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Leserbriefe Kein Grund zur Panik
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16:28 22.02.2019
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Und ja, es ist auch richtig, dass solche Schnellfahrtrassen in einer so genannten Verkehrswegebündelung möglichst in weiten Strecken parallel zu Autobahnen geführt werden sollen (siehe die zuletzt fertiggestellten Schnellfahrtrassen zwischen Köln und Frankfurt am Main, Nürnberg und Ingolstadt sowie Nürnberg und Erfurt). Für Unruhe oder gar Panik, dass eine solche Schnellfahrtrasse das Auetal zerschneiden könnte, gibt es aktuell allerdings keinen Grund, da hierfür noch viel zu viele Unbekannte existieren.

Wie Heinz Kraschewski sehr richtig sagt, ist der genaue Trassenverlauf noch gar nicht bekannt. Die verfügbaren Inhalte des Gutachtens zum „Deutschlandtakt“ benennen lediglich den groben Verlauf parallel zur A2, um dann aus Richtung Bielefeld gesehen, in Stadthagen wieder auf die bestehende Trasse einzuschwenken. Das würde unweigerlich bedeuten, dass weite Teile der Trasse, die das Auetal berühren könnten, in Tunneln beziehungsweise auf Brücken verlaufen müssten. Die Steigungen im Verlauf der A2 zwischen Porta Westfalica und Lauenau sind für eine Schnellfahrtrasse im Schienenverkehr viel zu hoch. Hier sind maximale Steigungen von 12,5 Promille zulässig.

Des Weiteren ist fraglich, ob tatsächlich eine Schnellfahrtrasse für 300 Stundenkilometer gebaut wird. Nach Fertigstellung der Strecke Köln – Frankfurt am Main wurde der Beschluss gefasst, zukünftig keine Trassen mehr für solch hohe Geschwindigkeiten zu projektieren (die Strecken Nürnberg – Ingolstadt und Nürnberg – Erfurt waren zu diesem Zeitpunkt schon so weit projektiert, dass sie noch für die Geschwindigkeiten gebaut werden mussten). 250 bis maximal 280 Stundenkilometer reichen für ein Land wie Deutschland mit relativ kurzen Haltestellenabständen völlig aus. Der energetische Aufwand, Geschwindigkeiten von 300 Stundenkilometern und mehr zu erreichen, ist immens hoch, der Verschleiß und Instandhaltungsaufwand von Strecke und rollendem Material steigt mit den hohen Geschwindigkeiten exponentiell an.

Schlussendlich sollte bedacht werden, welche Art von Zügen auf einer solchen Schnellfahrtrasse unterwegs wären: moderne Hochgeschwindigkeitszüge wie sie heute von der Deutschen Bahn als ICE der 3. und 4. Generation eingesetzt werden. Solche Züge sind, auch aufgrund gesetzlicher Vorgaben, extrem leise, insbesondere dann, wenn sie sich nicht im Anfahr- oder Bremsvorgang befinden. Außerdem ist auch der Oberbau (Schienen, Gleisbett, et cetera) einer Schnellfahrtrasse so beschaffen, dass Geräuschemissionen möglichst gering ausfallen und Lärmschutzwände tun am Ende ihr Übriges. Laute Güterzüge werden auf der Bestandsstrecke über Minden unterwegs sein, sodass für die Schnellfahrtrasse von einer Geräuschbelästigung ausgegangen werden kann, die wahrscheinlich unter der heutigen Belastung durch die Autobahn liegt.

Sicher muss die weitere Planung einer Schnellfahrtrasse zwischen Hannover und Bielefeld kritisch betrachtet und begleitet werden, um an den richtigen Stellen, vor allem auch durch die Politik, eingreifen zu können. So lange die Unbekannten aber unbekannt sind, besteht kein echter Grund zur Panik.

Christoph Held, Auetal