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Leserbriefe Mangelnder Respekt für Opfer?
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22:23 23.07.2019
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Bei diesem Mann soll es sich um den Großvater von zwei Geschwistern handeln, die in Lügde missbraucht wurden.

Hat der Großvater dort seine eigenen Enkel zum Missbrauch angeboten? Das ist zu vermuten. Er selber soll im Sommer 2018 ein 15-jähriges Mädchen betrunken gemacht und anschließend im Beisein von Mario S., dem zweiten Angeklagten, vergewaltigt haben. Die Mutter des Mädchens zeigte den Camper an. Ihre Tochter musste daraufhin bei der Polizei Detmold vier Mal aussagen. Das Verfahren wurde eingestellt.

Über die Einstellung von Verfahren mit diesem Hintergrund durch die Polizei lesen wir nun seit Wochen und Monaten am laufenden Band. Meines Erachtens steckt ein System dahinter. Wenn nicht gerade Polizisten selber in Missbrauch verstrickt sind, so scheinen doch viele die Verfolgung dieser Straftaten nicht ernst zu nehmen. Der Grund kann sein, dass die Opfer häufig aus schwierigen und armen Familienverhältnissen kommen, zu denen alleinerziehende Mütter gehören, deren schwache Position von den Tätern ausgenutzt wird.

Diese Vorgänge erinnern mich an den Missbrauchsskandal von Rotherham, Mittelengland, bei dem von 1997 bis 2013 massenhaft Kinder und Jugendliche in der Stadt Rotherham und Umgebung missbraucht und sexuell versklavt wurden. 2010 wurden fünf Täter pakistanischer Herkunft verurteilt. Die Männer hatten zu mittellosen Mädchen Beziehungen aufgebaut und sie in Autos und Parks vergewaltigt.

Im September 2012 berichtete die Times auf der Grundlage von vertraulichen Dokumenten von Polizei und Sozialdiensten, dass die Missbrauchsfälle viel weiter verbreitet waren, als zuvor bekannt war. Nach diesen Berichten gab es in Rotherham systematischen Missbrauch weißer Mädchen durch Männer meist pakistanischer Herkunft, für den die Täter nicht polizeilich verfolgt wurden.

2014 wurde ein unabhängiger Untersuchungsbericht veröffentlicht. Er kam zu dem Schluss, dass nicht ein paar Dutzend, sondern in dem oben genannten Zeitraum mindestens 1400 Kinder und Jugendliche über Jahre hinweg sexuell ausgebeutet worden waren. Es wurde unter anderem festgestellt, dass es der Polizei an Respekt für die Opfer mangelte, die als „unerwünscht“ angesehen wurden.

Irmhild Knoche, Nienstädt