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Leserbriefe Weitsicht ist keine Panik
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20:08 12.07.2019

Gleichzeitig nimmt die Scheu vor dem Menschen besorgniserregend ab und mehrere Hundert Schafe, Rinder, Fohlen und Hunde fallen den Wölfen jährlich zum Opfer – Tendenz stark steigend. Die Kosten für Ausgleichszahlungen, Herdenschutzmaßnahmen und Wolfsmanagement betragen mehrere Millionen Euro im Jahr – Tendenz stark steigend.

Die Wolfsrudel haben die Reh- und Damwildpopulationen in einigen Regionen Ostdeutschlands extrem dezimiert und die meisten der einzigartigen deutschen Wildschafpopulationen wurden schlichtweg weggefressen. Dieser zunehmenden Übermacht an Räubern haben die Beutetierarten wenig entgegenzusetzen. Und je geringer die persönliche Betroffenheit ist, desto stärker scheint der Wolf als „Übertier“ von einigen sogenannten „Naturschützern“ glorifiziert zu werden. Und natürlich kann man in naiver Weise – dem natürlichen Lauf der Dinge folgend – einfach mal abwarten und gucken, was noch so alles passiert, bis zum Schluss auch unsere Schaumburger Mufflons im Bückeberg ausgerottet sein werden. Aber muss das wirklich sein?

Ein verantwortungsvoller Umgang mit unseren Wildtieren sieht für mich anders aus. Und es beruhigt mich sehr zu hören, dass andere Politiker weitsichtiger darüber denken als die Grünenabgeordnete Schmidt aus dem Auetal, die den totalen Schutz aller Wölfe fordert. Wir müssen uns endlich unserer ökologischen und auch sozialen Verantwortung stellen und die Wolfspopulation artgerecht regulieren.

Durch falsche Emotionalität darf nicht eine Art moralisch über alle andere Tierarten gestellt werden. Unanständig erscheint mir zudem die Intoleranz einiger Ökomoralisten gegenüber Bürgern, die nachvollziehbare Bedenken gegenüber streunenden Wölfen hegen, die infolge fehlender Bejagung jedwede Angst vor dem Menschen und dem Weidevieh verloren haben. Zweifelsfrei ist die Verbreitung des Wolfes ein natürlicher und prinzipiell auch wünschenswerter Prozess. Aber Frau Schmidt sollte sich bewusst machen, dass dies bei uns nicht in der kanadischen Wildnis, sondern in einer extrem intensiv genutzten, stark besiedelten Kulturlandschaft stattfindet.

Natürliche Regulation klingt gut, kann aber unter „unnatürlichen“ Bedingungen zu dramatischen ökologischen und ökonomischen Folgen führen. Unsere Landschaft wurde über Jahrtausende vom Menschen geprägt und vielerlei Personengruppen vertreten hier ihre berechtigten Interessen. Darauf sollte auch Frau Schmidt Rücksicht nehmen. Ich bedaure es sehr, dass einmal mehr auf dem Rücken unserer Wildtiere mit extremen Positionen und Forderungen in ökopopulistischer Weise Klientelpolitik betrieben wird, ohne sich sachlich und ausgewogen der komplexen Materie zu widmen.

Erst durch den menschlichen Einfluss konnte sich bei uns eine so mannigfaltige Artenvielfalt einstellen und es ist unsere moralische Verpflichtung, alles dafür zu tun, diese wunderbare Biodiversität zu schützen und zu erhalten. Das gilt für Insekten und Unken ebenso wie für Wildschafe. Unsere Landschaft wird geprägt durch gezüchtete und fremdländische Feld- und Waldpflanzen und auch wir Menschen sind sicher nicht in Deutschland entstanden.

Da ist es müßig zu diskutieren, ob sich der Mufflon nach mittlerweile 100 Jahren schon ein Bleiberecht in Deutschland erworben hat. Letztendlich ist in der Natur alles im Wandel und der Mensch muss entscheiden, was er seiner Umwelt zubilligt. Ich möchte, dass sich unsere Kinder auch in Zukunft noch am Anblick der faszinierenden Wildarten im schönen Auetal erfreuen können, und dass unsere Nutztierhalter und Landwirte auch in Zukunft die notwendigen Bedingungen für eine artenreiche Umwelt bereiten und unter zumutbaren Umständen ihre Tiere halten können.

Seit Generationen werden unsere heimischen Wildtierarten gehegt und maßvoll bejagt und dies war stets der Garant für den Erhalt gesunder Populationen. Eine besonnene, von Behördenseite kontrollierte Bejagung des Wolfes bei überhöhten Bestandsdichten zum Schutze der Beutetiere – wie es in anderen Ländern seit Jahren eine Selbstverständlichkeit ist – führt nicht zur Ausrottung des Wolfes, sondern wäre ein vernünftiger Umgang mit der größer werdenden Wolfsproblematik.

Zum Artenschutz des kulturhistorisch bedeutsamen Mufflonbestands im Bückeberg brauchen wir eine wolfsfreie Zone. Und anstelle der ideologisch motivierten Politik, wünsche ich mir speziell von den Auetaler Grünen ein größeres Engagement gegen die landschaftszerreißende ICE-Trasse, die durchs Auetal führen soll.

Lars Büttner

Auetal