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Leserbriefe Lastwagenverkehr wird widerspruchslos hingenommen
Mehr Meinung Leserbriefe Lastwagenverkehr wird widerspruchslos hingenommen
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17:03 28.06.2019

Dass BIGTAB die Falschmeldung von der Streckenführung durch Stadthagen (die in der Netzgrafik für den Fernverkehr in den Gutachterentwürfen so gar nicht dargestellt ist) aufgreift, um auch dagegen vorzugehen (obwohl die Bürgerinitiative doch die Ausbautrasse propagiert), ist erstaunlich. Dass sich nun im Auetal eine weitere Initiative bildet, um die Neubautrasse an der Autobahn zu verhindern, finde ich ebenso fragwürdig. Ich halte es vielmehr für sinnvoll, dass die Betroffenen im geplanten Bürgerdialogverfahren ihren Einfluss auf die lokale Ausgestaltung der Strecke geltend machen (zum Beispiel Sicht- und Schallschutz, Einbettung in Trögen).

Der Ausbau der alten Trasse ist ineffektiv, weil aufgrund der Streckenführung ein vernünftiger integraler Taktverkehr nicht möglich ist. Es ist ja auch nicht so, dass hier einfach zwei weitere Gleise verlegt werden müssten. Sämtliche Bahnhöfe, Unter- und Überführungen sowie die Gleisanlagen müssten umgestaltet oder neu gebaut werden. Deshalb ist ja auch die Kosten-Nutzen-Relation so schlecht.

Natürlich wird die Neubautrasse nicht in allen Bereichen eng an die Autobahn A2 angelehnt werden können. Dazu wird man große Bögen wie zum Beispiel in Rehren, Luhden, Papenbrink und Kipshagen bei Exter durch einen geradlinigen Verlauf abschneiden. Das wird man teilweise mit Trögen oder Tunnels (Deister, Oberberg, Papenbrink und anderen) bewerkstelligen müssen.

Wir benötigen die neue Trasse dringend, nicht nur um den Bahnverkehr zwischen Berlin und dem Ruhrgebiet zu fördern, sondern auch um endlich wieder mehr Güter reibungslos mit der Bahn transportieren zu können, wie es uns die Schweiz vormacht. Dass Güterverkehr auf der Schiene (auch) Lärm verursacht, gilt vor allem dann, wenn (wie auf der Bestandsstrecke) Güterzüge abbremsen und wieder anfahren müssen, um den Personenverkehr im Schaumburger Nadelöhr passieren zu lassen.

Die modernen Güterwaggons sind übrigens mit lärmarmer Bremstechnik ausgestattet, die den Lärm durch Roll- und Bremsgeräusche halbieren. Die Bürger im Auetal sollten eigentlich ein starkes Interesse daran haben, dass möglichst viel Güterverkehr von der nahen Autobahn auf die Schiene verlagert wird. Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich habe selbst an einer Gütertrasse gewohnt – ohne Einbußen an Lebensqualität.

In diesem Zusammenhang plädiere ich auch für die schnellstmögliche Wiederherstellung der Zweigleisigkeit auf der Strecke Hameln-Löhne. Dann könnten auch die Stationen in Fischbeck und Eisbergen im Personenverkehr wieder bedient werden. Auch im Wesertal haben Bürger und Politiker aller Parteien solche Bestrebungen verhindert. Der alltägliche Wahnsinn auf unseren Straßen durch steigenden Lastwagenverkehr wird dagegen widerspruchslos hingenommen. Das Straßennetz wächst kontinuierlich. Eine Teststrecke auf einem Autobahnabschnitt der A5 mit Oberleitungen auszustatten, um sie für elektrisch angetriebene Lastwagen nutzbar zu machen, ist symptomatisch für das krampfhafte Festhalten am Gütertransport auf der Straße.

Seit der Bahnreform vor 25 Jahren hat die Politik unsere Bahninfrastruktur mit Streckenstilllegungen von über 5000 Kilometern (16 Prozent des Streckennetzes) und Aufgabe von über 1500 (Güter-) Bahnhöfen zwecks „wirtschaftlicher Optimierung“ systematisch abgebaut – ohne Weckruf einer einzigen Bürgerinitiative.

Jürgen SwobodaObernkirchen