugung („Ein Monat kein Fährbetrieb“) steht der „Monat“ im Nominativ, was Rätsel aufgibt, denn wie sollte der unverkürzte Ursprungssatz da gelautet haben? „Ein Monat wird kommen, da kein Fährbetrieb stattfinden wird“? Ich würde sogar eine doppelte Beugung empfehlen: Ausgehend vom Satz „Einen Monat lang wird es keinen Fährbetrieb geben“ lautete die Schlagzeile unmissverständlich und elegant: „Einen Monat keinen Fährbetrieb“. Interview: Birte Hansen

Dem Teufel ein Schnäppchen schlagen

Wer zu den Menschen gehört, die schmunzelnd, laut lachend oder sich vor den Kopf schlagend durch die Gegend laufen, weil da wieder lustig Falsches auf dem Schild steht, wird dieses Buch von Bastian Sick lieben: „Schlagen Sie dem Teufel ein Schnäppchen“, frisch erschienen im KiWi-Verlag. Ich jedenfalls musste das Buch abends wieder weglegen, damit mein schlafender Sohn vom lauten Lachen nicht geweckt wird… 

Weder Displays bei Discountern und Supermärkten noch handgeschriebene Plakate von Cafés und anderen Geschäften sind vor seinen Erläuterungen zu den Patzern sicher. Geliefert wurden die Fotos und Anzeigen von vielen fleißigen Sammlern. Beispiel, Aldi Süd: „Frischfleisch – Jetzt neu!“ Sick gibt den Hinweis, dass Aldi das alte Frischfleisch aussortiert hat. Oder die Eisdiele, die per Schild verkündet, dass sie wegen „Personalmängel“ geschlossen bleibt. Oder der Kichertisch von Hudora, der bei real angepriesen wird. Oder die Duden-Anzeige für den Duden „mit 5000 neue Wörter“, oder …

Auf 209 Seiten greift Sick auf, was Schilder, Anzeigen, Artikel an witzigen Fehlern zu bieten haben, ohne dass seine Kommentare hämisch wirken. Sehr unterhaltsam, kurzweilig, für gute Laune auch zwischendurch. 28. November 2017 15. Februar 2018 

Lesungen mit Bastian Sick an folgenden Terminen:

19.30 Uhr, Stadthalle, Aurich.

20 Uhr Pavillon, Lister Meile 4, Hannover.