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10:19 17.08.2018
Wassersprays haben zwar einen spürbaren Erfrischungseffekt, sind aber wenig ressourcenschonend. Quelle: Christoph Schmidt/dpa
Karlsruhe

Bahnfahren im Sommer kann schweißtreibend sein. Etwas Erfrischung kann da nicht schaden. Früher griffen ältere Damen dann vorzugsweise zu Kölnisch Wasser. Ihre Enkel haben statt Flakons heute eher Spraydosen im Gepäck.

Ob Wasser-, Aqua- oder Wohlfühlspray - die Erfrischung aus der Dose ist bei vielen im Hitzesommer 2018 angesagt. Doch was Verkäufer von Drogeriewaren freut, treibt anderen die Zornesfalten auf die Stirn.

"Aus Sicht der Ressourcenschonung ist dies kein sinnvolles Produkt, da die Verpackung materialintensiv ist", sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Umweltbundesamtes, Sonia Grimminger. Nasse Tücher in den Nacken legen, mit der Zeitung wedeln oder sich mit dem Fächer Frischluft verschaffen - das geht auch. Eine Pforzheimer Studentin sagt: "Ich finde Aquasprays unnötig und überteuert. Zudem sind sie extrem umweltbelastend."

Viele andere schwören dagegen auf den Frischekick aus der Dose, der mal nach Kokos, Melone oder Litschi duftet - oder auch nach nichts. Nach einer

YouGov-Umfrage kühlen sich zwölf Prozent der Erwachsenen in Deutschland im Kampf gegen die Hitze mit solchen Sprays ab.

Beim Drogeriemarkt dm treibt dieser Sommer die Nachfrage nach solchen Produkten an. "Durch die hohen Temperaturen kommt es aktuell zu besonders großem Andrang", sagt eine Sprecherin. Das gleiche beobachtet man beim Konkurrenten Rossmann: "Aktuell entwickeln sich die Wassersprays überdurchschnittlich gut", sagt ein Sprecher.

Ab 1,50 Euro ist der künstliche Wassernebel im Schnitt bei Drogerie- und Supermärkten zu haben. Auch Mineralwasserhersteller bieten "Quellwasser"- oder "Wohlfühl"-Sprays an. Meist etwas teurer. In den Onlineshops der beiden Drogisten schwärmen die einen von der kleinen "Klimaanlage", für andere ist es schlicht "mehr Müll für die Welt".

Mancher plädiert deshalb für eine alternative Abkühlung: eine wiederverwendbare Sprühflasche mit Wasser. Das ist zum einen günstiger und, wie Umweltexpertin Grimminger betont, auch umweltverträglicher. "Werden diese häufig wiederverwendet, können unnötige Verpackungsabfälle vermieden werden."

Für den Selfmade-Sprühnebel eignet sich auch Mineralwasser mit Kohlensäure gut, meint die Abteilungsleiterin für Lebensmittel und Ernährung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, Christiane Manthey. Dabei sollte man aber unbedingt darauf achten, dass das Wasser täglich gewechselt und der Behälter regelmäßig gereinigt wird. Sonst droht Verkeimung.

Wegen einer möglichen Gesundheitsgefahr durch Keime sind für den Vorsitzenden der Ärzteschaft Stuttgart, Markus Klett, wiederbefüllbare Flaschen sogar die schlechtere Lösung: "Das kann bis hin zu Bronchialinfektionen führen." Deshalb plädiert er eher für die Produkte aus der Drogerie.

Doch ob Hausgemachtes oder Gekauftes - beides im Überfluss zu verwenden ist aus Sicht des Mediziners nicht ratsam. Die Haut ist ein empfindliches Organ. Ständige Verdunstungskälte könne zum Austrocknen führen, was den Mensch anfälliger für Infektionen mache.

Duft- und Konservierungsstoffe in gekauften Sprays können außerdem Allergien auslösen. Vor allem Diabetiker, Ältere und Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen oder mit Durchblutungsstörungen wie Raucher sollten natürliche wie industrielle Wassersprays deshalb selten verwenden, rät Arzt Klett.

dpa

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