Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Der Norden Studium oder Ausbildung – Zahl der Akademiker in Niedersachsen steigt
Nachrichten Der Norden Studium oder Ausbildung – Zahl der Akademiker in Niedersachsen steigt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:29 02.01.2020
Immer weniger junge Menschen in Niedersachsen entscheiden sich für eine Ausbildung. Bei vielen prägen Abitur und Studium den Bildungsweg. Quelle: Martin Schutt/zb/dpa
Anzeige
Hannover

In Niedersachsen gibt es immer mehr Beschäftigte mit Hochschulabschluss. Der Anteil dieser hochqualifizierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist nach Angaben des Landesamts für Statistik (LSN) 2018 auf 18,2 Prozent gestiegen. 2010 hatte der Anteil der Beschäftigten mit einem Hochschul- oder Fachhochschulabschluss noch bei 8,4 Prozent gelegen.

Als Grund für die Veränderung nennt das LSN im aktuellen Niedersachsen-Monitor den Eintritt junger Erwerbstätiger in den Arbeitsmarkt. Diese hätten zumeist ein höheres Qualifikationsniveau als die älteren, aus dem Erwerbsleben scheidenden Beschäftigten.

Anzeige

Bildungspolitik einseitig auf Abitur ausgerichtet

„Die Entwicklung überrascht nicht wirklich“, sagte die Hauptgeschäftsführerin der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen (LHN), Hildegard Sander. Die Bildungspolitik sei über viele Jahre einseitig auf Abitur und Akademisierung ausgerichtet gewesen. „Das Abitur ist damit auch gesellschaftlich für viele der erstrebenswerte Abschluss, ganz unabhängig, ob dieser Weg den Talenten, den Fähigkeiten und der Begeisterung der jungen Menschen entspricht“, sagte Sander.

Niedersachsen steht mit der Entwicklung nicht alleine da. Bundesweit liegt der derzeitige Anteil der Hochqualifizierten unter den Beschäftigten mit 21,5 Prozent sogar noch etwas höher als zwischen Harz und Nordsee. Die in Relation meisten Beschäftigten mit akademischem Abschluss haben die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen sowie Hessen.

Chancen von Ausbildungen werden übersehen

Die Studierquote allein sei aber kein Kriterium für den Erfolg einer Volkswirtschaft, sagte die Handwerkskammer-Geschäftsführerin. „Deutschland verfügt neben dem akademischen Angebot auch über ein breites duales Ausbildungssystem, um das uns die Welt beneidet.“ Die Chancen, die das berufliche Bildungssystem biete, würden vielfach zwar noch nicht gesehen.

Das ändere sich aber: „Zunehmend erkennen Abiturientinnen und Abiturienten den großen Wert einer qualifizierten handwerklichen Ausbildung“, sagte Sander. 2010 habe der Anteil der Abiturienten unter den Auszubildenden in Niedersachsen noch bei 4,9 Prozent gelegen. Mittlerweile seien es 12,3 Prozent. Die Einkommen seien im Handwerk vielfach recht gut: „Jeder dritte Meister oder Techniker verdient mehr als ein Bachelor“, sagte Sander.

Handwerkskammern fordern Unterstützung

„Für viele junge Menschen, die heute das Abitur anstreben oder im Studium nicht wirklich glücklich sind, ist der berufliche Bildungsweg der bessere“, meinte die Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammern. „Er lässt alle Wege offen und kann bis zur Gründung oder der Übernahme eines eigenen Betriebes führen.“

Weil es trotzdem - auch wegen der demografischen Entwicklung - an Nachwuchs fehle, erhoffen sich die Handwerkskammern Unterstützung von den Schulen. „Wir wünschen uns, dass an allen Schulformen eine breite Berufsorientierung angeboten und die verschiedenen Berufe zeitgemäß vermittelt werden“, sagte Sander. Dabei hätten vor allem die Gymnasien vielfach Nachholbedarf.

Von RND/lni