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Leserbriefe Aktuelle Planung nicht zu verantworten
Mehr Meinung Leserbriefe Aktuelle Planung nicht zu verantworten
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20:23 27.03.2019
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In vielen Bereichen gibt es Aufgabenfelder, die unbedingt bewältigt werden müssen, um die schlimmsten Folgen des längst begonnenen Klimawandels noch zumindest abmildern zu können. Dazu gehören auch die Themen Energetische Renovierung/Sanierung sowie Bodenschutz, Verringerung von Landverbrauch. Das viel zitierte Wohnraumversorgungskonzept (WRVK) nennt und fordert gerade im Bereich der Renovierung von Bestandsbauten Einiges.

Wann, wenn nicht jetzt, soll dieses Thema in den Fokus genommen werden? Nach den Klimazielen der Bundesrepublik Deutschland soll der Landverbrauch sofort drastisch eingeschränkt und bis 2050 auf Null reduziert werden. Gefahr erkannt – Gefahr gebannt – könnte man meinen, wenn alle mitmachten. Was aber soll ausgerechnet im so fortschrittlichen Bad Nenndorf geschehen?

Ohne Not und ohne die Untermauerung von echten Argumenten werden weiterhin ungezügelt und beschleunigt die Planungen für ein massives Wachstum in Form eines immensen Verbrauchs an wertvollsten landwirtschaftlichen Flächen vorangetrieben. Neben den Klimazielen gibt es zahlreiche Programme und Gesetze, die gerade den Schutz von Böden vor Versiegelung beinhalten, so beispielhaft das Baugesetzbuch, das Landesraumordnungsprogramm und sogar das WRVK. Letzteres erwartet zur Bedarfsdeckung vorrangig Innenstadtverdichtung mit Nutzung von zum Beispiel bisherigen Leerständen, von Baulücken und von Altlastenflächen.

Das Potenzial solcher Flächen im Zusammenspiel mit weiteren dort genannten Möglichkeiten der Innenstadtverdichtung lässt den angeblichen Flächenbedarf stark zusammenschrumpfen, und zwar so weit, dass sich die aktuelle Planung nicht mehr verantworten lässt, nimmt man denn die wichtigen Umwelt- und Klimaziele nur ansatzweise ernst.

Eigentum verpflichtet. Zu diesem Verfassungsgrundsatz müssen wir zurückfinden. Es darf nicht weiter heißen: Wer Geld hat, hat das Sagen. Die Gesetzeslage lässt es unter anderem zu, nötigenfalls Baugebote zu erlassen. Insbesondere bestandskräftig überplante Grundstücke müssen endlich ihrem Zweck zugeführt werden.

Jetzt ist es an der Zeit, zu handeln und die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen. Unsere Kinder haben es verdient und wir sollten so klug handeln, dass wir ihnen in 20 Jahren noch in die Augen schauen können. Es reicht eben nicht, den aktuellen Schülerprotesten Respekt zu zollen und deren Wichtigkeit und Richtigkeit zu betonen, wie es auf der Veranstaltung am 19. März auch seitens des Umweltministers der Fall war.

Rolf Neumann, Bad Nenndorf