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Leserbriefe Weitsichtigkeit beim Thema Wolf ist hier recht kurzsichtig
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19:43 19.07.2019

Sachlichkeit bringt hier Licht ins Dunkel und sollte auch Maßstab der Bewertung sein: Nach neuesten genetischen Erkenntnissen handelt es sich beim Mufflon, für das sich die Jägerschaft im Auetal, namentlich Lars Büttner, einsetzt, um eine alte Hausschafrasse, die auf Korsika und Sardinien verwildert ist. Diese Art ist an felsiges Terrain angepasst, das es in dieser Form im Weserbergland nicht gibt, woraus sich erklärt, warum das Mufflon kaum Chancen gegen den Wolf hat.

Alle anderen Wildarten haben in den bereits vorhandenen Wolfsgebieten – das Weserbergland gehört bislang nicht dazu – bisher keine Rückgänge zu verzeichnen und diese sind biologisch auch nicht zu erwarten. Wissenschaftlich ist es erwiesen, dass der Mensch als Jäger nicht annähernd den Wildbestand gesund und fit halten kann. Der Wolf nimmt diese Aufgabe wahr und erbeutet ausschließlich kranke und schwache Tiere, die leicht zu erbeuten sind. Der Mensch besitzt nicht annähernd die Fähigkeit, eine solche Form der Auslese zu betreiben. Nebenbei bemerkt: Wir haben die höchste Wilddichte seit Menschengedenken. Zudem gibt es kein ungebremstes Wachstum, wie hier suggeriert, da ein Rudel einen Flächenbedarf von etwa 300 Quadratkilometern hat und auch keine weiteren Wölfe im Revier zulässt.

Zum Herdenschutz der Weidetiere ist anzumerken, dass in den Wolfsgebieten, in denen Herdenschutzmaßnahmen durchgeführt werden, kaum bis gar keine Risse der Weidetiere mehr zu verzeichnen sind. Diese Maßnahmen funktionieren und müssen konsequent umgesetzt werden, um eine Koexistenz zwischen Weidetierhaltung und Anwesenheit des Wolfes zu ermöglichen. Die Bejagung hat keine positiven Auswirkungen auf die Nutztierrisse, sondern kann diese sogar durch die Zerstörung der Rudelstruktur erhöhen. Die Statistik der Nutztierrisse offenbart zudem, dass Weidetiere für den Wolf eine nachrangige Rolle spielen: Nutztiere machen in Niedersachsen 0,4 Prozent der Beutetiere und 0,49 Prozent der gefressenen Biomasse aus. Ganz vorne auf dem Speiseplan stehen Rehe, Wildschweine und Rotwild.

Die in dem Leserbrief geschürte Angst vor möglichen Übergriffen auf Menschen entbehrt jeglicher Grundlage und muss entschieden zurückgewiesen werden: Die Wölfe sind seit 1999 nach Deutschland zurückgekehrt und mindestens seit 2012 in Niedersachsen. Bisher ist nicht ein aggressives Verhalten von Wölfen gegenüber Menschen bekannt und es gibt auch keine Anzeichen dafür, dass sich daran etwas ändert. Jungtiere können neugierig sein, eine mangelnde Scheu vor Menschen ist bislang jedoch nur im Fall eines Wolfes aus dem Munsteraner Rudel belegt, wobei dies wahrscheinlich auf Fehlverhalten von Menschen durch Anfütterung verursacht worden ist. Dieses Tier wurde schließlich auch entnommen. Es muss niemand Angst davor haben, im Wald spazieren zu gehen, dort Pilze zu sammeln oder seine Kinder dort spielen zu lassen – solche Unterstellungen schüren Ängste und nützen weder den Menschen, noch weniger jedoch dem Wolf.

Dennis Dieckmann

Westendorf