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Der Norden High-tech-Maschinen für die Biobauern
Nachrichten Der Norden High-tech-Maschinen für die Biobauern
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15:44 14.11.2019
Berater Christoph Förster (l.) zeigt Landwirt Hans-Jürgen Weilandt, der gerade auf Bio umgestellt hat, den neuen Smart-Control-Striegel von Einböck. Quelle: Navid Bookani
Hannover

Es mangelt weder an Nachfrage noch Nachfragen. Biolebensmittel liegen bei Verbrauchern im Trend, und so haben die Ökoberater auf der weltgrößten Landmaschinenmesse Agritechnica in Hannover gut zu tun. Jonas Ehls gibt am Bioland-Stand nicht nur Biobauern Tipps, sondern auch solchen Landwirten, die das noch werden wollen. „Hier kann man Dinge sehen, die erst ein Jahr später in den Katalogen auftauchen“, sagt der Erzeugerberater für Pflanzenbau. Nicht zuletzt bei den Maschinen zur Bodenbearbeitung habe die Agritechnica viel zu bieten.

Auch Ökolandwirte finden auf der Agritechnica zahlreiche Anlaufstellen. Sie können sich von Fachleuten beraten lassen und die neuesten Maschinen für den Ackerbau in Augenschein nehmen.

„Viele Landwirte überlegen zurzeit: Wo geht für uns die Reise hin?“, beobachtet auch Steffen Döring, der bei der Niedersächsischen Landwirtschaftskammer Ökobetrieben und Umstellern zur Seite steht. Noch arbeiteten nur 7 Prozent der Landwirte nach Öko-Vorgaben, aber der Markt wachse stark. So seien die Anfragen potenzieller Umsteiger zuletzt deutlich gestiegen.

Bei den Landmaschinen profitiere der Biolandbau von der gesellschaftlichen Entwicklung, die auf den Äckern insgesamt weniger Spritzmitteleinsatz verlangt, berichtet Döring. Die Hersteller hätten viel in Maschinen wie Grubber und Striegel investiert, die Glyphosat und andere Gifte ersetzen sollen: „Der ganze Bereich der mechanischen Unkrautbekämpfung hat sich wahnsinnig entwickelt.“ Denn diese komme nun auch bei konventionell arbeitenden Bauern verstärkt zum Einsatz.

Hackmaschinen ersetzen Handarbeit

So finden sich bei den Hackmaschinen, die die personalintensive Handarbeit von einst ersetzen, mittlerweile solche mit Kameras, die nicht mehr nur die Reihen erkennen, sondern sogar die einzelnen Nutzpflanzen. Dadurch soll auch die Person überflüssig werden, die üblicherweise noch auf einem erhöhten Sitz hinter dem Trecker das Hacken überwacht. Diese exakte Art der Unkrautbekämpfung sei interessant im Gemüseanbau, aber auch beim Anbau von Bio-Zuckerrüben, der gerade groß im Kommen sei, sagt Bioland-Berater Ehls: „Die Frage ist, für welchen Betriebszweig ist es finanzierbar?“ Im Übrigen, betont er, rechne sich eine komplette Umstellung auf Bio keinesfalls für jeden Hof.

Denn viele Landwirte haben in ihren konventionellen Betrieb viel Geld investiert, das sich auch auszahlen soll; und eine mit neuen Maschinen verbundene Umstellung ist teuer. Die aktuelle Version einer Walze etwa, wie sie zur Tiefenführung von Bodenbearbeitungsgeräten gebraucht wird, schlägt in voller 12,30-Meter-Breite mit rund 50.000 Euro zu Buche. Ebenfalls kostspielige Entwicklungen gibt es bei den Striegeln, die mit ihren feinen Zinken nicht nur in der Tiefe dem Unkraut zu Leibe rücken, sondern auch die Bodenbelüftung verbessern. Auf großes Interesse nicht zuletzt bei Biolandwirten stößt der neue Air-Flow-Striegel des österreichischen Herstellers Hatzenbichler. „Die pneumatische Steuerung sorgt für einen gleichmäßigen Druck“, erläutert Vertriebsleiter Matthias Halsbenning.

Neuer Biobauer hofft auf gutes Geld

Ein paar Meter weiter bei Einböck lässt sich Landwirt Hans-Jürgen Weilandt den Smart-Control-Striegel erklären, der besonders präzise arbeiten soll. Der 61-Jährige aus Ostholstein hat seine 170 Hektar jahrzehntelang konventionell bewirtschaftet, in diesem Jahr hat er auf Bio umgestellt. „Ich möchte produzieren, was die Leute wünschen und wofür sie bereit sind, gutes Geld zu bezahlen“, sagt er.

Zwei Tage lang sieht sich der Neu-Biobauer auf der Agritechnica um. Die zukunftsweisende Striegel-Version, die ihm „sehr ausgefeilt“ erscheint, ist noch nicht zu haben – und vorerst wohl auch schwer erschwinglich. Erst mal steht für Weilandt beim Messebesuch ein anderer Wunsch im Vordergrund, der viele Kollegen jedweder Wirtschaftsweise eint: ein neuer Traktor.

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Von Gabriele Schulte

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