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Leserbriefe Sozialrassismus
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18:09 29.03.2019
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Jedoch hat das elementare Versagen lange stattgefunden, ehe Hinweise auf pädophile Veranlagungen des Pflegevaters unbeachtet blieben.

Die Frage, die sich mir bereits bei den ersten Berichten stellte, lautet: Wie kann eigentlich jemand, der für das Wohl eines Kinds verantwortlich ist, in diesem Fall also Mitarbeitende eines Jugendamtes, ein Kind zur Pflege zu einem alleinstehenden arbeitslosen Mann geben, der auf einer Müllhalde auf einem Campingplatz lebt?

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Selbst wenn dies der Wunsch der Mutter gewesen sein sollte, hätte man diesem keinesfalls nachgeben dürfen, denn von einer förderlichen Umgebung für ein Kind, das ohnehin aus schwierigen Verhältnissen stammt, kann hier wohl kaum die Rede sein.

Es stellt sich die Frage, ob die Mitarbeitenden des Jugendamtes in diesem Fall wohl der Meinung gewesen sind, dass für ein solches Kind die Verhältnisse, in die man es da schickte, wohl ausreichend seien.

Man hätte wohl kaum ein Kind aus einer, sagen wir einmal Lehrer- oder Ärztinnenfamilie oder eines aus der eigenen Familie in Pflege zu einem arbeitslosen alleinstehenden Mann auf einen Campingplatz gegeben. Diese Haltung, die man wohl als Sozialrassismus bezeichnen kann und die möglicherweise auch dazu führte, dass Hinweisen auf Missbrauch sowohl im Jugendamt als auch bei der Polizei nicht nachgegangen wurde, halte ich für so furchtbar, dass ich mich wundere, dass der Aufschrei von Öffentlichkeit und Politik nicht schon lange vor den fürchterlichen Enthüllungen des Versagens des gesamten Systems erfolgt ist.

Allein diese Haltung hätte zu Konsequenzen führen müssen, nicht erst gefakte Akten und verschwundene Beweise.

Ursula Helmhold, Rinteln