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Leserbriefe Windräder und Atomkraftwerke: Die Profiteure sind dieselben
Mehr Meinung Leserbriefe Windräder und Atomkraftwerke: Die Profiteure sind dieselben
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20:43 22.03.2019
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In der Gemeindeverwaltung Extertal vollzog sich eine Wendung um 180 Grad. Man ließ das Gebiet um Wiesental und Friedenstal zwischen Möllenbecker Wald und Krankenhagen – beides Rinteln – und eben Silixen überraschend doch noch zu.

2019 stellt sich, nach inzwischen vier (!) erfolglosen Versuchen von Betreibern, dort Windkraftanlagen (WKA) genehmigt zu bekommen, die Situation wie folgt dar: WKA-Projektentwickler wie die Firma Prowind aus Osnabrück sind Profis in Sachen „psychologisch geschickt verhandeln“ und wissen genau, wie man die Bevölkerung umgarnen und sogar kaufen kann. Darum also geht es im Moment. Der Plan, zwei 240-Meter-Anlagen bauen zu wollen, bringt manchen Anwohner dazu, in den sauren Apfel zu beißen und kleinere, aber dennoch monströse Anlagen zu billigen.

Prowind war von Anfang an klar, dass die Windräder mit den schattenwerfenden Riesen-Propellern über die ausgewiesene Zone hinausreichen würden. Dem Unternehmen stehen Karten, Gesetzestexte und Ingenieure zur Verfügung. Je nachdem, wie es die wechselnde Windlage eben hergibt, strahlen Schall und Schattenwurf weit über die Zone hinaus. Taktisch heißt es, „dass es sich kleiner nicht lohnen würde“, und gibt sich damit als Opfer der Umstände: Lasst es dann doch einfach sein.

Prowind weiß aber sehr wohl, dass das Gebiet äußerst windreich ist. Nach dem erfolglosen Beschwerdeversuch werden sie also sagen: Gut, machen wir es eben ein bisschen kleiner. Der Sturm der Entrüstung, in dieses Gebiet zwei oder mehr Kolosse zu setzen, wird weniger stark ausfallen, als hätte man dies bereits von Anfang an so kommuniziert.

Wie auch immer: Prowind ignoriert, dass dort auch schützenswerte Gebiete für Flora und Fauna und Mensch bestehen. Nicht nur der Vogel des Jahres, die Feldlerche, brütet dort. Auch der Rotmilan und andere sind in dem Areal heimisch. Mit Graus denkt man an die Fälle in Lippe, wo Geschäftemacher die Nester von Adlern mutwillig zerstörten, damit der Rubel doch rollen konnte. Häufig stecken gewissenlose Subjekte dahinter, denen Ziel nur der schnelle Euro ist, nicht aber eine lebenswerte Umgebung für Familie und Freunde.

Auch Atomkraftwerke zu verhindern, ist nicht erstes Ziel der Windenergieindustrie: Die Konzerne, die einst Atommeiler bauten, investieren längst in Riesenwindräder, die die Republik „zuspargeln“. Es sind dieselben Profiteure wie vorher. Im Übrigen: Kennen Sie einen Windparkbetreiber, der direkt an seinen Windrädern lebt?

Noch einmal: Es geht um eine Menge Geld. Und um einen hohen Preis, den Anwohner und Natur hier zu zahlen hätten. Wir müssen miteinander reden! Jeder Förster und Jäger, jeder Wanderer und Ingenieur stelle sich die Frage, in was für einer Welt wir und unsere Kinder leben wollen. Es gibt immer einen Plan B. Überlassen wir das Feld nicht denen, für die Natur nur nutzen statt genießen bedeutet.

Sebastian Wallenstein, Silixen