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Leserbriefe Weniger Beleuchtung, mehr Veränderung
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21:39 15.11.2019

Der Menschheit stünde „nie da gewesenes Leid“ bevor. Ein „Klimanotfall“ komme auf uns zu. Unterzeichnet hatten auch 871 Forscher deutscher Universitäten und Institute.

Da musste man als Zuhörer der Sitzung schon dankbar sein, dass die im Vorfeld mit Wissen und Billigung der Verwaltung an die Ausschussmitglieder verschickten Youtube-Links zu AfD-nahen Quellen der Klimaleugnerszene nicht als Grundlage der Beratung dienten, von einem offenkundig antisemitischen Beitrag in bester verschwörungstheoretischer Manier ganz abgesehen – Greta Thunberg als gekaufte Marionette des Juden George Soros. Immerhin konzedierte man den Grünen großzügig, den menschengemachten Klimawandel nicht zu bezweifeln. Aber zu viel Klimaschutz dann bitte doch nicht.

Verstanden wurde schlicht und ergreifend nicht, dass „dieser Klimawandel nicht nur die massivste Gefahr ist, der das menschliche Leben auf der Erde je ausgesetzt war, sondern schlicht eine Bedrohung von einer ganz neuen Größe und Reichweite“, wie es David Wallace Wells im New York Magazine formuliert. Aber der Nenndorfer Stadtdirektor sorgt sich stattdessen lieber in populistischer Manier um die ihm offensichtlich ans Herz gewachsene Weihnachtsbeleuchtung in der Innenstadt.

Nenndorf braucht eine Erleuchtung anderer Art: den großen Wurf in Sachen Energie, Mobilität, Konsum, Landschaftsverbrauch, um nur einige der entscheidenden Politikfelder zu benennen. Ob die ad hoc eingerichtete „AG Klima“ dem gerecht zu werden vermag, ist zu bezweifeln, nicht zuletzt angesichts der aktuellen Mehrheitsverhältnisse im Nenndorfer Rat und der Borniertheit der Akteure, die mit ihren Beteuerungen, doch alles Notwendige zu tun, an einen gewissen Erich Mielke und dessen Verständnislosigkeit der Veränderungen um ihn herum erinnern.

Es geht nicht darum, in Nenndorf die Welt zu retten, aber darum, das zu tun, was eine Kommune dieser Größenordnung zu tun vermag – wenn sie denn den politischen Gestaltungswillen dazu hat, entsprechende Beschlüsse fasst und sich auf den sicherlich nicht immer populären Weg macht.

Dietmar Buchholz, Bad Nenndorf