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Leserbriefe Die VerWeigerungs-AG
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23:01 19.10.2018
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Eigentlich müsste man sich schämen! Noch ist der Theaterdonner in Zusammenhang mit den letzten Grenzwertfestlegungen nicht verhallt, wird der nächste Popanz aufgebaut. Da man glaubte, die alten Richtwerte nicht erreichen zu können, hat man einfach betrogen. Man baute Software ein, die im Testbetrieb Abgaswerte vorgaukelte, die im realen Betrieb nicht zu realisieren waren.

Nach deutschem Recht war das schlichtweg Betrug! Die Folgen waren Wertverluste der Fahrzeuge und Fahrverbote in immer mehr Städten. Man kann inzwischen Fahrzeuge technisch nachrüsten, um die geforderten Grenzwerte zu erreichen. Das zeigt, dass man bei gutem Willen sofort Autos auf den Markt hätte bringen können, mit denen man „vorschriftskonforme“ Abgaswerte erreicht hätte. Es sind nämlich erstaunliche Entwicklungen realisiert worden, zum Beispiel automatisches Einparken, totale Vernetzung der Fahrzeuge und vieles mehr.

Man muss sich fragen, wie die Entscheidungsträger zum Beispiel bei VW so ticken. Anstatt bei den neuen Grenzwerten mit der Keule massiver Arbeitsplatzverluste zu drohen, könnte man sich auch eine andere Reaktion vorstellen: „Das sind harte Anforderungen. Aber wir wollen unsere Umwelt lebenswert erhalten. Wir machen uns an die Arbeit. Wir schaffen das. VW will umweltfreundliche Autos bauen und auch hier Weltmarktführen werden.“

Der normale Bürger ist nicht so dumm, wie die VW-Lobbyisten glauben. Die Antriebtechnik für Fahrzeuge wird sich verändern müssen. Elektroantriebe brauchen viele Teile nicht, die der Verbrennungsmotor benötigt. Gerade die Zulieferfirmen für Bauteile wie Kolben, Getriebe, Turbolader und viele andere Aggregate müssen sich umstellen. Hier sind Manager gefragt, die mit Weitblick ihre Firmen neu ausrichten. Hier geht es auch um Arbeitsplätze.

Ein Großteil der Energie wird in die Entwicklung autonomen Fahrens gesteckt! Zurzeit quälen sich großräumige übermotorisierte Fahrzeuge durch die Städte und verpesten die Luft. Sie sind zumeist nur durch den Fahrer besetzt. Den braucht man bald nicht mehr. Gut so! Denn die Luft ist bald so schlecht, dass man lieber zu Hause bleibt. Man kann über Telearbeitsplätze vieles als „Homeoffice“ erledigen. Also schickt man seinen „Vier Liter Turbodiesel“ unbesetzt durch die Stadt, um Arbeitsplätze zu erhalten?

Es ist wohl notwendig, in größeren Zusammenhängen zu denken, als manche Verantwortliche in der Kfz-Industrie und Politik es schaffen.

Es fahren inzwischen Busse und ein paar Bahnen mit Elektroantrieben, die durch Brennstoffzellen versorgt werden. Diese beziehen ihren Strom aus der Reaktion von Wasserstoff mit Sauerstoff. Als „Abgas“ entsteht Wasserdampf. Wasserstoff kann zum Beispiel in Ländern Afrikas über Sonnenenergie gewonnen werden. Dadurch entstehen dort Arbeitsplätze. Diese Entwicklung würde viele Probleme lösen. Es gäbe Energiegewinnung ohne Kraftwerke, Arbeitsplätze in industrieschwachen Regionen.

Selbst Herr Seehofer hätte etwas davon. Er müsste einen seiner Streitpunkte, die „Obergrenze“, in die Tonne treten.

Uwe Selzener

Rinteln