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Der Norden 20 Millionen Euro wegen Corona-Krise? Bund und Land wollen Flughafen Hannover helfen
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20 Millionen Euro für Flughafen Hannover: Bund und Länder wollen in der Corona-Krise helfen

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20:56 12.02.2021
Menschenleer ist das Abflugterminal im Flughafen Hannover. Der Airport verbucht wegen Corona Verluste.
Menschenleer ist das Abflugterminal im Flughafen Hannover. Der Airport verbucht wegen Corona Verluste. Quelle: Peter Steffen/dpa
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Hannover

Die größeren deutschen Flughäfen können mit staatlichen Hilfen von insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro rechnen. Damit wollen der Bund und die Länder die Kosten erstatten, die den Airports zu Beginn der Corona-Pandemie entstanden waren, um weiter geöffnet zu bleiben. Der Flughafen Hannover erwartet die Auszahlung von rund 20 Millionen Euro. „Wir sind dankbar für diese Unterstützung“, sagte Geschäftsführer Raoul Hille am Freitag. „Das ist aber kein Almosen – wir werden damit für eine Leistung bezahlt.“

Obwohl nach der Ankündigung des ersten Lockdowns Anfang März 2020 der Verkehr einbrach, haben die Flughäfen ihren Betrieb aufrechterhalten. „Gerade zu Beginn der Pandemie haben sie damit entscheidend zur Ausrüstung mit medizinischen Gütern sowie zur Rückholung von Reisenden beigetragen“, sagte Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). Daher sei es nur konsequent, ihnen nun einen Teil der Kosten zu erstatten. Die EU-Kommissionen hatte die Zahlungen zuvor genehmigt.

„Jetzt zügig verhandeln“

Die Corona-Hilfen konzentrieren sich auf 15 Flughäfen, an denen Bund und Länder ein besonderes Interesse haben – im Norden gehören neben Hannover auch Hamburg, Bremen und Münster/Osnabrück dazu. Da der Bund direkt nur an den Flughäfen in Köln/Bonn, München und Berlin beteiligt ist, sollen die Länder die Hälfte der Zuschüsse übernehmen. Niedersachsen wolle sich an der Finanzierung der Hilfen für den Flughafen Hannover beteiligen, hieß es aus dem Wirtschaftsministerium. Jetzt müsse zügig mit dem Bund verhandelt werden, „damit die Mittel schnellstmöglich bei den notleidenden Flughäfen ankommen“, sagte Althusmann.

Der Flughafen Hannover hat im vergangenen Jahr nur 1,5 Millionen Passagiere abgefertigt – ein Minus von rund 75 Prozent im Vergleich zu 2019. Unter dem Strich bedeute dies einen Verlust im „mittleren zweistelligen Millionenbereich“, sagte Hille. Einen Kredit der staatlichen Kfw-Bank haben die Anteilseigner – Stadt Hannover, Land Niedersachsen und der Finanzinvestor Icon – mit Bürgschaften von insgesamt 60 Millionen Euro abgesichert. Durch die Corona-Hilfen ergebe sich die Möglichkeit, den Kreditrahmen entweder nicht ganz in Anspruch zu nehmen oder den Kredit schneller zurückzuzahlen, sagte Hille. Für das laufende Jahr hoffe man darauf, den Verlust auf einen „unteren zweistelligen Millionenbetrag“ zu minimieren.

Weitere Hilfen notwendig?

Ohne direkte Bundesförderung müssen die Flughäfen Dortmund, Paderborn, Weeze, Friedrichshafen, Hahn und Karlsruhe-Baden-Baden auskommen. Auch regionale Airports wie Memmingen, Kassel, Lübeck oder Rostock sollen leer ausgehen. Diese Standorte seien aber ebenfalls wichtige Träger der Daseinsvorsorge, erklärte der Flughafenverband ADV. Sie sorgten für die dringend benötigte Verkehrsanbindung und trügen dort zur Stärkung der Wirtschaftskraft bei.

Der ADV bemüht sich zudem um weitere Hilfen für die Dauer des zweiten Lockdowns, der seit Mitte Dezember gilt. Vonseiten des Bundes gebe es dazu keine Bereitschaft, sagte die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Kirsten Lühmann. „Für ein zweites Hilfspaket sehe ich die Verantwortung bei den Ländern – aufgrund ihrer Beteiligungen sind sie als Erstes für ihre Flughäfen zuständig.“

Von Jens Heitmann