Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Leserbriefe Anblick der Mufflons für spätere Generationen bewahren
Mehr Meinung Leserbriefe Anblick der Mufflons für spätere Generationen bewahren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:44 26.07.2019

Die opportunistischen Beutegreifer sind insbesondere in einer vom Menschen auch jagdlich gepflegten Kulturlandschaft bemerkenswert erfolgreich. Dass dabei der relativ schnell tödlich wirkende Kehlbiss bei Wölfen häufig nicht oder nur mit einer zeitlichen Verzögerung zum spürbaren Nachteil der Beutetiere zum Einsatz kommt, schmälert in keiner Weise den jagdlichen Erfolg.

Dass auf diese Weise aber nur kranke und schwache Beute gerissen wird – wie Dennis Dieckmann es uns in seinem Leserbrief wissen lässt – ist schlicht und einfach falsch. Grundsätzlich reißt der Wolf alles, was er erbeuten und fressen kann, insbesondere im Fluchtverhalten eingeschränktes, durchaus gesundes Jungwild und hochtragende Muttertiere.

Dass bei einem durchschnittlichen, jährlichen Fleischbedarf von 60 Rehen beziehungsweise 16 Rothirschen pro Wolf kein Rückgang der Beutetiere zu befürchten sei, widerspricht nicht nur den Räuber-Beute-Gesetzmäßigkeiten, sondern auch den Erfahrungen aus Ländern mit längerer Wolfsbesiedlung. Wer sinnvollerweise Artenschutz fordert, sollte alle in unserer Kulturlandschaft frei lebenden Tierarten einbeziehen.

Der angeblich wissenschaftlich begründete Beweis, dass der Mensch als Jäger den Wildbestand nicht annähernd gesund und fit halten kann, stimmt nicht. Im wolfsfreien Deutschland sind in den letzten 100 Jahren im Rahmen einer verantwortungsbewussten Jagdausübung keine genetisch relevanten Veränderungen zum Nachteil des bejagbaren Wildes bekannt geworden.

Vielmehr ist es dem sich über mehrere Jahre erstreckenden Intensiveinsatz der Jagdrevierinhaber zu verdanken, dass – mit Ausnahme von Fledermäusen – Deutschland im Zuge der oralen Immunisierung (Schluckimpfung) der Füchse heute wieder wildtollwutfrei ist.

Dass es sich bei dem europäischen Mufflon um eine auf Korsika und Sardinien verwilderte Hausschafrasse handeln soll, ist lediglich eine Hypothese. Sie steht der Auffassung zahlreicher Wildbiologen gegenüber, dass unsere heimischen Wildschafe von kleinasiatischen Mufflons abstammen – ohne jemals domestiziert gewesen zu sein (Piegert und Uloth).

Wer – wie Nabu und Grüne – Biodiversität zum Prinzip seiner Programmatik erklärt, sollte sich unabhängig von der Abstammungsproblematik für den Fortbestand unseres letzten, größeren Wildschafbestandes in Niedersachsen einsetzen.

Es ist geradezu unerträglich, dass bereits Hunderte dieser tagaktiven und beobachtungsattraktiven Tiere in der Göhrde und in den neuen Bundesländern auf dem Wolfsaltar geopfert wurden. Noch ist der Anblick dieser herrlichen Wildschafe für die meisten Auetaler immer wieder ein emotionales Erlebnis, das es auch für spätere Generationen zu bewahren gilt.

Helmut Büttner
Auetal