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Leserbriefe Die B65 ist ein Schatz
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13:00 17.08.2018
Die B65 in Nienstädt: eine Straße, die trennt oder verbindet?
Die B65 in Nienstädt: eine Straße, die trennt oder verbindet? Quelle: kil
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Nienstädt

Wenn man in Nienstädt die Kirche im Dorf sucht, ist man in Sülbeck. Alle Funktionen verteilen sich im Ort. Es gibt lediglich zwei einzugsschwache Dienstleistungshäufungspunkte, die 800 Meter getrennt, aber durch die B65 verbunden sind. Arbeitsplätze sind rar, man pendelt über die B65 zu weiterführenden Schulen, Großeinkäufen, Kino, Vorträgen, Kultur und so weiter.

Man merkt, diese Straße trennt nicht, sie verbindet. Selbst das wenige Gewerbe liegt an und braucht die B65 in dieser kanalisierenden Form. Doch hier wohnen 4600 Menschen mit 550 Einwohner pro Quadratkilometer ohne Siedlungskern hochverdichtet, doppelt so dicht wie in Stadthagen, in so ruhigen wie schönen Wohngebieten in Liekwegen, Meinefeld, Wackerfeld, dem nördlichen Sülbeck. Die B65 liegt für sie abseits, aber überall gut erreichbar für die sonstigen Lebensdaseinsfunktionen, die Nienstädt eben nicht bieten kann.

Fast ideal liegen lediglich 50 Wohnhäuser direkt an dieser Trasse. Sie haben bereits Dreifachverglasung und andere sinnvolle Hilfen gegen Lärm erhalten oder gar selbst einen Grünwall gepflanzt. Viele Familien konnten hier Häuser günstig erwerben. Jetzt plant man eine Straße, die weitere 30 Hektar eines hochverdichteten Gebietes versiegelt. In einer Gegend in der man gut und gern lebt. Der Straßenwall erzeugt Sackgassen in der Landschaft, beschert 70 Häusern direkt neuen Straßenkontakt ohne Lärmschutz, denn das geht auf elf Kilometern schlecht.

Er behindert den Radverkehr, bietet auf 5,5 Kilometern Straßenlänge lediglich zwei eigene Auffahrten, das Verkehrskreuz in Gelldorf erreicht amerikanische Ausmaße, die erste Abfahrt Stadthagen endet vor Ampeln. Bei schon sehr schwacher Attraktivität der Nienstädter Dienstleister dürften weitere Kaufkraftverluste verzeichnet werden.

Darüber hinaus ist der Erholungswert der Landschaft hin, die jetzt tolle Aussicht der Wohnhäuser etwa an der Sülbecker Straße auf die Tiefebene ebenso. Eine Umgehungsstraße kann etwas Verkehr abziehen, Nienstädt wird den Verkehr jedoch nicht los, da die Motive für den Verkehr bleiben. Kein Liekweger und auch kaum ein Nienstädter wird die Umgehungsstraße auf seinem Weg nach Bückeburg oder Stadthagen ansteuern.

In Nienstädt hält sich kein Bäcker, Aldi floh. Die Banken arbeiten als Teilzeitzweigstellen. Nienstädt ist funktionell Satellit Stadthagens, das Gewerbegebiet bricht ohne große Ausfallstraße zusammen. Vielleicht rechnet die Politik noch mal die angeblich 6800 Gewinner eines Projektes nach, das 40 Jahre kaum jemanden überzeugt hat. Startet eine Bürgerbefragung. Ich sehe 2000 Verärgerte und 300 Zustimmende.

Ernst Gülker, Helpsen