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Leserbriefe Alte Fachwerkbauten sichern und erhalten
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09:50 05.10.2019

Bei derartigen Eingriffen in ein Jahrhunderte altes Wohnquartier sollte aber immer mit einer entsprechenden Sensibilität vorgegangen werden. In diesem Fall ist zu bedenken, dass es sich bei dem in Frage kommenden Straßenzug um das wahrscheinlich älteste Bebauungsgebiet in der Stadt handelt, welches wohl schon vor der „offiziellen“ Gründung der Stadt vor 800 Jahren Besiedlungsspuren aufzeigt.

Wenn also alte bauliche Substanz nicht mehr zu retten ist und durch einen Neubau ersetzt werden muss, ist im Sinne der Sicherung von Spuren äußerst behutsam vorzugehen. Direkt nach einem möglichen Abriss darf nicht sofort der Bagger für die Ausschachtungen kommen. Eine archäologische Untersuchung des Grundes müsste zunächst auf jeden Fall erfolgen. Auch die abzureißenden Gebäude selbst sollten auf darin noch enthaltene wertvolle Substanz untersucht und diese gegebenenfalls wieder verwendet werden.

Man muss bei allem Bauen besonders in der Altstadt bedenken, dass mit jedem Abriss auch ein Stück Identität unserer Stadt verloren geht. Neubauten sind zunächst einmal schmucklos und beliebig ersetzbar und tragen nicht zum historischen Stadtbild bei.

In den vergangenen Jahrzehnten sind so schon viele wertvolle Gebäude gedankenlos abgerissen und zugunsten eines erhofften kurzfristigen wirtschaftlichen Gewinns durch Zweckbauten ersetzt worden. Dazu zwei Beispiele: Das sogenannte Büschinghaus aus dem 16. Jahrhundert hat man bis auf die Fassade durch einen Betonbau für eine Drogeriekette ersetzt, welche schon vor etlichen Jahren „pleite“ gegangen ist. Das Gebäude steht seither leer. Toll.

Am Marktplatz befand sich bis 1970 das zweitälteste Gebäude der Stadt, das alte Rathaus aus dem 14. Jahrhundert. Zugunsten eines Lebensmittelmarktes wurde es abgerissen, aus heutiger Sicht wahrscheinlich undenkbar. Unsere kleine Stadt gewinnt ihre Attraktivität vor allem durch die noch vorhandenen alten Fachwerkbauten. Da nützt es bei einem Neubau auch wenig, wenn ein „Scheinfachwerk“ davor gesetzt wird. Dieser Stadt sind im letzten Weltkrieg Zerstörungen durch Bombenangriffe erspart geblieben. Wir sollten das wertschätzen, was noch vorhanden ist. Dies mein Appell an alle Hausbesitzer.

Dieter SchweimlerStadthagen