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Leserbriefe Trasse sollte gegen ideologische Widerstände durchgesetzt werden
Mehr Meinung Leserbriefe Trasse sollte gegen ideologische Widerstände durchgesetzt werden
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20:43 22.03.2019
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Die im BVWP 2030 zunächst geplante Neutrassierung in den Abschnitten Letter-Lindhorst und Echtorf-Porta Westfalica für acht Minuten Zeitersparnis ist unsinnig.

Der geforderte Ausbau der bestehenden Trasse auf vier Gleise ist aufgrund der engen Bebauung in einigen Ortschaften problematisch. Außerdem lassen die engen Kurvenverläufe in Wunstorf, Bückeburg und Minden keine hohen Geschwindigkeiten bis 300 Stundenkilometer zu, wie sie für die Funktion des Deutschlandtaktes notwendig sind.

Deshalb ist nur ein kompletter Trassenneubau zwischen Hannover und Bielefeld sinnvoll. Zum einen wäre die Zeitersparnis von Hannover ins Ruhrgebiet erheblich. Zum anderen ließen sich auf diese Weise Fernverkehr und Nah- beziehungsweise Güterverkehr entzerren. Außerdem hätte man im Fall einer möglichen Streckensperrung eine Ausweichtrasse zur Verfügung.

Mit der Bindung der Trasse an die Autobahn A2 würde man einer weiteren Zerschneidung der Landschaft und der Siedlungen weitgehend aus dem Wege gehen. Nachweislich ist der Betrieb einer ICE-Strecke leiser als eine Autobahn mit Schallschutz. Die parallele Trassierung zur A2 wäre somit die umweltverträglichste Variante in Schaumburg. Zu enge, die Geschwindigkeit mindernde Kurvenverläufe könnten vermieden werden. Aufgrund der Topografie des Wesergebirges wäre der Bau von Trögen und Tunnelstrecken unerlässlich, was den Neubau zwar aufwendiger und teurer, aber am Ende effektiver machen würde.

Die neue Trasse könnte in Seelze von der Bestandsstrecke abzweigen und bis zur Autobahn bei Kolenfeld geführt werden. Dann verliefe sie parallel zur Autobahn und würde bei Brake in die bestehende Strecke nach Bielefeld einfädeln. Nahe dem Autobahnkreuz Bad Oeynhausen würde vorher ein Abzweig die Neubaustrecke mit der alten Trasse Richtung Osnabrück verbinden. Minden und die enge Porta Westfalica würde man so umfahren. Minden ist ja ohnehin heute schon vom ICE-Verkehr abgekoppelt, könnte aber weiterhin über die alte Strecke bedient werden.

Ein Neubau der West-Ost-Trasse ist dringend erforderlich. Die Intercity-Züge benötigen heute für den Abschnitt Hannover-Dortmund eine Stunde und 38 Minuten, genauso lange wie 1939 der damalige Fernschnellzug. Die aktuelle Diskussion um eine neue effektive Verkehrspolitik ist bereits vor 30 Jahren geführt worden und im Sande verlaufen. Die Folgen sind Staus auf den Autobahnen, ungezügelter Lastwagenverkehr und eine planlose Bahnpolitik.

Symptomatisch dafür sind all die Bürgerinitiativen und Politiker, die sich kategorisch gegen eine Neubautrasse, wo auch immer sie verlaufen soll, aussprechen, ohne vernünftige Alternativen zu bieten. Die Bahnstrecke ist von nationalem Interesse und sollte auch gegen ideologische Widerstände durchgesetzt werden. Leider fallen die Berichterstattungen der Medien argumentativ sehr einseitig aus.

Jürgen Swoboda, Obernkirchen